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Die Crux mit den Fahrrad-Wracks

Hunderte herrenlose Räder blockieren in Regensburg Stellplätze. Dreimal im Jahr sortiert die Stadt den Schrott aus.
Von Micha Matthes

Herrenlos oder einfach lange nicht mehr bewegt? Für Ordnungs- und Umweltamt sind Fahrrad-Wracks eine regelmäßige Herausforderung. Foto: mt
Herrenlos oder einfach lange nicht mehr bewegt? Für Ordnungs- und Umweltamt sind Fahrrad-Wracks eine regelmäßige Herausforderung. Foto: mt

Regensburg.Parkraum ist in der Regensburger Altstadt knapp – auch für Fahrräder. Inklusive der beiden Großanlagen am Hauptbahnhof mit 350 Stellplätzen und den Arcaden mit 360 Stellplätzen gibt es in der Innenstadt zwar mehr als 1600 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Doch sie reichen nicht aus. Umso ärgerlicher ist es da, wenn hunderte herrenlose Fahrräder in Regensburg vor sich hin rosten und dabei Stellplätze blockieren.

Für Ordnungs- und Umweltamt sind diese Fahrrad-Wracks eine regelmäßige Herausforderung. Immer wieder muss entschieden werden: Wird das noch benutzt oder kann das weg? Verrostete Ketten, verbogene Rahmen, platte Reifen, fehlende Sättel: Anhand solcher Kriterien werden Räder als schrottreif kategorisiert. Pro Jahr sammelt die Stadt so durchschnittlich ungefähr 60 bis 100 Fahrräder ein, die direkt entsorgt werden. Im vergangenen Jahr schnellte die Zahl auf 262 nach oben. Hintergrund war eine Schwerpunktaktion, für die zusätzliche Personalkapazitäten bereitgestellt und die Anzahl der überwachten Plätze verdoppelt wurde.

Auf Schrottrad-Patrouille

Hunderte verschlissene Fahrräder rosten auf Stellplätzen in der Innenstadt vor sich hin. Foto: Kempe
Hunderte verschlissene Fahrräder rosten auf Stellplätzen in der Innenstadt vor sich hin. Foto: Kempe

Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind – je nach Kapazitäten – im Durchschnitt alle vier Monate auf Fahrradleichen-Patrouille, um die Flut der Schrotträder in den Griff zu bekommen. Besonders viele kaputte Räder werden auf dem Vorplatz der Arcaden, in der Rote-Hahnen-Gasse und auf dem Gutenbergplatz gefunden. Regelmäßig müssen auch bei einer sogenannten „Abfischaktion“ Fahrräder geborgen werden, die in der Donau versenkt worden sind.

Das Radl-Chaos am Bahnhof nervt viele Pendler. Andere Städte sind da schon weiter: Sie setzen auf zum Teil futuristische Fahrradparkhäuser. Einen Artikel dazu lesen sie hier.

Generell habe die Anzahl der Schrotträder in den vergangenen Jahren aber trotz allem nicht entscheidend zugenommen, sagt Rudolf Gruber, Leiter des Umweltamtes. „Deutlich schwieriger zu handeln ist der Umgang mit offensichtlich aufgegebenen Rädern, die jedoch noch nicht in die Kategorie ,Schrotträder‘ fallen, also dem Grunde nach fahrtüchtig sind“, sagt Gruber. „Diese ,herrenlosen‘ Räder blockieren in großem Umfang Abstellplätze über Monate hinweg.“ Und die Anzahl dieser Räder sei deutlich gestiegen. 350 davon versteigert die Stadt unterdessen pro Jahr. Nach den Angaben von Gruber gehen die Ordnungshüter bei der Auswahl der herrenlosen Fahrräder bzw. der Schrotträder sehr treffsicher vor: Bislang habe sich noch nie ein Besitzer gemeldet, der sein Rad zurückhaben wollte.

Herrenlose Räder werden zunächst mit einem Hinweiszettel versehen und nach Ablauf einer Frist entfernt.  Foto: Kempe
Herrenlose Räder werden zunächst mit einem Hinweiszettel versehen und nach Ablauf einer Frist entfernt. Foto: Kempe

Die herrenlosen Fahrräder fallen ebenfalls entweder bei den turnusmäßigen Kontrollen auf oder sie werden von Bürgern gemeldet. Bei diesen Rädern wird dann ein Hinweiszettel angebracht, der ankündigt, dass die Stadt das Rad nach Ablauf von vier Wochen entfernen wird. Parallel dazu werden Daten zu dem Fahrrad an die Polizei übermittelt, um herauszufinden, ob das Rad als gestohlen gemeldet wurde. Wenn dies nicht der Fall ist und das Rad nach vier Wochen immer noch an Ort und Stelle steht, wird es ins Fundamt gebracht, anschließend in einer Halle in Burgweinting ein halbes Jahr gelagert und danach versteigert. Durch die Versteigerung nimmt die Stadt pro Jahr rund 4000 Euro ein. Der Betrag kompensiert die für die Entsorgung der Räder entstehenden Kosten nicht.

Dieses Video gibt einen Eindruck vom weltweit größten Parkhaus für Fahrräder in Utrecht:

Auf politischer Ebene gibt es schon lange den Wunsch, mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen. Die ÖDP-Fraktion hatte zuletzt mit einem Antrag im Stadtrat die Prüfung der Möglichkeiten für ein Fahrradparkhaus an der Nordseite des Bahnhofes gefordert. Der Antrag wurde am Mittwoch einstimmig beschlossen. Die Verwaltung sucht nun nach einer Interimslösung zum sicheren und überdachten Abstellen von Fahrrädern im unmittelbaren Umkreis des Bahnhofs. Zusammen mit dem geplanten Zentralen Omnibusbahnhof soll schließlich noch ein komplett neues Radparkhaus entstehen.

Rad aus Faulheit stehengelassen

Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des ADFC Regensburg, schlägt vor, in den Kellerräumen von Autoparkhäusern oder zentralen Immobilien mit zum Teil ungenutzten Räumen wie beispielsweise dem Evangelischen Krankenhaus, Fahrradgaragen einzurichten. „200 oder 300 Plätze würden ja schon helfen“, sagt er. In Regensburg tragen laut Wörle verschiedene Faktoren zu dem Stellplatzmangel bei.

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Für die meisten der rund 17 000 Altstadtbewohner gebe es etwa keine vernünftigen Fahrradabstellplätze im häuslichen Umfeld. „Historische Gebäude haben oft nicht einmal einen Keller, der dafür genutzt werden könnte“, sagt Wörle. Anwohner müssten ihre Räder dadurch im öffentlichen Raum stehenlassen. Daher griffen sie eher auf gebrauchte oder günstige Modelle zurück. Ähnliches gelte für Studenten und Pendler. „Gehen die Räder dann nach kurzer Zeit kaputt oder werden unbrauchbar, müsste man sie eigentlich zum Recyclinghof bringen. Doch die Wenigsten machen sich die Mühe.“

Wie unterirdische Fahrrad-Karusselle in Japan funktionieren, sehen Sie in diesem Video:

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