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Gastronomie

Der Würstl-Toni soll zurückkehren

Nach einem Jahr steht am Kornmarkt nur eine Sitzbank. Die Stadt versichert: Bald soll ein neuer Kult-Imbiss gebaut werden.
Von Micha Matthes

  • Unzählige Knacker hat Anton „Würstl-Toni“ Erl gewendet. Foto: Archiv/mt
  • Dort, wo noch bis vor einem Jahr der Kult-Imbiss „Würstl-Toni“ stand, ist heute eine Sitzbank installiert. Drei Regensburger Handwerker haben sich darauf niedergelassen. Auf ihrem Speiseplan steht heute Döner zum Mitnehmen. Foto: mt
  • Seinen alten Stand am Kornmarkt musste Anton Erl abreißen. Foto: Archiv/mt
  • Seinen alten Stand am Kornmarkt musste Anton Erl im August abreißen. Zuletzt führte seine Ex-Frau Erika Schmidl das Geschäft. Foto: Archiv/mt
  • Dort, wo noch bis vor einem Jahr der Kult-Imbiss Würstl-Toni stand, steht heute eine Sitzbank – fest in den Boden zementiert. Foto: mt

Regensburg.Dort, wo noch bis vor einem Jahr der Kult-Imbiss Würstl-Toni stand, steht heute eine Sitzbank – fest in den Boden zementiert. Abgesehen vom Christkindlmarkt gibt es im Zentrum von Regensburg damit aktuell eigentlich nur noch einen Verkaufsstand am Neupfarrplatz, der die traditionelle Knacker mit allem zum Mitnehmen anbietet. Es sieht so aus, als würden die freistehenden Wurstbratereien aussterben. Dabei scheint es genügend potenzielle Nachfolger für einen Stand am Kornmarkt zu geben. Der Leerstand schmerzt Anton „Würstl-Toni“ Erl so sehr, dass er unterdessen sogar dazu bereit ist, wieder selbst einen Stand zu eröffnen.

Die Wurstbraterei ist ihr „Lebenswerk“: Insgesamt stand Erika Schmidl 47 Jahre lang hinter dem Grill. Seit einem Jahr ist sie jetzt in Rente.
Die Wurstbraterei ist ihr „Lebenswerk“: Insgesamt stand Erika Schmidl 47 Jahre lang hinter dem Grill. Seit einem Jahr ist sie jetzt in Rente. Foto: Archiv/mt

Nach den Angaben von Erika Schmidl, die den Würstl-Toni-Stand zuletzt geführt hatte, hätten sich noch kurz vor der Schließung im Dezember 2016 mehrere Interessenten gemeldet, die das Geschäft gern übernommen hätten. Die Stadt hatte direkt nach dem Aus des Kult-Imbisses versichert, für Ersatz sorgen zu wollen. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs erklärte die Suche nach einem Nachfolger damals sogar zu einem persönlichen Anliegen: Für ihn sei der Würstl-Toni „eine echte Regensburger Institution“. Daher werde er sich persönlich in den Abwägungsprozess einbringen.

Stadt will neue Kult-Einrichtung

Ende Juli konnten sich Interessenten dann bewerben. Auch Erl und Wilhelm Reisinger jun., Inhaber der Wurstbraterei am Neupfarrplatz, haben nach eigenen Angaben Interesse bekundet. In der Ausschreibung wurde der 1. November 2017 als Termin für die Erteilung einer neuen Genehmigung genannt.

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Heute – mehr als ein Jahr nach der Schließung des Kult-Imbisses – steht ein Nachfolger immer noch nicht fest. Auf Nachfrage versichert Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt: „Im Moment ist da viel Bewegung drinnen.“ Es gebe diverse Interessenten. Nun werde zeitnah entschieden, wer an gleicher Stelle künftig einen Stand betreiben darf. Gespräche mit potenziellen Mietern seien schon geführt worden. Solange das Vergabeverfahren nicht abgeschlossen ist, wolle sich das zuständige Referat für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen zu Details aber nicht äußern.

Dort, wo noch bis vor einem Jahr der Kult-Imbiss Würstl-Toni stand, steht heute eine Sitzbank – fest in den Boden zementiert. Foto: mt
Dort, wo noch bis vor einem Jahr der Kult-Imbiss Würstl-Toni stand, steht heute eine Sitzbank – fest in den Boden zementiert. Foto: mt

Schon in der Ausschreibung wurde festgehalten, dass es am Kornmarkt an selbiger Stelle wieder eine Wurstbraterei geben soll. „Das bisherige kulinarische Konzept, traditionell bayerische Gerichte/Würstel mit regionalem Bezug, soll ebenso beibehalten werden wie Standort und Größe des vormaligen Imbissstandes Würstl-Toni“, heißt es dort. Und von Roenne-Styra bekräftigt: „Das, was Wolbergs damals gesagt hat, hat weiterhin Bestand. Auch der Verwaltung ist es nach wie vor wichtig, dass dort an gleicher Stelle wieder so eine Kult-Einrichtung entsteht.“

