mz_logo

Regensburg
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Panne

Die Bahn und ihr Uhrenproblem

Am Hauptbahnhof funktionierte am Wochenende die Zeitumstellung nicht. Reisende standen deshalb irritiert auf Bahnsteigen und vor Fahrplananzeigen.
Von Thomas Rieke, MZ

  • Am Regensburger Hauptbahnhof gab es am Wochenende Probleme mit der Zeitumstellung. Die meisten Uhren blieben bei der Winterzeit hängen. Foto: Rieke
  • Auch am Donnerstag funktionierte diese Uhr auf Gleis 5 noch nicht. Mit der Zeitumstellung hatte das aber nach Auskunft der Bahn-Pressestelle nichts zu tun. Foto: Rieke

Regensburg. Dass sich der Rest der Republik bisweilen über den „Freistaat Bayern“ lustig macht, ist kein Geheimnis. Meist steckt nur eine Portion Neid dahinter. Am Wochenende aber hat sich am Hauptbahnhof in Regensburg etwas zugetragen, was bei Fremden das Vorurteil bestätigte: Im Seehofer-Land ticken die Uhren eben anders. Die Umstellung auf Sommerzeit hatte in weiten Teilen nicht funktioniert. Die meisten Zeitmesser hatten in der Nacht zum Sonntag um 2 Uhr den Sprung um eine Stunde nach vorne verweigert. Reisende standen deshalb irritiert auf Bahnsteigen und vor Fahrplananzeigen und rätselten: Welche Zeit gilt denn nun?

Wiltrud Hofer aus Bonn hat sich wegen dieser technischen Panne an die MZ gewandt. Sie befand sich am Ostermontag auf der Rückfahrt in ihre Heimatstadt und wunderte sich, „dass hier alle Uhren falsch sind“. Eine Bahnbedienstete habe jedoch nur mit den Schultern gezuckt und zugegeben, „dass das kein gutes Bild abgibt“.

Zu Hause angekommen, wollte Hofer tags darauf der Sache auf den Grund gehen. Die 72-jährige Seniorin, die als Bahncardbesitzerin jährlich viele Tausend Kilometer auf der Schiene zurücklegt, meldete sich erst bei der Bahnzentrale in Berlin und wurde dort belehrt, dass man für Regensburg nicht zuständig sei. Hofer erbat daraufhin die Telefonnummer der zuständigen Stelle – und erhielt, wie sich später herausstellen sollte, eine Verbindung zur sogenannten „3-S-Zentrale“ (Sicherheit, Service, Sauberkeit) in Nürnberg. Dort erklärte man Hofer, die automatische Uhrenumstellung habe nicht geklappt, was eine große Ausnahme sei. Am Ostermontag aber sei die Stelle, die sich um derlei Dinge zu kümmern habe, nicht besetzt gewesen. Da könne man nichts machen.

Der „Scherz“ war keiner

Wiltrud Hofer dachte zunächst an einen Aprilscherz. Als sie aber das Gefühl hatte, dass man das Problem auf die leichte Schulter nahm, ärgerte sie sich zunehmend über die „karierten Antworten“. Ein Unternehmen, das permanent wegen Unpünktlichkeiten in der Kritik steht und im Prinzip davon lebt, dass Fahrpläne möglichst exakt eingehalten werden, leistete sich an einer zentralen Stelle wie dem Regensburger Bahnhof tagelang eine krasse Ungenauigkeit der Zeitangaben? Das durfte doch nicht wahr sein...

Tatsächlich heißt es im offiziellen Themendienst der Deutschen Bahn zur Zeitumstellung: „In kaum einem anderen Lebensbereich kommt es so auf die Zeit an wie bei der Bahn. Die Züge müssen nach einem Fahrplan fahren, damit der Betrieb reibungslos läuft. Anschlüsse von einem Zug zum anderen sind zu erreichen. Güter müssen just in time beim Empfänger sein, damit ein Produktionsprozess schnell und effizient läuft. Das alles kann nur funktionieren, wenn es eine Konstante gibt, an die sich alle halten: die Uhrzeit.“

Folge von Sparmaßnahmen?

Nichtsdestotrotz versucht auch die Pressestelle des Unternehmens in München, die Panne in Regensburg zu bagatellisieren. „Aufgrund eines technischen Problems konnten die Uhren nicht rechtzeitig justiert werden. Techniker konnten das Problem leider erst am Dienstag früh beheben“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme lapidar. Die Uhr, die auch am Donnerstag noch defekt war (siehe Bild rechts oben) habe mit der Zeitumstellung nichts zu tun, sondern sei eine eigene Baustelle.

MZ-Recherchen haben ergeben, dass der zuständige Service über die Feiertage in Regensburg vakant war. Als die Information über die falsch eingestellten Uhren am Montag bei der 3-S-Zentrale in Nürnberg eintraf, entschieden sich die Diensthabenden gegen eine Alarmierung der Bereitschaft. Denn: Das Problem erschien nicht gravierend genug, die Zahl der Klagen war gering und der Mitarbeiter vor Ort sollte am Dienstag sowieso wieder die Arbeit aufnehmen.

Außerdem, so erklärte ein Insider, war es durchaus nicht sicher, dass der Bereitschaftsdienst die nötige Qualifikation gehabt hätte. „Das ist mal ein Heizungsbauer, mal ein Installateur.“ Kurzum: Zum Zeitpunkt, als der Fehler bekannt wurde, hielten es die Verantwortlichen für vertretbar, die Uhren in Regensburg noch eine Weile falsch laufenzulassen. „Das ist auch alles eine Kostenfrage und eine Folge von Sparmaßnahmen“, heißt es aus den gut unterrichteten Kreisen.

Die Münchner Bahn-Pressestelle will das so nicht bestätigen. „Wir haben das Problem trotz allem ja zeitnah behoben, und personell wird bei uns gerade wieder aufgestockt!“ Bei allem Verständnis für den Unmut von Wiltrud Hofer werde es immer Aufgaben unterschiedlicher Wichtigkeit geben. Eine nicht korrekt laufende Uhr stehe nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Da sei die Sicherheit zu finden.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht