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Kinder

Die 24-Stunden-Kita liegt auf Eis

Nicole Olbrich hat ihr Regensburger Projekt nicht aufgegeben, holte sich aber Abfuhren. Nun beschreitet sie einen neuen Weg.
Von Marion Koller, MZ

Nicole Olbrich mit Tochter Emily. Die 38-Jährige setzt sich für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ein. Foto: Lex

Regensburg.Die Sozialpädagogin Nicole Olbrich möchte eine 24-Stunden-Kita in Regensburg gründen, doch die Hürden sind hoch. Nach der Stadt, die derzeit keinen Bedarf sieht, haben auch die evangelischen Kinderzentren Kunterbunt abgesagt. Dieser Träger betreibt in Regensburg drei Kitas und interessierte sich für die Gründung einer 24-Stunden-Einrichtung. Sozialpädagogin Nicole Olbrich hatte große Hoffnungen auf die Gespräche gesetzt, die aber jetzt gescheitert sind, weil das Projekt aufwendig ist.

Tochter Emily (4) besucht seit Herbst einen Kindergarten. Nicole Olbrich würde gerne wieder arbeiten und verfolgt die Idee der 24-Stunden-Kita weiter – allerdings über Umwege, die länger dauern werden. Die 38-Jährige und ihre Freundin Ilona Cieplik, eine Pädagogin, werden sich bis Mitte 2016 zunächst als freier Träger selbstständig machen.

Die beiden Fachfrauen haben vor, ambulante Familienhilfe und Erziehungsbeistand anzubieten. Ambulante Konzepte seien leichter zu verwirklichen, weil sie nicht so viel Geld kosten wie die stationäre Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Thema im Jugendhilfe-Ausschuss

Nicole Olbrich und Emily Foto: Lex

Die Pädagoginnen werden sozial und materiell benachteiligte Familien in Krisen unterstützen. „Wenn wir diese Trägerschaft erfolgreich aufgebaut haben, können wir uns wieder an das größere Projekt 24-Stunden-Kita wagen“, hofft Olbrich.

Auch bei der Stadt hat das Vorhaben langfristig Chancen. OB Joachim Wolbergs ließ der MZ am Freitag über Pressesprecher Rolf Thym ausrichten: „Wir prüfen dieses Thema nochmals. Und abhängig vom Ergebnis werden wir dann entscheiden.“ Am Mittwoch wird sich der Jugendhilfe-Ausschuss des Stadtrats auf Antrag der Freien Wähler mit der 24-Stunden-Betreuung befassen. FW-Fraktionsvorsitzender Ludwig Artinger hatte im September eine Bedarfsanalyse gefordert.

Im Vorfeld der Mittwochssitzung äußerte er sich pessimistisch gegenüber der MZ. OB Joachim Wolbergs habe im Herbst gesagt, laut früherer Elternbefragungen der Stadt gebe es keinen Bedarf für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Ähnliches habe er kürzlich aus der Stadtverwaltung gehört.

„Ich hätte mir mehr Rückenwind erwartet“, bedauerte Artinger.

Artinger will die 24-Stunden-Kita

Ludwig Artinger Archivfoto: altrofoto.de

Er hatte vor allem auf die neue Leiterin des Amts für Tagesbetreuung von Kindern gehofft, die aus München kommt. Doch sie wird ihren Dienst erst Mitte März antreten. Derzeit ist die Leitung vakant. Ludwig Artinger hält die 24-Stunden-Kita für absolut notwendig. „Es gibt immer mehr Alleinerziehende und Schichtarbeiter“, sagt der FW-Stadtrat.

„Aber vielleicht ist Regensburg noch nicht ganz so weit. Ich bin mir ganz sicher, dass das nur eine Frage der Zeit ist.“ Zumal Familienministerin Manuela Schwesig das Programm KitaPlus aufgelegt habe, das mit 100 Millionen Euro Kindertagesstätten fördert, die auch am frühen Morgen und am Abend geöffnet sind.

Förderprogramm gestartet

  • Konzept:

    Die 24-Stunden-Kita soll rund um die Uhr und an Wochenenden für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren geöffnet sein. Die Kleinen dürfen höchstens zehn Stunden bleiben. Deshalb werden die Zeiten exakt erfasst.

  • Betreuung in Regensburg:

    Die Stadt bietet mehr als 100 Krippen und Kindergärten. Sie alle schließen spätestens um 18.30 Uhr.

  • Andere Städte:

    Im norddeutschen Schwerin existieren zwei 24-Stunden-Kitas, eine davon seit sechs Jahren. In anderen Städten wird die Einführung diskutiert. Im Juli 2015 hat Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig angekündigt, sie wolle die Kita-Öffnungszeiten verlängern. Die Betreuungsangebote in den Abend- und Nachtstunden sollen ausgeweitet werden. Das Förderprogramm KitaPlus ist heuer gestartet.

Zehn Interessenten melden sich

Es gibt viele Berufe mit unregelmäßigen Diensten: Ärzte, Köche, Journalisten, Polizei oder Flugbegleiter. Auch die Pädagogin Nicole Olbrich musste als Betreuerin in einem Regensburger Internat regelmäßig bis 21.30 Uhr und am Wochenende arbeiten.

Als ihre Tochter Emily zur Welt kam, kündigte die Alleinerziehende ihren Job, weil sie für diese Abende keine Betreuung fand. Olbrich kennt mehrere Frauen, denen es ähnlich ging. Und nach dem ersten MZ-Bericht über ihr Vorhaben meldeten sich immerhin zehn Interessenten für die 24-Stunden-Kita bei ihr.

Laut Zahlen der Bundesregierung arbeiten 26 Prozent aller Beschäftigten zwischen 18 und 23 Uhr, neun Prozent auch nachts, 26 Prozent am Wochenende und 14 Prozent sonntags.

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