MyMz
Anzeige

Kino

Deutscher Film: Daniel Krebs dreht mit

Im Andreasstadel ist gerade das Amoklauf-Drama „Staudamm“ zu sehen. Ein 31-jähriger Regensburger hat am Set mitgewirkt – als Aufnahmeleiter.
Von Helmut Wanner, MZ

Ein Regensburger macht seinen Weg in Berlin: Daniel Krebs, wie ihn seine ehemaligen Mitschüler am Albertus Magnus Gymnasium kennen. Dort machte er 2002 sein Abitur.Foto: Krebs

Regensburg. Wer trägt Schuld, wenn Jugendliche kaltblütig Mitschüler töten? Der jetzt ins Kino gekommene Film „Staudamm“ thematisiert ein Schulmassaker quasi in der Rückschau – ohne vorschnelle Erklärung und emotionale Überladung.

Schon vor dem Start am 30. Januar wurde „Staudamm“ als Film zur Gewaltprävention preisgekrönt. Das Werk von Thomas Sieben bekam den Preis als bester Jugendfilm und den Preis der ökumenischen Jury. Und einen ganz privaten Oskar noch dazu.

An Weihnachten ins „Hinterhaus“

Die Regensburgerin Karin Krebs verlieh ihn ganz spontan zum Regensburg-Start im Kino im Andreasstadel. „Sie war sehr begeistert von der Aufführung“, sagt ihr Sohn Daniel Krebs. Der Absolvent des Albertus Magnus Gymnasiums (2002) war Aufnahmeleiter. Der Sohn eines pensionierten Maschinenbauingenieurs (Siemens und Conti) freut sich: „Jetzt kann meine Mutter verstehen, wie spannend es ist, ein Drehbuch in bewegte Bilder zu verwandeln.“

Wie kommt ein 31-Jähriger zu so einer herausragenden Position beim deutschen Film? „Während meiner Zeit in Regensburg stand das Kinoerlebnis bei mir nicht an erster Stelle“, sagt Daniel Krebs der Mittelbayerischen Zeitung. Daniel Krebs ruderte beim RRV, saß für die Schülerband „Ptomaine“ (dt.: Leichengift) am Schlagzeug und verkehrte im „Hinterhaus“, wo er auch heute immer noch an Weihnachten zu finden ist.

Sein Ziel beim Film: Producer

Der Appetit auf bewegte Bilder kam auswärts: „Als ich nach meinem Zivildienst in Berlin nach Freiburg ging, um dort Volkswirtschaft zu studieren, lernte ich einen studentischen Filmclub kennen, der in einem Hörsaal 35mm Filme zeigte. Von dort ging es über einen Schnittkurs zu uni.tv, einer wunderbaren Einrichtung, wo jeder Student unbedarft drauf los filmen kann, mit dem Ziel eine 4 bis 5 minütige Reportage zu erstellen, um diese dann irgendwann auf TV Südbaden bewundern zu können.“

Ab diesem Zeitpunkt wurde das Filmen immer wichtiger in seinem Leben. Richtig professionel ging es dann z.B. am Set von Mogadischu Welcome (ARD) zu, wo Daniel Krebs sein erstes Praktikum der Set-Aufnahmeleitung bestritt. So füllte der Quereinsteiger seine Semesterferien mit Praktika aus möglichst vielen Ecken der Filmbranche, um sich einen Überblick zu verschaffen. Ein erster Höhepunkt war der Gewinn des Video Slams & des Video-Grand Slams in Freiburg mit einem eigenen Kurzfilm, der nach der Preisverleihung als Vorfilm in ein Freiburger Kino kam.

Nach dem Studium ging es mit seiner Freundin, einer Crailsheimerin, auf Reisen, u.a. nach Kanada. Dort machte er ein weiteres Praktikum bei einer Dokumentarfilmproduktion über den G8 Gipfel in Huntsville. Zurück in Deutschland arbeitete Krebs als freier Aufnahmeleiter, u.a. eben auch beim Film Staudamm.

Krebs: „Als Aufnahmeleiter muss man schauen, dass das Dispo, der Drehplan, strikt eingehalten wird.“ Staudamm wurde im Allgäu gedreht. Das Wetter hatte seine Tücken. Nach fünf Drehtagen bei bestem Wetter im Allgäu fing es stark zu schneien an. „Um Anschlussfehler zu vermeiden, mussten teilweise spontan Außenmotive gewechselt werden oder aber einfach der Schnee innerhalb der Bildkanten mit Besen beseitigt werden.“

Der Aufnahmeleiter ist eine Zwischenstation zu seinem Ziel, Producer, also Filmproduzent zu werden. Mittlerweile ist er mit seiner Freundin nach Berlin gezogen, irgendwo an der Grenze von Kreuzberg und Neuköln, um bei Mr. Bob Films zu arbeiten. Die Firma wurde zur zweitkreativsten Werbeproduktionsfirma in Deutschland gewählt. „Dort fühle ich mich jetzt als Line-Producer ziemlich wohl. Tolle Kollegen und professionelles Produzieren“, sagt er. Nächste Woche dreht er einen Werbefilm für „Penny“.

Service zum Film

In Saarbrücken beim Max Ophüls Preis feierte der Film „Staudamm“ im vergangenen Jahr Weltpremiere. Das Drehbuch schrieben Christian Lyra und Thomas Sieben.

„Staudamm“ überzeugte die Zuschauer. Vielleicht auch, weil er sich eines Themas annimmt, das abweicht von den üblichen Sujets vieler Debütanten, Geschichten von jungen Leuten, Großstadtleben, Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden. „Staudamm“ blickt tief hinein in die Abgründe der modernen Gesellschaft, beobachtet, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. In „Staudamm“ wird niemand auf die Anklagebank gesetzt.

„Staudamm“ arbeitet den Fall eines Amokläufers in der Rückschau auf. Wie entsteht Gewalt? Und was treibt junge Gewalttäter an? Diese Fragen stellte sich Thomas Sieben schon vor ein paar Jahren, als er bei der Berlinale sein Spielfilmdebüt „Distanz“ vorstellte. Damals ging es um einen jungen Mann, der scheinbar wahllos immer wieder auf fremde Menschen schießt. Mit seinem zweiten Film ist Sieben zum Thema zurückgekehrt, hat es aber variiert. In „Staudamm“ geht es um einen Amoklauf an einer Schule.

Im Andreasstadl in Regensburg ist der Film noch bis Mittwoch zu sehen, und weiter vom 10. bis 12. Februar.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht