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Kultur

Die Addams Family stürmt das Velodrom

Komisch und skurril: Der Cantemus Chor bringt die TV-Serie Anfang April als Musical in Regensburg auf die Bühne.
Von Angelika Lukesch

Dank Cantemus: Die Mitglieder der Addams Family zeigen ihr schönstes Gesicht. Foto: altrofoto.de
Dank Cantemus: Die Mitglieder der Addams Family zeigen ihr schönstes Gesicht. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die einen leben so, die anderen so. Die Geschmäcker sind eben verschieden und die Lebensstile, für die sich die Menschen entscheiden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Ein besonders gutes Beispiel für einen ausgesprochen extravaganten Lebensstil bietet die Addams Family.

Der amerikanische Zeichner Charles Addams hat diese verrückte Familie erfunden und ab den 1930er Jahren als Cartoons im „The New Yorker“ veröffentlicht. Der Zeichner hatte viel Sinn für Satire und entwarf die Addams Family als Gegenstück zur durchschnittlichen, „normalen“ amerikanischen Familie. In der ausgesprochen exzentrischen Addams Family ist alles anders als gewohnt. Die Addams erfreuen sich am Makaberen, kultivieren die Morbidität als höchsten aller Lebensstile und sind dabei, bei aller Absurdität und Bizarrheit, im Innern doch irgendwie normal – denn letztendlich lassen sich doch alle Menschen, gleich welchen Lebensstil sie pflegen, auf dieselben ihnen innewohnenden Gefühle reduzieren: Freude, Trauer, Humor, Liebe, Hass.

Schaurig-schöne Gefühle

Die „Schwarzen“ stellen das Haus der „Addams Family“ figürlich dar. Foto: altrofoto.de
Die „Schwarzen“ stellen das Haus der „Addams Family“ figürlich dar. Foto: altrofoto.de

Doch die Mitglieder der Addams Family leben ihre Gefühle irgendwie „anders“ aus. Was anderen Menschen Angst bereitet, verschafft ihnen größte Unterhaltung. Wenn ein „normaler“ Mensch entsetzlich frustriert ist, versuchte er dies vielleicht mit exzessivem Sport oder einer Stunde Holzhacken aufzulösen. Ganz anders läuft Frustbewältigung bei den Addams ab: Wednesday, die Tochter des schaurig-schönen, unendlich verliebten Ehepaares Morticia und Gomez, versucht ihrem Frust dadurch beizukommen, indem sie ihren kleinen Bruder Pugsley ein bisschen foltert. Sowas entspannt ja auch. Der Cantemus-Chor (Chor C und Neo) unter der Gesamtleitung von Matthias Schlier hat sich mit großer Freude auf die Inszenierung des Musicals „The Addams Family“ von Andrew Lippa gestürzt, bietet dieses Musical doch eine ganze Reihe aufregender Hauptrollen und viel musikalischen Stoff für die Chorpassagen.

Mehr Bilder der Regensburger Addams Family sehen Sie hier:

Addams-Family spazierte durch Regensburg

Sonja Weighart (16) ist schon seit 13 Jahren beim Cantemus Chor aktiv und hat in der aktuellen Produktion die Rolle der Wednesday übernommen: „Dieses Musical macht einfach verdammt viel Spaß, vor allem wegen der Rollen und wie die so ticken. Als Schauspieler muss man herausfinden, wie man sich verhalten muss, um den Charakter darstellen zu können“, sagt sie. Ihren Addams Family Bruder Pugsley spielt Levantes Dogan. „Diese Produktion macht sehr viel Spaß, vor allem auch, weil es ein bisschen verrückt ist. Wenn man dann Leute, die man eigentlich kennt, in diesen verrückten Charakteren sieht, das macht echt verdammt viel Spaß!“

Für den Gesamtleiter des Cantemus-Chores, Matthias Schlier, ist die Addams Family eigentlich „die Mutter“ aller Ideen und Storys, die sich um die Beziehung von gewöhnlich versus außergewöhnlich drehen (andere Beispiele sind „Tanz der Vampire“, „Twilight“, „Hotel Transsylvanien“). „Die Frage, was ist verrückt, was ist normal, ist ja immer eine Frage des Standpunkts“, erklärt Schlier.

