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Regensburg
Sonntag, 22. Juli 2018 24° 4

Kultur

Der Wiener Wald kam ins Audimax

Die K&K Philharmoniker streiften auf ihrer Europa-Tournee die nördlichste Stadt an der schönen blauen Donau.
Von Peter Pavlas

30 blutjunge Musiker verkörperten die Welt der Strauß-Familie. Foto: Pavlas
30 blutjunge Musiker verkörperten die Welt der Strauß-Familie. Foto: Pavlas

Regensburg.Wenn die „K&K Philharmoniker“ zu Jahresbeginn eine „Wiener Johann Strauß Konzert-Gala – Das Original“ geben, dann liegt der Vergleich mit dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zumindest nicht fern. Wer es heuer nicht in den Goldenen Saal schaffte, musste sich dennoch nicht grämen. Im nicht ganz ausverkauften Audimax zeigte sich, dass auch „eine Nummer kleiner“ nicht zu Einbußen im musikalischen Genuss führen musste. Die 22. Europa-Tournee führt die K&K Philharmoniker unter Matthias Georg Kendlinger bis 26. Februar mit insgesamt 76 Konzerten durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, durch Frankreich, Luxemburg, Belgien, Italien, Dänemark, Norwegen und die Ukraine.

Etwas irreführend war der Titel des Programms, denn neben Werken des Walzerkönigs waren auch Stücke seiner Brüder Josef und vor allem Eduard Strauß zu hören. Die drei Geschwister waren seinerzeit in Wien so gefragt, dass sie gelegentlich mit ihren jeweiligen Orchestern gleichzeitig auftraten. Die Auswahl der Walzer, Polkas und Ouvertüren in Regensburg war deshalb durchaus stimmig.

30 Musiker im Walzertakt

Mit dem schmissigen Weyprecht-Payer-Marsch und dem selten gespielten Greeting Valse on English Airs des „feschen Edi“ begann der Abend. Von Beginn an zeigte das Orchester, wie befeuernd die Musik der „Sträuße“ sein kann. Die 30 bestens eingespielten Musiker, fast alle eine Generation jünger als die Mehrzahl der Zuhörer, spielten mit größter Präzision auf, frisch, federnd und unsentimental. Sie folgten flexibel dem klaren Dirigat Martin Kerschbaums.

„Ohne Bremse“ heißt eine „Polka schnell“ – wie ein ICE schoss sie dahin und kam mit einem Paukenschlag zum Stehen. Kein Wunder, hatte Eduard das Stück doch für einen Eisenbahnerball im Wiener Musikverein komponiert. Angenehm kontrastierend dazu folgte „Innig und sinnig“, das jedoch nicht im Mindesten vergeistigt daherkam.

Gekonnte Stabführung Foto: Pavlas
Gekonnte Stabführung Foto: Pavlas

Die Can-can-Passagen in der Ballettmusik zu „Carneval in Rom“ bedeuteten einen Parforceritt nicht nur für die Blechbläser. In den „G‘schichten aus dem Wienerwald“ übernahm eine Gruppe von Streichern den allbekannten Part der Zither. Warum auch nicht? Die „Carmen-Quadrille“ ließ erleben, wie die Tanzmeister des 19. Jahrhunderts den Tänzern gegen Mitternacht so richtig „Beine machten“. Das helle Chaos sei bei solchen Gelegenheiten nie fern gewesen, so Kerschbaum.

1868 komponierte Josef Strauß „Plappermäulchen“, eine liebevolle Bezeichnung für seine Tochter Karoline Anna. Die Schlagwerker ließen dabei eine Ratsche hin- und herwandern und wirbeln. „Ratschkathl“ wäre ebenfalls ein angemessener Name für das Stück, das mit einer kindlich-beleidigt hinterher „nammelnden“ Oboe witzig zu Ende ging.

Bläser mit „Ratschkathl“ Foto: Pavlas
Bläser mit „Ratschkathl“ Foto: Pavlas

Zwei Operetten-Ouvertüren stammten vom bekanntesten Strauß, Johann Sohn, und dann halt die vom Publikum ersehnten Gusto-Stückerln: der Kaiserwalzer und – als eine der Zugaben – die schöne „Blaue Donau“. Orchester und Dirigent schwelgten im Wohlklang. Das Publikum begann leise die Anfangstakte des weltbekannten Walzers zu klatschen. „Das habe ich schon befürchtet!“, meinte Kerschbaum augenzwinkernd und begann von neuem. Zuvor war der „Familienmarsch“ zu hören, das Opus eins des Orchestergründers Kendlinger aus dem Jahr 2006. Beim unvermeidlichen Radetzkymarsch kamen sie dann aber alle auf ihre Kosten: der Dirigent verteilte seine Einsätze vergnügt auf Musiker und Zuhörer.

„Orchester besser denn je“

„Heuer war das Orchester besser denn je“, hatte in der Pause ein Fan bemerkt, und eine Zuhörerin hätte am liebsten zur Musik getanzt, gestand sie. Gelegentlich tritt das Orchester ja mit einer Balletttruppe auf. Die war aber am selben Abend in Düsseldorf mit dem zweiten K&K-Orchester im Einsatz. Das Vergnügen an den sinnlichen Melodien und dem mitreißenden Rhythmus schmälerte dies nicht.

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Musik unterm Doppeladler

  • Wer bei „K&K“

    an die monarchische Vergangenheit unseres Nachbarlandes denkt, liegt im Fall der „K&K Philharmoniker“ falsch. Im Namen des Orchesters finden sich in Wirklichkeit die Initialen seiner österreichischen Gründer Mathias Georg Kendlinger und dessen Gattin.

  • Die Musiker

    knüpfen dennoch bewusst an die goldene Zeit der Musik unter dem Doppeladler an. Das privat finanzierte Orchester reist in zwei Gruppen, von denen eine durch die eigene Balletttruppe ergänzt wird. Über 30 CDs hat der Klangkörper eingespielt.

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