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Klassiker

Die Fabrik für Träume ohne Grenzen

Mehr als 1300 Zuschauer erlebten im Regensburger Audimax die Premiere der Traumfabrik-Gala. „Unglaublich poetisch und auch spannend“, sagte ein Gast.
Von Angelika Lukesch, MZ

Die „Jumping Joeys“ aus Neutraubling zeigten bei der Premiere der Traumfabrik-Gala, wie spannend und schön Rope-Skipping sein kann. Foto: Lukesch

Regensburg. Das bis auf den letzten Platz voll besetzte Audimax in Regensburg erlebte am Freitag tosende Begeisterung, eine fulminante Show und Kraftnahrung für die Fantasie. Die Traumfabrik unter der Gesamtregie von Gründer Rainer Pawelke stieg nach elfmonatigem, scheinbaren „Winterschlaf“ aus der Versenkung hervor und versetzte ihre erwartungsvollen Zuschauer in eine Trance, die von Poesie, Fantasie und kreativem Genie ausgelöst wurde.

Ein phantastisches Vergnügen

Dabei lässt es sich nie letztgültig beantworten, wie die Traumfabrik ihr Publikum in den Bann zieht. Ist es die Lust an der Langsamkeit, das Rätseln ob der Unmöglichkeit oder das Losgelöst-sein in der Welt der Träume, die jeden einzelnen Zuschauer, mag er nun „altgedienter“ Fan sein oder „Neuzugang“, ergreift und für die zweieinhalb Stunden der Vorstellung mitnimmt auf die Metaebene der Träume, der Illusion und des Gefühls, das eigentlich alles möglich ist?

Letztendlich ist es jedoch eigentlich völlig gleichgültig: jeder einzelne Zuschauer im Publikum der Traumfabrik ergibt sich gern und voll Vergnügen den poetischen Träumen beim „Magischen Pas de deux“, das eigentlich seine illusorische Losgelöstheit allein dem Schwarzlicht zu verdanken hat und dem perfekten Trainingszustand derjenigen, die den Pas de deux vollführen. Überhaupt, die alten Traumfabrik-Klassiker: das Publikum liebt sie schon seit vielen Jahren und wird nicht müde die Schönheit der „alten“ Nummern zu rühmen.

Und auch die neu hinzugekommenen Zuschauer lassen sich sofort „einfangen“. So zieht immer wieder das Gespenst, das Strichmännchen und der Kussmund in den Bann. „Ich fand das einfach unglaublich poetisch und auch spannend“, sagte ein Zuschauer aus Schwandorf, der zum ersten Mal die Traumfabrik sah. Am Ende der Show war er zum Traumfabrik-Fan geworden.

Es sind nur winzige Kleinigkeiten, die den Zuschauer der Traumfabrik von einem Moment in den anderen in die Welt der Illusion versetzen: da räumt die alte Frau die Ständer weg, die das weiße Seil, die Handschuhe und das Laken tragen. Und trotzdem hängt das Seil noch in der Luft! Es braucht nur Kleinigkeiten, das weiß Rainer Pawelke schon seit vielen Jahren, um zu unterhalten, zu verzaubern und zum Träumen anzuregen.

Gemäß der Traumfabrik-Philosophie „weniger ist mehr“ ist auch die heurige Traumfabrik-Gala ein perfekter Mix aus einzelnen Show-Edelsteinen, die zusammen wie Puzzleteile wieder einmal und in jedem Jahr neu das Gesamtbild der Traumfabrik ergeben. Schon der Einstieg in die Traumfabrikaufführung mit dem Mimenkünstler Georg Sosani und einer wunderschönen Geigerin stimmt auf zweieinhalb Stunden Träumereien ein. Immer wieder und nach wie vor faszinierend war die „Rushhour“, eine Multimediashow, die alltägliche Situationen verfremdet, verzerrt, zerstückelt und am Ende wieder zusammensetzt.

Regelrecht in einen Sog der Faszination gezogen wurde das Publikum bei der Keulenjonglage zum Musikstück „Boléro“ von Maurice Ravel. Hypnotisierend langsam flogen die Keulen der Weltmeisterjongleure Thomas Dietz und dem Team Jonglissiomo aus Österreich. Wie aus Trance erwachte das Publikum am Ende des Boléros, als die letzte Keule aufgefangen wurde.

Dem Künstler Georg Sosani nahm das Publikum in mehreren Nummern, dem Paravent mit den vielen scheinbar herrenlosen Händen, dem Dirigenten, der das Publikum nonchalant zu Höchstleistungen animiert, und den Foliensäcken, die zu anmutig-frechen Vogel-Straußen mutieren, gefangen. Sein Kampf mit dem Bild des widerspenstigen gelben Luftballons nimmt sowieso allmählich Kultstatus ein! Der Regensburger Jongleurweltmeister Thomas Dietz jagte dem Publikum mit seiner Leuchtballjonglage, der ultraschnellen Nummer zu Vanessa Maes Geigenstück „Storm“, und mit der grade eben von Rainer Pawelke erfundenen und schon zur Legende gewordenen „Count-down-Jonglage“ einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Lichteffekte, rhythmische Musik und menschliche Bewegungen, gefangen im Tanz in einer surrealen Welt, erschienen beim so brav klingenden „Lichtertanz“. Dieser Tanz, eine neue Nummer der Traumfabrik, entführte den Zuschauer in eine Welt, die nicht mehr dem Heute angehört und wie ein Irrlicht der Zukunft erschien. Die Augen konnten sich kaum von dem wahnwitzigen Tanz der körperlosen Gestalten lösen.

In schweigender Verzückung

Die Neutraubling Rope-Skipper-Weltmeisterinnen „Jumping Joeys“ eroberten die Gunst des Publikums mit ihrem rasanten, frechen und unkonventionellen Seilspring-Auftritt. Fliegendes Feuer machte den Auftritt des Teams Jonglissimo zu einer visuellen Sensation. Für jeden echten Traumfabrik-Fan darf eines am Schluss der Vorstellung auf keinen Fall fehlen: die Visualisierung des Musikstücks „Moldau“ von Bedrich Smetana. Wie ein Wesen fiel das Publikum bei dieser mit einfachsten Mitteln produzierten Nummer in schweigende Verzückung.

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