2009 in Chicago uraufgeführt

  • Die Addams Family:

    Sie besteht aus dem Ehepaar Morticia und Gomez Addams, Tochter Wednesday, Sohn Pugsley, Onkel Fester, Granny, der Butler Lurch, Lecas Beineke, Mal Beineke, Alice Beineke.

  • Komponist:

    Andrew Lippa schrieb das Musical „The Addams Family“, es wurde 2009 in Chicago uraufgeführt.

  • Vorlage:

    Die literarische Vorlage zum Musical ist die Cartoon-Serie „The Addams Family“ von Charles Addams (1912-1988).

  • Cartoons:

    Charles Addams veröffentlichte sie im „The New Yorker“.

  • Filme:

    Die Geschichte der Addams Family wurde in drei Filmen zwischen 1991 und 1993 von Barry Sonnenfeld ins Kino gebracht. Die Vorlage war von den 1930ern bis in die 1980er im Print erschienen.

  • Aufführungstermine:

    Der Cantemus Chor zeigt das Musical „The Addams Family“ am 6. April um 19.30 Uhr sowie am 7. April um 16 Uhr im Velodrom.

  • Karten:

    Theaterkasse Bismarckplatz, Telefon (0941)507 24 24, karten@theaterregensburg.de oder online unter: www.theaterregensburg.de

Er bezeichnet das Musical „The Addams Family“ als Glücksfall: „Es ist umwerfend komisch, brillant, mitreißend und einfühlsam, einfach allerbeste Familienunterhaltung. Was allen Beteiligten unglaublich Spaß macht, ist der Umstand, dass man sich als Ahnen, Halbgeister und ähnlich skurrile Gestalten in keinster Weise um irgendwelche Konventionen scheren muss. Als Gegenpart sind die echten Menschen in ihrer Spießigkeit und Verkrampftheit gefangen, eine Karikatur ihrer selbst. Jedenfalls wünscht man sich sehr schnell, zur anderen Seite zu gehören. Die Addams Family ist Halloween in bester Manier, das Musical um vieles besser und mit einer ganz anderen Story als der Film, der jedes Jahr am 31. Oktober läuft“, sagt Schlier.

Morticia ganz in schwarz

Ein Bad in der Menge Foto: altrofoto.de
Ein Bad in der Menge Foto: altrofoto.de

Für Regisseurin Doris Hofmann liegt die größte Herausforderung in der Vielfalt und der Masse der Mitwirkenden: „So viele verschiedene Typen und Talente in einem Stück mit eigentlich nur zehn Rollen (und ein paar Ahnen), das wird aufregend, dachte ich mir anfangs. Und das ist es noch immer!“ Im Cantemus Chor fand die Regisseurin „so viel großes Engagement auf einem Haufen, wie wunderbar!“

Als ganz besondere künstlerische Aufgabe empfinden auch die Choreografin Ute Steinberger sowie Tanja Jackwert, die für Bühnenbild und Kostüm zuständig ist, die Arbeit an der Addams Family. Steinberger hat zudem noch die Rolle der Morticia übernommen und glänzt ganz dunkel mit langen schwarzen Haaren, weißem Gesicht, roten Lippen und einem eng anliegenden schwarzen Kleid. „Die Choreografie habe ich in ganz enger Zusammenarbeit it der Regisseurin angelegt. Die Bewegungen der Protagonisten wurden an die Emotionalität und die szenischen Herausforderungen angepasst. Wir haben sie relativ einfach angelegt, damit sich die Jugendlichen auf das Darstellerische konzentrieren können und nicht schwierige Tanzschritte erlernen mussten.“

Tanja Jackwerth obliegt die Gestaltung der Bühne und der Kostüme. „Es war eine Herausforderung, hat aber unheimlich viel Spaß gemacht, diese Figuren zu überzeichnen. Das war auch der große Reiz an dieser Aufgabe!“ Die Bühne, erklärt Jackwerth weiter, sei „sehr sehr reduziert“. Das Addams Haus werde nicht gegenständlich, sondern figürlich dargestellt.

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