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Nachruf

Der Journalist Werner A. Widmann ist tot

Der Regensburger kämpfte für die Kultur der Region und war eines ihrer Originale. Er starb am Samstag.

Regensburg war seine Stadt: Werner A. Widmann berichtete von vielem „zwischen Spessart und Karwendel“, doch daheim war er in der Domstadt. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.. „Dichter bin ich vielleicht keiner, aber Steuern zahl ich mehr als Goethe.“ Der Mann, der das von sich behauptet hat, war der Journalist und Schriftsteller Werner A. Widmann. Er starb am Samstag in einem Regensburger Krankenhaus. Widmann wurde 84 Jahre alt.

Glatze, Schnauzer und Pfeife waren Widmanns Markenzeichen. Mit einem verschmitzten Lächeln betonte er immer wieder gerne, dass er kein gebürtiger Regensburger sei, dass er 1926 ausgerechnet in Nürnberg das Licht der Welt erblickt habe. Zwei Jahre später aber war er mit seinen Eltern in die Donaustadt gezogen und somit ein „Rengschburger“ geworden.

Hier war er Schüler, Maschinenschlosserpraktikant, Fernfahrer, Trambahnschaffner, Hauslehrer, Bastellehrer in einem deutsch-amerikanischen Jugendheim, Mitarbeiter der Volksbücherei und Märchenerzähler in den überfüllten Grundschulklassen der ersten Nachkriegsjahre. 1952 erschien sein erstes Buch: ein Wanderführer durch den Bayerischen Wald. Über Leo Hanns Mally, damals Lokalredakteur beim „Tages-Anzeiger“, wurde er „Zeilenschreiber“, acht Pfennig pro Zeile gab es damals.

Am 2. Mai 1959 ließ er Regensburg hinter sich. Werner A. Widmann war damals 33 Jahre alt und sein Weg führte ihn über die Redaktionsstuben in Deggendorf und Landau an die Isar nach München, wo er 1962 (Zitat) „ganz ohne Onkel- oder Parteifreundeempfehlung (Ehrenwort)“ erst im Funkhaus und bald auch im Fernsehstudio Freimann des Bayerischen Rundfunks Aufträge erhielt.

Beim Bayerischen Fernsehen stand plötzlich ein Reporter vor der Kamera, der zum Vergnügen der Zuschauer nicht das allgemein übliche Fernseh-Hochdeutsch redete, sondern sich — beispielsweise in der Sendereihe „Zwischen Spessart und Karwendel“ — mit den Leuten im breitesten bayerischen Dialekt unterhielt.

1500 Fernsehberichte hatte er in den folgenden drei Jahrzehnten gemacht, 500 Sendungen aus Bayern moderiert und dabei – wie er später zugab – das ganze schöne Bayernland und viele seiner Menschen kennen gelernt: „Nix Schöners hätt mir ned passiern kenna.“

Und nicht nur das. Über das Medium Fernsehen hatte er auch mitgeholfen, dass von dem schönen Bayernland einiges erhalten blieb, dass ein junger Pfarrer in Lindkirchen bei Mainburg sein barockes Pfarrhaus nicht durch einen Bungalow ersetzen durfte, dass ein kleines Backsteinbrückerl in Plößberg anstelle eines Wellblechbogens original geflickt und das Hafenlohrtal im Spessart nicht in einen Trinkwasserspeicher verwandelt wurde.

Werner A. Widmann aber war nicht nur ein aufmüpfiger Fernsehreporter und Moderator, er war auch Schriftsteller und Verfasser von rund achtzig Büchern. Eines davon ist im MZ-Buchverlag erschienen und heißt „Ja so warn’s. Rühmliches über lauter Unberühmte“. Er war Mitglied der Münchner Turmschreiber. 1974 wurde ihm der Bayerische Poetentaler verliehen. Die Laudatio hielt sein Regensburger Freund Josef Ernstberger, Bezirksfinanzpräsident, langjähriger Herausgeber des Regensburger Almanachs und als „Aloys Balsamer“ launiger Mundart-Kolumnist in der Mittelbayerischen Zeitung. „Der Poetentaler ist mein einziger Orden“ – hat er gesagt – „ich möchte auch keinen anderen mehr, denn wenige in Bayern haben diesen Taler.“

1996 ist er nach Regensburg zurückgekehrt. Er wurde u.a. wieder Kolumnist im Regensburger Almanach, für den er auch schon früher geschrieben hatte. 34 Beiträge stammen zwischen 1973 und 2007 aus seiner Feder. Sein letzter Artikel war ein Nachruf auf den 2007 verstorbenen Wurstkuchlbesitzer Jörg Meier. Zu der geplanten Autobiographie ist es nicht mehr gekommen – schade.

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