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Religion

Die erste Moschee mit Minarett

Der Turm vor dem neuen türkisch-islamischen Zentrum in Regensburg soll 21 Meter hoch werden. 2018 ist Baubeginn.
Von Julia Ried

Ein Abendgebet in der Regensburger Ditib-Moschee im Jahr 2016: Das Haus in der Lindnergasse ist der Gemeinde zu klein. Fotos: Ried/Schröder
Ein Abendgebet in der Regensburger Ditib-Moschee im Jahr 2016: Das Haus in der Lindnergasse ist der Gemeinde zu klein. Fotos: Ried/Schröder

Regensburg.Das neue Kulturzentrum der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde soll ein modernes Gebäude werden, mit einer Kuppel und einem 21 Meter hohen, schmalen Minarett – dem ersten in Regensburg. Von dem Turm soll aber kein Gebetsruf erklingen. Die Stadtverwaltung hat die Genehmigung für den Bau auf dem Grundstück im äußersten Stadtosten, zwischen einem Auto- und einem Heizölhandel jenseits der Osttangente, bereits erteilt.

An diesem Dienstag legt sie sie dem Stadtplanungsausschuss vor, der davon aber nur noch Kenntnis nimmt. Bereits in diesem Jahr will die Gemeinde mit dem Bau beginnen, sagt Ercüment Baysal, der als ehemaliger Vorsitzender der Gemeinde das Projekt von Anfang mit betreut hat. „Wir versuchen, bis März 2019 mit den Gebetsräumen fertig zu werden.“ Bis dahin müsse die Glaubensgemeinschaft aus ihrem Gebäude in der Altstadt ausziehen. Es sei schon verkauft – an die katholische Kirche, erzählt Baysal.

Jetziges Zentrum zu klein

Das derzeitige Zentrum der Regensburger Gemeinde der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion“ (Ditib) in der Lindnergasse ist zu klein geworden für die wachsende Gemeinde. Zwischen 200 und 250 Menschen kommen zum Freitagsgebet, sagt Gemeindemitglied Baysal. Doch die Glaubensgemeinschaft benötige auch Räume, in denen sich die Mitglieder treffen, etwa für das abendliche Fastenbrechen im Ramadan oder für die Aktivitäten der Jugendgruppe.

Der Architekten-Entwurf für das neue türkisch-islamische Gemeindezentrum im Stadtosten Visualisierung: Sedat Yilbirt/Ditib Regensburg
Der Architekten-Entwurf für das neue türkisch-islamische Gemeindezentrum im Stadtosten Visualisierung: Sedat Yilbirt/Ditib Regensburg

Auf dem Grundstück in der Maxhüttenstraße im Ostenviertel ist nun auf 2341 Quadratmetern genügend Platz für alle Gemeindemitglieder. Auch deshalb stört es Baysal nicht, dass die Gemeinde ihr Kulturzentrum am Stadtrand baut. „Der Standort ist einfach gut“, sagt er. Hier ließen sich genügend Parkplätze einrichten, auch die Bushaltestelle sei in der Nähe. Auch habe die Gemeinde nach mehr als zehnjähriger Suche keinen anderen geeigneten Bauplatz gefunden.

Zwei- bis dreistöckiges Gebäude

Etwa 600 Quadratmeter davon werden zwei- bis dreistöckig gebaut, so sieht es der Entwurf des Architekten Sedat Yilbirt aus dem Landkreis Augsburg vor, der bereits auf der Facebook-Seite von Ditib Regensburg zu sehen ist. Im Detail will die Gemeinde ihre Planungen im März der Öffentlichkeit vorstellen.

„Die Demokratie muss in der Moschee zu Hause sein, sonst entsteht eine Parallelgesellschaft.“

Bernadette Dechant, Sprecherin Bürgerbewegung „Innerer Stadtosten – Hohes Kreuz“

Der Bauplatz in der Maxhüttenstraße Foto: Lex
Der Bauplatz in der Maxhüttenstraße Foto: Lex

Die Ditib war in den vergangenen Monaten in Zusammenhang mit der politischen Entwicklung in der Türkei nach dem Putschversuch 2016 verstärkt in den Schlagzeilen. Denn sie untersteht der türkischen Religionsbehörde, die die Ditib-Imame nach Deutschland entsendet, und ist damit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unterstellt. Der versuche auch über die Ditib, in Deutschland Politik zu machen, so wird ihm vorgeworfen.

Bernadette Dechant, CSU-Stadträtin und Sprecherin der Bürgerbewegung „Innerer Stadtosten – Hohes Kreuz“, hätte sich auch wegen dieses Hintergrunds von der Stadtverwaltung gewünscht, „dass man die Bevölkerung mehr einbindet“. Ein Moscheebau sei „schon eine sensible Geschichte“, zumal im Stadtosten auch alle anderen islamischen Gotteshäuser – es gibt etwa ein halbes Dutzend –angesiedelt seien. Von der Ditib wünsche sie sich „im Rahmen eines interreligiösen Dialogs“ Transparenz und Predigten auf Deutsch. „Die Demokratie muss in der Moschee zu Hause sein, sonst entsteht eine Parallelgesellschaft“, sagt Dechant. Sie fordert, „dass natürlich die Probleme der Türkei in Deutschland keine Rolle spielen dürfen und dass man das türkische Regime nicht auf die Stadt Regensburg herabprojiziert“.

„Wir haben nichts mit der Politik zu tun.“

Ercüment Baysal, Türkisch-Islamische Gemeinde

Baysal betont, die Regensburger Glaubensgemeinschaft sei überparteilich: „Wir haben nichts mit der Politik zu tun.“ Er versichert auch: „Unser Imam respektiert die deutschen Gesetze voll und ganz.“ Wie schon die Türen des Hauses in der Lindnergasse würden auch die im neuen Zentrum offen für Besucher sein. Auch den Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften werde die Gemeinde, die sich in der Ortsgruppe der Initiative „Religions for Peace“ engagiert, fortsetzen.

SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sieht keine Hürden, die die Integration der Gemeinde in ihr neues Viertel erschweren könnten. Sie sagt: „Mit dieser Gemeinde gibt es in der Zusammenarbeit aus Sicht der Stadt keine Probleme, zumal sie sich am interreligiösen Dialog in unserer Stadt beteiligt und zudem bekundet hat, transparent und offen arbeiten zu wollen.“

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Die Ditib

  • Verband:

    Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion koordiniert als Dachverband die religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der in ihr organisierten Vereine.

  • Mitglieder:

    Zur Ditib gehören nach eigenen Angaben deutschlandweit mehr als 960 Vereine, davon laut Aykan Inan vom Landesverband Südbayern etwa 150 in Bayern.

  • Funktion:

    Die Ditib war als größter islamischer Verein lange ein wichtiger Ansprechpartner für die Politik. Inzwischen steht sie wegen ihrer Verbindung mit der Türkei in der Kritik.

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