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Flucht

Deutsche Flüchtlingsretter in Seenot

Die „luventa“ sandte am Sonntag ein „Mayday“ aus, auch die Regensburger „Sea-Eye“ hat Probleme: Die Schiffe sind überlastet.

Der Kutter „Seefuchs“ der Regensburger Flüchtlingsinitiative „Sea-Eye“ ist am 11. April in Richtung Mittelmeer aufgebrochen, um Flüchtlingen in Seenot zu helfen. Jetzt sind die Retter selbst in Seenot geraten. Foto: Stefan Sauer/dpa
Der Kutter „Seefuchs“ der Regensburger Flüchtlingsinitiative „Sea-Eye“ ist am 11. April in Richtung Mittelmeer aufgebrochen, um Flüchtlingen in Seenot zu helfen. Jetzt sind die Retter selbst in Seenot geraten. Foto: Stefan Sauer/dpa

Regensburg.Bei ihren Bemühungen zur Rettung von Flüchtlingen sind Schiffe zweier deutscher Hilfsorganisationen am Osterwochenende mit mehr als 600 an Bord genommenen Flüchtlingen in Seenot geraten. Die Schiffe „Sea-Eye“ und „Iuventa“ setzten Notrufe ab, weil sie überladen waren und bei zunehmend schwerer See manövrierunfähig wurden. Von der „Sea-Eye“ aus erlebten die Helfer mit, dass „vermutlich acht bis zehn Menschen“ ertranken. Die Crew der „Iuventa“ konnte am Montag ihre geretteten Flüchtlinge in Sicherheit bringen.

Das Schiff „Sea-Eye“ der gleichnamigen Organisation aus Regensburg trieb am Ostermontag mit rund 210 Flüchtlingen an Bord auf halbem Weg zwischen Libyen und Italien manövrierunfähig im Mittelmeer. Die „Sea-Eye“ werde inzwischen von einem italienischen Seenotrettungskreuzer begleitet, sagte Sea-Eye-Chef Michael Buschheuer von Regensburg aus telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Die Flüchtlinge seien am Vortag von dem Schiff aufgenommen worden, das eigentlich nur für acht Personen ausgelegt sei.

„Ein paar haben es nicht geschafft“

Michael Buschheuer, Sea-Eye

„Ein paar haben es nicht geschafft“, sagte Buschheuer. Bei der Rettungsaktion seien in der Nähe des Schiffes „vermutlich acht bis zehn Menschen ertrunken“. Die Regensburger Hilfsorganisation steht mit der „Sea-Eye“ über Satellitentelefon in Verbindung. Die Flüchtlinge könnten wegen des hohen Wellengangs nicht von der „Sea-Eye“ auf den italienischen Kreuzer hinüberwechseln, sagte Buschheuer. Sie seien an Deck den Auswirkungen des hohen Wellengangs ausgesetzt, es gebe „keinen Bewegungsspielraum“ und die Organisation könne „nicht für die Sicherheit garantieren“. Das italienische Schiff versuche, der „Sea-Eye“ „Wind- und Wellenschutz“ zu geben.

Der Initiator der Flüchtlingsinitiative „Sea-Eye“ aus Regensburg ist Michael Buschheuer. Foto: Stefan Sauer/dpa
Der Initiator der Flüchtlingsinitiative „Sea-Eye“ aus Regensburg ist Michael Buschheuer. Foto: Stefan Sauer/dpa

Rund 8500 Flüchtlinge wurden nach einer Schätzung der italienischen Küstenwache am Osterwochenende vor der libyschen Küste aufgegriffen. Sie hatten sich mit behelfsmäßigen Schiffen auf die Überfahrt Richtung Europa gemacht.

Auch die Hilfsorganisation Jugend Rettet aus Teltow bei Berlin setzte für ihr Schiff „Iuventa“ einen Notruf ab. Die „Iuventa“ nahm rund 400 Menschen an Bord. Am Sonntag bezeichnete Jugend Rettet das Schiff als manövrierunfähig, am Montag konnte die Lage unter Kontrolle gebracht werden, wie die Organisation über Twitter mitteilte. Später am Montag teilte Jugend Rettet mit, dass alle Geretteten an ein Schiff der Organisation Save the Children übergeben worden seien. „Unsere Crew hat alle Menschen im Windschatten des Tankers an die ‚Vos Hestia‘ von Save The Children übergeben“, erklärte die Organisation auf Twitter.

Lesen Sie auch: Sea-Eye-Crew rettet 450 Menschen

Mindestens sieben Menschen wurden von behelfsmäßigen Fluchtbooten vor der libyschen Küste tot geborgen, darunter ein achtjähriger Junge, wie die die Hilfsorganisation Moas mitteilte. „Stell dir vor, am Ostersonntag den leblosen Körper eines achtjährigen Jungen in dein Haus zu tragen“, erklärte Moas-Gründer Chris Catrambone. „Diesen Tag werde ich nie vergessen.“

Grünen-Chefin Simone Peter rief die EU-Mitgliedstaaten zu sofortiger Hilfe auf. Die zivilen Einsatzkräfte seien „am Rande ihrer Leistungsfähigkeit“, erklärte Peter unter Verweis auf die Schwierigkeiten der deutschen Freiwilligen. Sie kritisierte, „die unterlassene Hilfeleistung durch die EU-Mitgliedstaaten bei der Seenotrettung auf dem Mittelmeer“ mache „erneut das politische Versagen deutlich“.

Aus einem Twitter-Post von Sea-Eye geht hervor, dass auf dem Schiff der Regensburger Retter ein Generator ausgefallen ist.

Die „Iuventa“ hatte am Samstag die bis dahin aufgenommenen Flüchtlinge an das Bundeswehr-Versorgungsschiff „Rhein“ übergeben. Laut dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr brachte dieses Schiff 1181 in Seenot geratene Flüchtlinge nach Italien. Der Tender „Rhein“ habe insgesamt drei zivile Schiffe unterstützt, die sich „am Rande ihrer Kapazität befanden“, teilte das Einsatzführungskommando weiter mit.

Die Zahl der Menschen, die versuchen, unter Einsatz ihres Lebens über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, nimmt im Frühjahr üblicherweise zu. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hatte kürzlich den Einsatz der Rettungsschiffe privater Organisationen vor der libyschen Küsten kritisiert, weil dadurch Menschen zur Flucht ermuntert werden könnten. (afp)

Lesen Sie außerdem: Der Mittelbayerische Verlag spendete den Erlös der ersten Gala „Menschen, die bewegen“ an die Organisation „Sea-Eye“.

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