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Kommentar

Der Vater, der Sohn und der Esel

Ein Kommentar von Jan-Lennart Loeffler

Es gibt diese Geschichte von Vater und Sohn, die auf dem Markt einen neuen Esel kaufen. Sie können sich nicht entscheiden, wer auf ihm reiten darf: Zuerst reitet niemand, dann der Vater, danach der Sohn, anschließend beide. Jeder Spaziergänger, der ihnen entgegenkommt, hat einen anderen Ratschlag. Am Schluss tragen Vater und Sohn den Esel auf ihren Schultern nach Hause. Und werden von der Mutter ausgelacht.

In einem ähnlichen Dilemma steckt die Stadt - nicht nur - bei ihrem Möblierungskonzept. Die Interessenlagen in der Altstadt sind einfach zu verschieden: Gastronomen, Altstadtbewohner, Partyvolk, Touristen, Denkmalschützer. Jeder hat seine eigenen Erwartungen und die stehen anderen Vorstellungen oft kontrovers gegenüber. Mehr Bäume für das Stadtklima? Passt nicht zum Denkmalschutz! Mehr unkommerzielle Sitzgelegenheiten? Schlecht fürs Geschäft der Gastronomie! Mehr Mülleimer? Ziehen noch mehr Müll an! Die Wahrheit liegt jedoch immer irgendwo dazwischen. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt und bei den Betroffenen der Wille zum Kompromiss. Eine Sitzbank wird noch nicht zum Kneipensterben in der Altstadt führen. Auch die Unesco wird nicht die Bäume in der Altstadt zählen und den Daumen über das Weltkulturerbe senken. Klar sollte aber immer das Ziel sein, warum sich die Stadtverwaltung um Fahrradständer und Sitzgelegenheiten überhaupt kümmern sollte: Und das ist eine hohe Aufenthaltsqualität in der Altstadt - für Besucher und Bewohner.

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