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„Der Südost-Link ist keine Katastrophe“

Die Planungen der Stromtrasse sind voll im Gange. Die Verantwortlichen setzen bei der Umsetzung auf transparente Strukturen.
Von Daniel Geradtz, MZ

Der Südostlink besteht aus zwei Kabelschächten in denen jeweils zwei Kabel verlegt werden. Der Korridor wird 15 Meter breit sein.
Der Südostlink besteht aus zwei Kabelschächten in denen jeweils zwei Kabel verlegt werden. Der Korridor wird 15 Meter breit sein. Foto: dpa

Regensburg.Mehr als 20 Vertreter aus der Kommunalpolitik informierten sich am Donnerstag in einem Gespräch mit Verantwortlichen der Bundesnetzagentur und des Stromnetzbetreibers Tennet über die wohl bald auf den Weg gebrachte Stromtrasse „Südost Link“. Das Treffen hatte die CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Astrid Freudenstein organisiert.

„Das Thema wird in der breiten Öffentlichkeit ausgesprochen ruhig und konstruktiv debattiert“, sagte Freudenstein. Genau so habe sie auch das Treffen mit dem regionalen Entscheidungsträgern empfunden.

Der Südost-Link soll Strom aus dem nördlichen Bundesgebiet nach Bayern bringen. Die Leitungen der Trasse sollen unterirdisch verlegt werden. „Nachdem Tennet die möglichen Verläufe präsentiert hat, liegt es uns daran, möglichst frühzeitig zu erfahren, was sind die Sorgen in den Regionen“, beschrieb Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, die Intention hinter dem Treffen. Er betonte, dass es eine „starke Betroffenheit der Landwirte“ gibt, die sich vor möglichen Beeinträchtigungen fürchten würden. „Die Auswirkungen der Wärme auf den Boden führen zu keinen signifikanten Beeinträchtigungen“, konnte Andreas Herath vom Betreiber Tennet beruhigen.

Herath spricht davon, dass konservative Berechnungen eine Erwärmung von bis zu zwei Grad ergeben hätten. „Das gilt bei 30 Zentimetern unterhalb der Erdoberfläche. Wir planen 1,5 bis zwei Meter tief zu graben“, bekräftigte er. Die Baumaßnahmen sollen mit einer bodenkundlichen Fachbegleitung erfolgen, was den Landwirten nachhaltig einen hohen Ertrag ermöglichen soll.

Auch wenn die Verlegung der Kabel unter der Erde mit großem Aufwand verbunden ist, sprechen für Andreas Herath einige Gründe dafür, sie einer Überlandtrasse vorzuziehen vorzuziehen. „Das Landschaftsbild wird deutlich geringer in Anspruch genommen als bei Freileitungen“, sagte er. Außerdem eröffne sich die Möglichkeiten für Synergien: Wenn ohnehin schon gegraben werde, könnte man die Maßnahmen dazu nutzen, Glasfaserleitungen für einen schnellen Internetanschluss zu verwenden.

Autobahn-Bündelung ein Problem

Die Leitung soll möglichst geradlinig verlaufen. Die Luftlinie zwischen den beiden Endpunkten Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) und Landshut beträgt rund 400 Kilometer. 200 Kilometer davon verlaufen durch Bayern. „Der größte Teil davon wird in der Oberpfalz liegen. Wie viel, das können wir noch nicht sagen“, so Herath. Bislang existieren die Verläufe nur in Entwürfen, die genauen Strecken müssen noch geplant werden. Für die Oberpfalz existieren 22 Planungsvarianten.

Ein paralleler Verlauf zu Abschnitten der Autobahn A 93 wird ebenfalls ins Betracht gezogen. Der Vorteil: Es gäbe für diese Bereiche nur einen Eigentümer, mit dem die Verantwortlichen verhandeln müssten, den Bund. „Bei der Bündelung an die A 93 stößt man an Grenzen. Zum Beispiel, wenn man nach Regensburg kommt“, führte Peter Franke von der Bundesnetzagentur aus. Regensburg ist dicht besiedelt, Tunnel und Brücken erschweren es, die 15 Meter breiten Korridore zu graben. In Wäldern sollen weitestgehend vorhandene Schneisen genutzt werden.

Nötig sind Kabelgräben, in denen jeweils zwei Kabel verlegt werden. Ein Puffer zwischen den Leitungen soll verhindern, dass es zu einer zu starken Wärmeentwicklung kommt. Wegen der Breite des Korridors gilt es laut Franke zu überlegen, ob eine Verknüpfung mit der Verkehrsinfrastruktur wirklich die einfachste Lösung sei.

Die derzeit prognostizierten Kosten von vier bis fünf Milliarden Euro hält Franke eine plausible Rechnung. Sie werden über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten auf die Kunden umgelegt. Laut der Betreiberfirma Tennet bewegen sich die jährlichen Zusatzkosten pro Haushaltskosten zwischen fünf und sechs Euro. Es müsse noch politisch entschieden werden, ob die erhöhten Kosten auf alle Kunden umgelegt werden können oder lediglich auf die Menschen in der „Tennet-Zone“, warf Franke einen Blick voraus.

Netzeingriffe, also Stromabriegelungen in Gebieten, in denen ein Stromüberschuss existiert, seien für den Verbraucher am Ende sogar teurer Andreas Herath. Sie schlagen laut seiner Kalkulation mit acht Euro pro Kunde und Jahr zu Buche.

„Ich widerspreche, dass die Stromtrasse eine Katastrophe ist“, so MdB Astrid Freudenstein. Gleichzeitig könne sie auch verstehen, dass Kommunen und Grundbesitzer sich nicht darum reißen würden, den Südost Link durch ihr Gebiet verlaufen zu lassen.

Planungsprozess wird gelobt

Schon in der vergangenen Woche initiierte Peter Aumer, Vorsitzender der CSU Regensburg Land, ein Treffen mit Kommunalpolitikern. Dabei wurde die Transparenz der Betreiberfirma Tennet bei der Planung der Stromautobahn gelobt. Denn es finden nicht nur Informationsveranstaltungen der Bürger, sondern auch für Bürger statt.

Für Dr. Martin Elsberger, Leiter der Taskforce Netzausbau im Landesministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sieht in dem Verfahren eine Möglichkeit, „zu vermitteln, was moderne Planungs- und Projektarbeit“ bedeutet. Es demonstriere die Beteiligungs- und Einflussmöglichkeiten.

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