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Themenwoche

Die erste Umfrage nach der Affäre

Die Mittelbayerische befragte Bürger. Der Regensburg Trend verrät, wem der Spendenskandal schadet und wer Politliebling wird.
Von Marion Koller, MZ

  • Jubel nach der Stichwahl 2014: Joachim Wolbergs wurde bei der Party in der Alten Mälzerei gefeiert. Ob ihm die Regensburger noch vertrauen, zeigt die MZ-Wählerbefragung. Archivfoto: Steffen
  • Prof. Dr. Edgar Feichtner, Chef des Meinungsforschungsinstituts mafotools Foto: xtl

Regensburg.Halbzeitbilanz: Seit drei Jahren führt die bunte Koalition die Geschicke der Domstadt. Inzwischen mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer an der Spitze, die den vorläufig suspendierten OB Joachim Wolbergs vertritt. Unser Medienhaus wollte wissen: Wie bewerten die Bürger die Kommunalpolitiker und wichtige Handlungsfelder? Im Auftrag der MZ hat das Meinungsforschungsinstitut mafotools von Prof. Edgar Feichtner Regensburger befragt.

Nur so viel sei vorab verraten: Überraschungen sind sicher. Es gibt interessante Neuaufsteiger und tiefe Abstürze. Unsere Leser werden erfahren, wie sich die Korruptionsaffäre auf die Werte der Rathauschefs und Stadträte auswirkt. Eins erkennt man klar: Die Wähler schauen sich die Persönlichkeiten und ihr Verhalten genau an, die Parteizugehörigkeit spielt erst in zweiter Linie eine Rolle.

„Ein momentanes Stimmungsbild“

Das Image der Demoskopen hat gelitten, weil sie bei Trump und dem Brexit danebenlagen. In den letzten Wochen hat sich das Bild wieder gewandelt: Bei der französischen Präsidentenwahl stimmten die Vorhersagen. Prof. Feichtner betont im MZ-Gespräch, sein Umfrageinstitut mache keine Prognose, „sondern wir sagen, wie momentan das Stimmungsbild ist“. Eine echte Prognose können die Meinungsforscher nur am Wahltag selbst geben.

Wie sorgt mafotools für ein repräsentatives Ergebnis? Die Forscher haben 360 Regensburger befragt, die die Stadtbevölkerung nach Alter, Geschlecht und Verteilung auf die Stadtteile abbilden. „Um statistisch im sicheren Bereich zu sein, brauchen wir diese Anzahl“, betont Feichtner. „Wir wären sonst angreifbar.“ Zum Vergleich: Für bundesweite Ergebnisse, die die Meinung von rund 60 Millionen Wählern widerspiegeln, befragen die Meinungsforscher 1300 Leute.

Prof. Feichtner erklärt die Befragung

Ähnlich wie bei deutschlandweiten Erhebungen wurden auch bei der Politikanalyse der MZ die Beliebtheit bekannter Politiker abgefragt und die Sonntagsfrage gestellt: Wem würden Sie Ihre Stimme geben, wenn am Sonntag Stadtratswahl wäre? Äußerst interessant dürfte die Antwort auf die Frage werden, für welche der beiden möglichen OB-Kandidatinnen der Wähler votieren würde: Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer (SPD) oder Bundestagsabgeordnete Dr. Astrid Freudenstein (CSU).

Seit Juni 2016 hält der Korruptionsskandal Regensburg in Atem. Sechs Fragen dazu haben die 360 Bürger beantwortet. Es geht um Vertrauen, das Image der Stadt, einen möglichen Rücktritt des OB und die Überprüfung der größten Bauprojekte. Über zwei wichtigen Vorhaben brüten die städtischen Fachleute: die Stadthalle und einen höherwertigen öffentlichen Personennahverkehr. Den Demoskopen verrieten die befragten Bürger, ob sie das Kultur- und Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz wollen, ob sie eine Straßenbahn, mehr E-Mobilität und eine engere Taktung der Busse befürworten.

Mischen Sie sich ein!

mafotools erkannte nach der Auswertung der ersten 200 Regensburger Fragebögen einen stabilen Trend, der sich dann nicht mehr entscheidend verändert. „Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind“, erklärt Prof. Feichtner. Am schwierigsten zu erreichen sind die 18- bis 34-Jährigen, weil sie zwar meistens über ein Festnetz verfügen, aber vor allem am Handy telefonieren. Von ihnen benötigen die Meinungsforscher einen 20-prozentigen Stichprobenanteil – denselben wie in der Gesamtbevölkerung. „Wenn wir bei einer Familie anrufen, fragen wir, ob es jüngere Mitbewohner gibt“, erklärt der Meinungsforscher. Mit ihnen werde ein Telefontermin vereinbart. In den übrigen Fällen muss das beauftragte Nürnberger Call-Center eine Adresse mindestens viermal anrufen, und zwar an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten.

Wie bringt mafotools die Menschen dazu, sich ehrlich zu äußern? Bei Wahlbefragungen ist das laut Feichtner kein großes Problem, weil es nicht um persönliche Verhaltensweisen oder den Lebensstil geht.

Bislang kennen nur die Meinungsforscher und MZ-Journalisten die Antworten auf den Regensburg Trend. In einer Serie ab Montag werden wir Sie, liebe Leser, informieren, Hintergründe analysieren und die Ergebnisse bewerten. Diskutieren Sie mit, mischen Sie sich ein, schreiben Sie Ihre Meinung zur Kommunalpolitik an regensburg@mittelbayerische.de.

Alles zum Regensburger Korruptionsskandal lesen Sie hier.

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Professor Dr. Edgar Feichtner

  • Der gebürtige Abensberger (60) studierte

    Betriebswissenschaft in Regensburg, München und Johannesburg. Er war ab 1995 Lehrbeauftragter an der Regensburger Fachhochschule, heute Ostbayerische Technische Hochschule.

  • 1997 erhielt er

    dort eine Professur für Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Marktforschung und Marktkommunikation.

  • Die mafotools GmbH,

    ein privates Institut für Marktforschung in Regensburg , gründete Feichtner 1999. Er beschäftigt sechs Mitarbeiter.

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