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Porträt

Die Facebook-Fee

Julia Kathrin Knoll aus Regensburg wollte eine Doktorarbeit über „die Darstellung von Elfen in Kinder- und Jugendbüchern“ schreiben. Es wurde ein Fantasyroman.
Von Helmut Wanner, MZ

Julia Kathrin Knoll hat ihren Debütroman veröffentlicht. „Die Kinder Liliths“ sind ab 14. März auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Gerald Richter

regensburg. Es war einmal… - wäre das nicht schön, wenn man sich ins Goldene Zeitalter zurückwünschen könnte? Es sind unerfüllbare Wünsche. Julia Kathrin Knoll würde gerne eine Woche lang im 19. Jahrhundert leben, eine Woche in Prag, eine in London. In dieser Zeit lebten und schrieben Oscar Wilde und Franz Kafka, ihre Vorbilder. So lässt sie uns im Netz der Netze wissen. Julia K. Knoll ist zwar nur eine von einer Milliarde Facebook-Nutzern, aber eine besondere.

Sie trägt Elfenschmuck: Schmetterlinge an den Ohren. Bei ihr zu Hause sollen Kristalle an den Fenstern hängen. „Das lieben die Feen“, sagt sie. Und eine Landkarte von Mittelerde an der Wand zeigt, wo sie eigentlich zu Hause ist. Es hat sie also in dieses Zeitalter gespült, wo der tägliche Daten-Tsunami über uns hereinbricht und keiner mehr den Federkiel in Galltinte taucht, um zu schreiben, sondern mit beiden Daumen eine virtuelle Tastatur bearbeitet. Feen sind auch nur Menschen. Sie können es sich nicht aussuchen, in welchem Jahrhundert sie zur Welt kommen.

Sie ist ein Sonntagskind

An einem 6. Juli 1980 geboren zu sein, das ist schon mal gut. Das war ein Sonntag. „Sonntagskinder hören das Gras wachsen“, sagt Julia Knoll mit einem bezaubernden Lächeln, das einem wie auf Schmetterlingsflügeln zufliegt. Sonntagskindern sagte man früher das „zweite Gesicht“ nach. Ihre Neigungen sprechen Bände. Die studierte Märchen-Expertin mit Universitäts-Diplom weiß alles über Feen und Elfen. Man ist versucht, sich zu vergewissern, ob diese hauchzarte Person auch wirklich Schatten an die Museumswand wirft.

Im ehemaligen Minoritenkloster macht sie Führungen. „Gerade der Kreuzgang ist da sehr inspirierend. Wenn man dort durchläuft und das Licht durch die bunten Fenster fällt, während draußen die Rosen blühen, dann kann man sich schon Wesen vorstellen, die sich von Sonnenlicht ernähren und Blumen sprießen lassen können“, sagt Julia Knoll, die Linkshänderin, die ihren Namen gern mit JKK abkürzt.

Hier im Historischen Museum am Dachauplatz sitzt die 32-Jährige gelegentlich auch an der Kasse. Sie ist in weiteren Teilen Sekretärin beim Oberpfälzer Kulturbund, Lektorin und Stadtführerin - aber eigentlich ist Julia Kathrin Knoll Autorin. Ihr Traum ist es, Schriftstellerin zu sein. Das Ziel strebt sie mit einer Hartnäckigkeit an, die fast schon menschliche Züge trägt. „Ich will einfach tun, was ich liebe“, sagt sie.

Ihre Lebens-Maxime las sie bei Mark Twain: „Verliere nie deine Träume und Illusionen. Denn wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufhören zu leben.“

Ein jugendlicher Elf in Jeans

Also die große Schriftstellerei. Sie fällt ihr leichter als man denkt. Julia Knoll hält lediglich ihre Geschichten fest, die ihr seit frühester Kindheit permanent und aus allen Ecken zufliegen. „Mein Vater hat mir, bevor ich überhaupt lesen konnte, Geschichten erzählt. Von König Artus und seiner Tafelrunde. Für mich war dies real. Ich vermutete überall Feen und sah im Nebel Avalon.“ Seit sie 12 Jahre alt ist, spinnt sie Erzähl-Fäden und schreibt sie nieder. In ihrem Kopf entstehen moderne Märchen. Jetzt ist ihr erster, ganz großer Erzählknäuel fertig gestrickt. Ihr Fantasyroman „Die Kinder Liliths“ ist erschienen.

Den Roman zieht sie wie eine Arznei aus einem roten Apotheken-Täschchen und legt ihn fast schüchtern auf den Tisch. Die Autorin leidet wie alle Introvertierten. Öffentlichkeit und Kritik machen ihr bang. Aber sie überwindet sich. Sie wird zu Lesungen eingeladen, es gibt ermunternde Rezensionen: Der Roman sei unbedingt weiterzuempfehlen, weil er in wunderbarer Weise Liebe und Vergebung thematisiere. Die schönste kam übers Internet. Eine Gymnasiastin schrieb.:„Ich habe Angst vorm Abitur. Ich lese dich täglich. Dann ist der Druck weg.“ Julia Kathrin Knoll: „Das war die Antwort auf meine Frage: Warum schreibst du?“

Eigentlich wollte sie ihren Magister mit einer Doktorarbeit krönen. Sie hatte bei dem Regensburger Märchenforscher Prof. Kurt Franz schon Material zusammengetragen zum Titel: „Die Darstellung von Elfen und Feen in Kinder - und Jugendbüchern.“ Nun ist es ein 630 Seiten starker Roman geworden über den Zauber der Liebe zwischen Lilly und Alahrian, einen unsterblichen „liosalfar“. Er ist ein jugendlicher Elf in Jeans. Und Lilli, die 16-jährige Schülerin, ist seine erste und einzige Liebe. Mit Alahrian spielt sie das Thema vieler Menschen an, die ihr wahres Ich aus Furcht verschleiern und doch so geliebt sein wollen wie sie sind. Jeder Mensch sehnt sich danach, in seinem innersten Wesen erkannt zu werden. „Das ist Erlösung“, sagt sie.

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