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Nachruf

Der letzte Musikalienhändler ist tot

Die Musikwelt trauert um den Kaufmann Manfred Kern. Von 1978 bis 2017 führte er den Verlag „Feuchtinger&Gleichauf“.
Von Helmut Wanner

  • Papst Benedikt XVI. empfing Manfred Kern zweimal zu einer Privataudienz in Rom. Foto: Servicio fotografico de „L‘or“
  • Manfred Kern

Regensburg.Sie war die letzte Musikalienhandlung der Stadt. Vergangene Weihnachten schloss die Firma Feuchtinger&Gleichauf in der Niedermünstergasse ihre Pforten. Sieben Monate danach starb der Inhaber Manfred Kern. Die Familie ist fassungslos. „Der Tod kam aus dem Nichts“, sagt sein Sohn Sebastian Rieß. Noch am Nachmittag des Freitag, 19. Juli, hatte er von seinem Haus in Straubing mit seiner Frau Helga Rieß in der Regensburger City-Parfümerie telefoniert. Kurze Zeit später war er tot. „Es war ein Aneurysma im oberen Brustbereich, das er seit seiner Kindheit hatte. Es platzte. Man konnte nichts tun“, sagt sein Sohn.

Kirchenmusiker aus ganz Deutschland trauerten schon im August 2017, als Manfred Kern den Räumungsverkauf beschloss. Wie fühlt sich das an, dass hier bald Schluss ist, wurde er damals gefragt? „Entsetzlich“, sagte er. „Seit ich den Termin gesetzt habe, wache ich nachts auf.“ Manfred Kern war ein charmanter Vertreter der alten Schule der Regensburger Kaufleute. Er war gepflegt bis zu den Spitzen seines Schnurrbarts und roch dezent nach „Bois de Portugal“. Der alte Tabakduft, den angeblich Napoleon Bonaparte kreiert hat, kontrastierte mit dem papierenen Geruch seines gewaltigen Notenarchivs. Er hatte den Duft bei seiner Frau entdeckt, Helga Rieß. Sie nannte er „die Liebe meines Lebens“. 27 Jahre waren die beiden ein Paar.

Manfred Kern wurde am 26. Februar 1949 in Straubing geboren. Sein Leben war von Beginn an mit Kirchenmusik verknüpft: Der Vater Franz Kern war Kirchenmusiker und Steuerberater. Mit 13 Jahren ging Kern von den Domspatzen ab, weil seine Schwester Abitur gemacht hatte und der Vater wollte, dass er ihren Platz an der Orgel von St. Michael einnehme. Manfred Kern blieb dem Chor dennoch lebenslang verbunden. 1976 bis 2016 war er im Vorstand des Vereins der Domspatzen. Er sang im Straubinger Kammerchor.

Manfred Kern war Wirtschaftspädagoge. Er stand schon vor einer Berufsschulklasse, als er mit 30 Jahren von seinem Studienfreund Wilhelm Reicheneder nach Regensburg geholt wurde. Manfred Kern wurde wurde zum 1. Januar 1978 Geschäftsführer eines machtvoll klingenden Konglomerats aus „Katholisches Zentralbüro“, „Heuport Haus des Buches und der Musik“, „Musikalienhandlung und Verlag Feuchtinger&Gleichauf“. Letzteren hatte die Diözese erst 1977 erworben, um, wie es damals hieß, „den Weiterbestand des traditionsreichen Geschäftes mit dem Schwerpunkt Kirchenmusik zu sichern“. Unter seiner Ägide kam die Kirchenmusikproduktion des Verlags Friedrich Pustet hinzu und, im gleichen Jahr, vom Musikhaus Reisser (heute Wittl) der Verlag Franz Feuchtinger.

1984 wurde Kern Prokurist, er saß einem achtköpfigen Aufsichtsrat aus Klerikern gegenüber. Sein Arbeitsplatz war zu Beginn in der Schwarzen Bären Straße 5, im nicht unangenehmen Dunstkreis des Klerikalschneiders und des Generalvikars Fritz Morgenschweis. Als Feuchtinger&Gleichauf 1984 an die Niedermünstergasse umzog, weihte Bischof Manfred Müller die neuen Räume. Drei Jahre später kaufte Kern die Firma. „Zum weltweiten Ruf Regensburgs als Kirchenmusikstadt hat neben dem Domchor und der Kirchenmusikschule auch Feuchtinger&Gleichauf beigetragen“, sagte der Bischof. Damit hatte er das Lebenswerk Manfred Kerns beschrieben.

Zwei Seelen

  • Berufung:

    Im Verlag „Feuchtinger & Gleichauf“ konnte Manfred Kern die zwei Seelen in seiner Brust verbinden: das Kaufmännische und die Kirchenmusik. Deswegen machte ihn sein Beruf glücklich.

  • Beerdigung:

    Bei seinem Requiem sangen die Domspatzen das Ordinarium. Sein Sohn Sebastian Rieß spielte am Klavier den Beatlessong „Blackbird“. Seine Neffen Markus Poschner, GMD in Linz, und Ulrich Poschner, Geiger in Luzern, intonierten „Irgendwo auf der Welt“ von den Comedian Harmonists.

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