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Soziales

Der Wille schwimmt mit

Das Westbad veranstaltete am Wochenende das 24-Stunden-Schwimmen. Dieses Mal soll der Online-Beratungsstelle „kopfhoch.de“ geholfen werden.
Von Daniel Steffen, MZ

  • Von Samstag, 17 Uhr, bis Sonntag, 17 Uhr, zogen exakt 394 Freizeitsportler im Westbad ihre Bahnen. Sie alle nahmen am 24-Stunden-Schwimmen teil. Foto: Steffen
  • Die Rekordhalter: Axel Ehrhardt und Karin Knigge Foto: Steffen
  • Die Schwimmstrecken wurden mit dem Notebook erfasst. Foto: Steffen
  • Auch die Kinder gaben im Becken ihr Bestes. Foto: Steffen
  • Diese beide schauten vom oberen Stockwerk aus zu. Foto: Steffen

REGENSBURG. Ihren eigenen Rekord aus dem Vorjahr haben sie fest im Blick: 45,5 Kilometer – diese Marke wollen sie knacken. Fest entschlossen stehen Karin Knigge und Axel Ehrhardt auf den Startblöcken, das schimmernde Wasser vor ihnen. Die beiden Asse vom Schwimmclub Regensburg wollen es noch einmal wissen, nur wenige Sekunden trennen sie von dem Startschuss.

Der fällt am Samstag um genau 17 Uhr – und ab geht es ins Wasser. Das 24-Stunden-Schwimmen im Westbad ist eröffnet. Auf allen acht Bahnen herrscht Hochbetrieb. Die Helfer vom Schwimmclub dokumentieren die Zeiten. Alle 100 Meter zeichnen sie einen Strich in die Startkarte.

Es packte sie der Ehrgeiz

Während Karin Knigge und Axel Ehrhardt der Wettkampfgeist motiviert, lassen es andere Schwimmer ruhig angehen, schließlich steht der Spaß im Vordergrund. Trotzdem hat viele Schwimmer der Ehrgeiz gepackt: Eine Runde mehr kann ja nicht schaden, sagen sie sich im Geist und legen noch einmal 100 Meter drauf. Um 19 Uhr, zwei Stunden nach dem Startschuss, haben die Schwimmer schon 16.850 Meter zurückgelegt. Dabei handelt es sich nur um diejenigen, die ihre Startkarte schon wieder abgegeben haben.

„Das ist ja noch gar nichts“, sagt SCR-Sportleiter Claus Ludwig, der die Ergebnisse in den Computer tippt. Er weiß: In den letzten Stunden schnellt die Zahl der erschwommenen Kilometer in die Höhe, zumal die Startkarten über Nacht mitgenommen werden dürfen. Ob der Teilnehmer ein zweites oder drittes Mal ins Wasser springt, steht ihm frei. Was freilich lobenswert wäre: Denn für jeden zurückgelegten Kilometer legen die Badebetriebe einen Spenden-Euro obendrauf. In diesem Jahr soll dem Projekt „kopfhoch.de“ geholfen werden, einer Online-Beratungsstelle für Jugendliche aus der Stadt und dem Landkreis Regensburg.

Der karitative Hintergrund der Aktion hat sich auch im Landkreis gut herumgesprochen. Dem MZ-Reporter fällt eine Gruppe aus Sinzing auf. Die Jungs und Mädels sind im Namen des Jugendrotkreuzes da und wollen den guten Zweck unterstützen. Dazu angeregt hat sie Jugendleiter Wolfgang Schmid: „Ich war schon vor zwei Jahren mit meinen Kindern privat hier. Das war für uns einfach mal was Neues. Und jetzt sind wir gleich mit der ganzen Gruppe gekommen“, lächelt er. Seine Jungs schnaufen auf der Bank erst einmal eine Runde aus. Verdientermaßen. Sein zehnjähriger Sohn Stefan ist schon 2400 Meter geschwommen. „Das Schöne ist: Man kann sich gegenseitig ein wenig antreiben“, sagt Wolfgang Schmid – und begibt sich abermals ins Wasser. Auch für ihn ist hier noch nicht „Schicht“. Um 19.30 Uhr sind die 25 Kilometer überschritten. Das entspricht etwa der Entfernung von Regensburg nach Maxhütte.

SCR will Talente besser fördern

Der Rekord der zurückgelegten Gesamtstrecke liegt bei exakt 2133,2 Kilometern und stammt aus dem Jahr 2010. „Da wäre man dann in Sizilien angekommen“, sagt Claus Ludwig, der erneut die Koordination des 24-Stunden-Schwimmens übernommen hat. Der Mann hat sich einer besseren Talentförderung verschreiben und fängt damit in seinem eigenen Verein an.

Wie Ludwig schildert, gibt es beim SCR allein für die Jahrgänge 2005 bis 2007 nun acht Jugendtrainer, die „ganz bewusst kleinere Gruppen leiten“, damit die Förderung intensiver und individueller ausfällt. Seiner Ansicht nach sind die Strukturen im Deutschen Schwimm-Verband „überholt“, da hätten ihn die schlechten Olympia-Ergebnisse aus London „ nicht verwundert“. Und natürlich halte er auch beim 24-Stunden-Schwimmen im Rahmen der Talentsichtung „die Augen offen“, sagt Ludwig mit einem Augenzwinkern.

Die Stunde der Wahrheit

Für die Schwimmer gibt es ein Novum: Zum ersten Mal sind die Bahnen nach der etwaigen Leistung ihrer Benutzer aufgeteilt. Während Bahn vier für diejenigen bestimmt ist, die am flottesten unterwegs sind und die 100 Meter Freistil in höchstens einer Minute und zehn Sekunden zurücklegen, ist Bahn eins für die „Langsamschwimmer“ und Kinder bis Jahrgang 1995 vorgesehen. Somit wird das Risiko minimiert, dass sich die Schwimmer gegenseitig blockieren: Eine gute Idee, wie sich herausstellt. So können etwa Karin Knigge und Axel Ehrhardt ungestört ihre Bahnen ziehen. Am Sonntag um 17 Uhr schlägt für sie die Stunde der Wahrheit. Haben sie es geschafft oder nicht? Ja, sie haben es! Der Jubel für jeweils 50 erschwommene Kilometer gebührt ihnen ganz allein.

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