mz_logo

Regensburg
Samstag, 21. April 2018 28° 2

Zusammenarbeit

Der Verkehr ist der Haupt-Streitpunkt

Zwischen Stadt und Landkreis Regensburg krachte es zuletzt. Die MZ analysiert, wo es hakt – und wo es besser läuft.
Von Julia Ried

  • Der Landkreis wünscht sich zur Entlastung des Pfaffensteiner Tunnels eine Kneitinger Brücke. Die Stadt lehnt diese ab. Foto: Lex
  • Dieser Nachtbus fährt nur bis Pentling. Der Landkreis steigt nicht ein. Foto: Steffen

Straßenverkehr: Brückenbauer dringend gesucht


Aus dem Landkreis kommen laute Rufe nach Straßenausbau und Brücken, um die stauanfälligen Routen in die Stadt zu entlasten. Im Kreistag wurde harsch kritisiert, dass nur wenige Projekte aus der „Verkehrsuntersuchung Großraum Regensburg“ von 2005 realisiert worden seien. FDP-Politiker Horst Meierhofer appellierte daraufhin an seine Kollegen im Stadtrat: Die Stadt dürfe sich Brücken nach Sinzing oder Kneiting nicht verschließen; sie war bisher dagegen, weil sie durch Wohngebiete führen würden. Der Landkreis positioniert sich deutlich: Es sei „zwingend notwendig“, dass die Stadt die Belange des Umlandes noch stärker berücksichtigt, sagt Landratsamtssprecher Hans Fichtl. Der Landkreis wünsche sich, dass das Thema Kneitinger Brücke „offener diskutiert werden könnte“. Die Stadt wiederum würde die Ostumgehung gern bis zur Autobahn verlängern, was Zeitlarn und Regenstauf ablehnen. Beim Radverkehr geht es besser voran. Der Radweg nach Grünthal soll 2019 kommen. Die Sinzinger Radbrücke ist in Planung.

Kommentar

Augenhöhe fehlt noch

Das Gesprächsklima zwischen Stadt und Land galt bis 2014 als schlecht. Nach der Kommunalwahl wurde es besser. Doch in der Verkehrs- und Wohnungspolitik...

ÖPNV: Trotz Verkehrsverbund knirscht es


Organisatorisch betrachtet steht einer guten Kooperation von Stadt und Land beim Thema öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nichts im Weg. Im Regensburger Verkehrsverbund arbeiten die Stadttochter Regensburger Verkehrsbetriebe und die landkreiseigene Gesellschaft für öffentlichen Nahverkehr unter einem Dach. Und doch knirscht es. Im Wirtschaftsausschuss des Kreistags wurde jüngst Kritik laut, dass die Planungen für den Ausbau des ÖPNV-Systems in Regensburg offenbar an der Stadtgrenze Halt machten. FDP-Politiker Horst Meierhofer warf wiederum die Frage auf, ob sich der Landkreis an der Realisierung einer Stadtbahn beteiligen würde. Die Stadt würde gern das Nachtbus-Netz in den Landkreis ausbauen. „Dazu ist jedoch eine finanzielle Beteiligung no

Wirtschaft: Wenzenbach geht jetzt alleine voran

Das interkommunale Gewerbegebiet kommt nicht voran. Foto: Lex

Gemeinsame Netzwerke gibt es einige: Die Wirtschafts-Cluster Regensburgs, von Biotechnologie über Energie bis zur Kultur- und Kreativwirtschaft, stehen auch Firmen aus dem Landkreis offen. Die geplanten gemeinsamen Gewerbegebiete sind jedoch noch nicht in Sichtweite. Der Wenzenbacher Gemeinderat beschloss sogar am Dienstag, dass die Gemeinde 2018 selbst eine Änderung des Flächennutzungsplans für das Areal zwischen Thanhof und Haslbach angehen soll. Bürgermeister Sebastian Koch ist der Auffassung, Stadt und Land hätten hier unterschiedliche Prioritäten. „In Wenzenbach haben wir jedenfalls so gut wie keine Gewerbeflächen mehr, so dass bei uns der Leidensdruck deutlich größer ist als in der Stadt.“ Auch hier hakt es bei der Verkehrsentwicklung: Die Stadt will Entscheidungen über einen möglichen Ausbau der Pilsen-Allee abwarten, sagt eine Sprecherin. Wann diese fallen, sei noch unklar.

