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Turmtheater

Der Wahlkampf erlangt Bühnenreife

Die Regensburger OB-Kandidaten stellten sich den Fragen von Aki Schindler. Eineinhalb Minuten Redezeit brachten Schwung in die Debatte.
Von Heike Haala, MZ

Benedikt Suttner, Christian Schlegl, Horst Meierhofer, Tina Lorenz, Irmgard Freihoffer, Joachim Wolbergs, Jürgen Huber und Ludwig Artinger (von links) Fotos: Lex

Regensburg.Dem rot gepolsterten Thron, an dessen Lehne eine Krone hing, konnte die Linken-Stadträtin Irmgard Freihoffer einfach nicht widerstehen. Als Martin Hofer, der Leiter des Turmtheaters, die Regensburger OB-Kandidaten vor Beginn des Politischen Mittwochs im Turmtheater auf die Bühne bat, nahm sie für einige Sekunden auf dem Königsstuhl Platz – ungeachtet dessen, dass sie eigentlich gar keine OB-Kandidatin ist. Am Mittwochabend vertrat sie Richard Spieß in dieser Funktion.

Und sie tat gut daran, wie alle anderen Kandidaten auf einer der weniger opulent ausstaffierten Sitzgelegenheiten Platz zu nehmen, die in einem „V“ um den Thron drapiert waren. Hofer nämlich trug vor dem Einstieg in die Fragerunden Heinrich Heines „Belsazar“ vor. Hofer spielte die Rolle des besoffen gottlästernden Königs von Babylon, der letzten Endes von seinen Knechten umgebracht wird, derart inbrünstig, dass er sich dabei selbst die Brille von der Nase schubste, als Belsazar Jehova ewigen Hohn ankündigt.

Die anschließende Fragerunde leitete Aki Schindler. Von einer Podiumsdiskussion unterschied diese sich, weil die Kandidaten auf Schindlers Fragen in zufälliger Reihenfolge und in 90 Sekunden antworten mussten. Zum Aufwärmen wollte Schindler wissen, was die Regensburger OB-Kandidaten gegen die Demokratieverdrossenheit tun wollen. Freihoffer, Tina Lorenz (Piraten) und Horst Meierhofer (FDP) sprachen sich für das Streaming von Stadtratsdebatten aus, Jürgen Huber (Grüne) sah die Bürger in der Pflicht, während Benedikt Suttner (ÖDP) und Ludwig Artinger (Freie Wähler) an der Diskussionsweise arbeiten wollen.

Die zweite Runde startet

Nach Schindlers zweiter Frage nahm die Vorstellung ordentlich an Fahrt auf. Die Kandidaten sollten formulieren, welche drei Dinge sie in Regensburg am meisten stören. Freihoffer echauffierte sich dabei über die Art, wie mit ihrer Partei im Stadtrat umgegangen werde, und die Prioritäten bei der Stadtentwicklung, so dass ihr die Zeit für ein drittes Ärgernis nicht mehr reichte. Christian Schlegl (CSU) nutzte seine Redezeit, um seinen Tunnel-Vorschlag auch in diesem Forum zur Sprache zu bringen – ein Thema, das aus der Debatte fortan nicht mehr wegzudenken war. Das konnte Joachim Wolbergs (SPD) nicht unkommentiert stehen lassen. Er opferte einige Sekunden seiner Redezeit, um deutlich zu machen, dass der Tunnel nicht nötig sei. Für die Aussage, dass Regensburg eine Stadt werden müsse, in der man in Würde altern kann, erntete er Applaus und wohlwollende Zurufe. Ein Raunen dagegen schallte Lorenz entgegen, die zur Sprache brachte, wie sehr sie der Umgang mit Asylbewerbern ankotze. Sie stellte dabei auch die Vermutung in den Raum, dass nur die wenigsten aus dem Publikum bereits so ein Heim gesehen hätten.

Ein Lacher für die kürzeste Antwort des gesamten Abends war Huber für seine Antwort auf Schindlers Frage nach seiner Einschätzung der Person Edward Snowdens sicher. Huber schenkte sich 83 Sekunden seiner Redezeit und träumte vor sich hin: „Ich wünschte, ich wäre Ströbele gewesen.“

Die letzte Frage Schindlers zielte auf das Kulturverständnis der Kandidaten ab. Konsens bestand darüber, dass Kultur mit „Vielfalt“, wie es Artinger forderte, und „Freiraum“, wie Suttners es formulierte, zu tun habe. Meierhofer sagte: „Kultur ist nicht nur, wenn eine Blaskapelle durch die Stadt zieht, mit einem Freibierfass vom Bischofshof.“ Kultur sei es auch, wenn das Fass vom Kneitinger ist, fiel Schlegl ihm ins Wort und erzielte damit den lautesten Lacher die Abends. Anschließend sorgte Huber mit einer empathischen Rede für Stille im Saal: Kultur sei die Absicherung dessen, was Menschen sind, sie mache erhaben über Zweifel, schaffe Identität und erlaube zugleich Zukunftsvisionen.

Punkbands im Haus der Musik

Nach der Fragerunde durften die Gäste im Publikum Fragen stellen. Der Kandidat, der sie zu beantworten hatte, wurde ausgelost. Dies und die Zeitreglementierung brachten Schwung in die Runde. Schlegl flehte den Moderator bei der Frage zum Verkehrskonzepten mit gefalteten Händen an, dass er das rechte Los ziehen möge. „Wie bestellt“, kam Meierhofer die Frage nach Parkplätzen in der Innenstadt entgegen. Lorenz punktete mit der letzten Antwort der Runde, indem sie forderte, im Haus der Musik auch Probenräume für Bands unterzubringen. Darunter sieht sie durchaus auch Punkbands, weil jetzt nicht abzusehen sei, welche Synergieeffekte sich daraus ergeben könnten.

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