Alle Imbissstuben in Regensburg finden Sie auf Mittelbayerische Maps:

Nicht nur in Städten wie Wien ist der Würstlstand eine Institution im Stadtbild. Auch in Regensburg gehören Wurstbratereien fest zur Stadtgeschichte. Nach den Angaben von Erika Schmidl hatte ihre Familie seit über hundert Jahren am Kornmarkt Knacker und Fleischpflanzerl gebraten – zuletzt vor allem für Handwerker, Touristen, Taxifahrer und Nachtschwärmer. Dass dort jetzt nichts passiert, schmerzt ihren Ex-Mann Anton Erl. „Mittlerweile sind wir so weit, dass wir es auch wieder selbst machen würden, rein aus Traditionsgründen“, sagt er. „Wenn wir neues Personal anstellen, wäre da wieder Schwung drinnen.“

Im August mussten Anton Erl und Erika Schmidl die Würstl-Bude am Kornmarkt abreißen. Foto: Mathias Wagner
Im August mussten Anton Erl und Erika Schmidl die Würstl-Bude am Kornmarkt abreißen. Foto: Mathias Wagner

Den alten Stand habe er wegreißen müssen, weil der Kornmarkt umgestaltet werden soll, sagt Erl. Der Abriss sei mit dem Mieter abgesprochen gewesen, sagt von Roenne-Styra. „Nach der Kündigung des Mieters sind wir davon ausgegangen, dass er den Imbiss nicht weiterführen will.“ Der Stand sei abgearbeitet gewesen. „Es war einfach an der Zeit, da etwas Neues aufzubauen.“ Auf die Sitzbank angesprochen, sagt von Roenne-Styra: „Bänke kann man glücklicherweise auch wieder umsetzen.“ Nun müsse zunächst die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag erhält. Dann ist die Bebauung dran. „Wir hoffen, dass alles in diesem Jahr über die Bühne geht.“ Von den Bewerbern werde die Bereitschaft zur Errichtung eines neuen Standes auf eigene Kosten erwartet, der im Einklang mit den Gestaltungsrichtlinien der Stadt steht, heißt es in der Ausschreibung.

Kein einfaches Geschäft

Die Wurstbraterei Reisinger sperrt Mitte Januar wieder auf. Foto: mt
Die Wurstbraterei Reisinger sperrt Mitte Januar wieder auf. Foto: mt

Die Wurstbraterei von Wilhelm Reisinger jun. am Neupfarrplatz hat nach der Christkindlmarkt-Pause aktuell noch geschlossen. Ab spätestens 20. Januar sollen die Würstl dort aber „wieder rollen“. Wie viele Knacker im Durchschnitt über den Tresen gehen, will Reisinger nicht verraten. Das Geschäft sei nicht einfach, sagt er. „Wo man hinschaut, ist ein Imbiss, Bistro oder sonstwas. Die Konkurrenz wächst, die Tradition leidet und nimmt Schaden.“ Die Platzgebühren seien „nicht ohne“. Baustellen, Leerstände, eingeschränkte Parkmöglichkeiten beeinträchtigten zusätzlich das Geschäft. „Auch wir sind auf die Altstadt-Kunden angewiesen.“ Unterdessen mache aber auch der Tourismus einen großen Teil des Umsatzes aus.

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Auch die Familie von Reisinger ist schon lange im Geschäft – nach den Angaben des Inhabers seit 1946. „Ob ich das Geschäft meiner Tochter übergeben kann, weiß ich noch nicht“, sagt er. „Der Kunde entscheidet, ob die Tradition ausstirbt.“ Solange es geht, werde er aber weitermachen. „Das war schon immer mein Traumberuf“, sagt Reisinger.

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Wurstbraterei mit Geschichte

  • Mit dem „Würstl-Toni“

    sperrte ein kleines, aber fast jedem Regensburger bekanntes Traditions-Unternehmen zu.

  • Seit mehr als hundert

    Jahren war die Familie von Erika Schmidl in diesem Geschäft tätig. An der Wand der Imbissbude hing ein Bild, das den Kornmarkt mit der Wurstbraterei ihrer Großeltern im Jahr 1911 zeigte.

  • Erika Schmidl

    wurde im März 64 Jahre alt. Insgesamt stand sie 47 Jahre lang hinter dem Grill.

  • Schon als Kind

    half sie ihren Eltern im Geschäft. Tische abräumen, Semmeln schneiden: „Meine erste Wurstsemmel hab ich mit 12 Jahren verkauft. Da hatte ich noch so kleine Hände, dass sie mir zunächst erst einmal runtergefallen ist“, erzählte sie. Später übernahm dann ihr Mann Anton „Toni“ Erl für 18 Jahre das Geschäft. Schließlich war Schmidl selbst 22 Jahre lang Chefin.

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