Was ist im Jahr 2017 passiert? Einen Überblick finden Sie in unserer Chronologie:

Sozialwohnungen: Die Stadt wünscht sich mehr

Die Tage des Schülertheaters gestalten Schüler aus Stadt und Land. Foto: Graßl


In Regensburg gibt es 5430 geförderte Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen – im Landkreis waren es Anfang 2017 854, obwohl dort mit mehr als 190 000 Einwohnern 25 000 Menschen mehr leben. In so mancher Landkreiskommune gibt es überhaupt kaum Mietwohnungen. In mehreren Stadtrandgemeinden ist die Zahl der geförderten Wohnungen einstellig oder lautet Null. Das sorgt in der Stadt mit ihrem angespannten Wohnungsmarkt für Unmut. Manche Kommunen engagieren sich hier nun stärker: So will Tegernheim, das nur über drei geförderte Wohnungen verfügt, bis 2019 44 solche Apartments fertigstellen. Andere blieben untätig.

Alle Teile unseres Regensburger Jahresrückblicks finden Sie hier!

Bildungsregion: Zusammenarbeit läuft geräuschlos

Die Stadt ruft nach mehr Sozialwohnungen – Tegernheim baut. Foto: Schmid


Was die Schulen betrifft, die zum Teil Stadt- und Landkreisbürger gemeinsam nutzen – etwa im Fall der beruflichen Oberschule –, so wurden jüngst keine Klagen über die Kooperation laut. 2018 ist wieder eine Bildungskonferenz geplant, bei der sich Stadt und Land unter anderem über den Bedarf an weiterführenden Schulen austauschen wollen. Enge Zusammenarbeit gibt es auch bei der Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen, berichten die Verantwortlichen.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

  • FH
    Franz Huber
    09.01.2018 08:37

    Am 24. Januar 2011 bei einer Sitzung des Planungsausschusses der Stadt Regensburg, wurde der damalige Landrat Herbert Mirbeth eingeladen und er argumentierte leidenschaftlich für die Verbesserung der regionalen Verkehrsinfrastruktur. ( Ich war persönlich als Besucher anwesend). Der anschließende Beschluss manifestierte leider den Stillstand und die Unbeweglichkeit der Stadt. Selbst im Jahr 2018 sind leider keine nennenswerten Erfolge und Fortschritte zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur weder auf der Schiene noch auf der Straße, im Großraum Regensburg erkennbar. MfG. Franz Huber Sinzing

    Missbrauch melden
  • FH
    Franz Huber
    03.01.2018 17:56

    Angesichts der Ignoranz gegenüber den Ergebnissen und Empfehlungen des gemeinsamen Verkehrsgutachten für den Gesamtraum Regensburg von 1995 (Kosten 150.000 €) von der Stadt Regensburg, fehlende Kooperationsbereitschaft mit dem Landkreis, dem verkehrspolitischen Stillstand und der legendären Planlosigkeit, verwundert es nicht, dass man untätig sehenden Auges in das drohende Verkehrsdesaster für den Gesamtraum Regensburg hineinsteuert. Ich erinnere mich noch genau an die kompromisslose Aussage von MdL Franz Rieger bei einer Podiumsdiskussion zur Verkehrsproblematik im Presseclub zu einer Nahverkehrsbrücke Sinzing: "Wir brauchen diese Brücke nicht!" Ebenso an die Aussage von OB Joachim Wollbergs bei einer Veranstaltung zum Thema, im MZ-Medienhaus zur Kneitinger Brücke: "Solange ich Oberbürgermeister bin, kommt diese Brücke nicht!" Hoffentlich kommt spätestens jetzt endlich Bewegung zur Lösung, der sprichwörtlich verfahrenen Situation. MfG. Franz Huber Sinzing

    Missbrauch melden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht