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Kultur

Die fantastische Welt der Bühne

Einblicke vom Inspizientenpult bis in die Katakomben: Theater feierte die Spielzeiteröffnung mit einem Tag der offenen Tür.
von Elisabeth Angenvoort

  • Regisseur Harald Fuhrmann mit Mitgliedern des Jungen Theaters bei der öffentlichen Probe zu „Die Brüder Löwenherz“ Fotos: Elisabeth Angenvoort

Regensburg.Man stellt sich ein Theater oft vor wie eine große Familie, in der man die großen Momente des Lebens teilt. An den vielen Wirkungsstätten des Regensburger Theaters, vom Inspizientenpult bis hinab zu den Katakomben, wo sich die gigantische Maschinerie für die gegenläufig steuerbare Drehbühne befindet, arbeiten derzeit etwa 300 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Gemeinsam erschaffen sie immer wieder fantastische Welten für alle jene, die den Alltag einmal hinter sich lassen wollen. Am Sonntag waren die vielen Türen des Theaters wieder für Besucher geöffnet, auch zu Stätten, an die man normalerweise keinen Zutritt hat.

Das Fest sei jedes Jahr ein absolutes Highlight nach der Sommerpause, sagte Theaterfreundin Christine Schallock: Man begegne vielen alten Bekannten und lerne interessante neue Menschen kennen. Pünktlich um 11 Uhr erklang die Eröffnungsfanfare vom Balkon über den Bismarckplatz, wo sich bei spätsommerlich sonnigen Temperaturen bereits eine Stunde zuvor eine lange Schlange zur Vorverkaufskasse für begehrte Termine der Saison gebildet hatte.

Intendant Jens Neundorff von Enzberg und sein Team konnten sich über einen kaum abnehmenden Besucherstrom freuen. So hatte Else Brücklmeier, Leiterin des Einlassservice, im Theatersaal am Bismarckplatz gut zu tun. Dort wurde vor vollen Rängen traditionell das musikalische Glücksrad gedreht. Christina Schmidt, Chefdramaturgin des Musiktheaters und ihre Kollegin Julia Anslik führten eine Stunde lang durch die „Gameshow“, mit Fragen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades zur kommenden Spielzeit. Das Engagement der Zuschauer wurde auch dieses Jahr mit Premieren- oder Tanzabonnement-Karten belohnt.

Bis zum letzten Platz besetzt war auch der Zuschauerraum im Jungen Theater. Dort wagten sich die jungen Schauspieler unter der ebenso einfühlsamen wie konstruktiven Kritik von Regisseur Harald Fuhrmann an eine öffentliche Probe von „Die Brüder Löwenherz (nach dem Roman von Astrid Lindgren, 1973). Auch hier agierten die Darsteller mit dem Publikum, mischten sich unter die Zuschauer, sprachen diese direkt an, um Reaktionen zu testen und mögliche Verbesserungen zu diskutieren. „Ihr müsst die Leute wahrnehmen“, forderte Fuhrmann die jungen Darsteller auf, „achtet mehr auf die Menschen!“ Die Spannung war auf beiden Seiten spürbar, im Zuschauerraum wie auf der Bühne, hinter die man zuletzt noch einen tiefen Blick werfen konnte, als der provisorische Vorhang zu Seite gezogen wurde.

„Dahinter tobt der Wahnsinn“, sagte Fuhrmann angesichts der Vielzahl an Instrumenten, Kulissen und Technik. Es sei unglaublich, was die Schauspieler zusätzlich zum Bühnenspiel im Hintergrund alles leisten. Wie denn die Reiterszenen auf den Pferden dargestellt werden, wollte eine Zuschauerin noch wissen. Man habe sich einige „charmante, einfache Lösungen“ überlegt, „die nicht zu albern sind“ – mehr verriet Fuhrmann nicht. Zum Thema „Tod“ fügte er an, es sei notwendige Aufgabe der Erwachsenen, mit den Kindern nach einem Besuch des Stücks ins Gespräch zu kommen.

Nachdenkliches und Heiteres

  • Mutmach-Stück: „Die Brüder Löwenherz“ in der Inszenierung von Harald Fuhrmann wird für Kinder ab 11 Jahren empfohlen. „Schön und traurig“ finden Monika Kerscher und Karin Senft die Geschichte. Ludwig (9) wird zuerst das Buch lesen, bevor er nächstes Jahr mit seiner Mutter das Bühnenstück sehen darf.

  • Fundgrube: Für seine Tochter Ella (13), die Theaterstücke schreibt und inszeniert, hat Johannes Hundshammer jede Menge Kostüme und nützliche Requisiten beim Kostümflohmarkt für wenig Geld erworben. Ellas Bruder Jonathan sprang in die Bresche und probierte schon einmal eines der Abendkleider.

Während sich die jüngeren Besucher auf der Spielstraße im Jungen Theater in die Rolle der kleinen Hexe (Premiere am 24. November) hineinversetzen konnten oder mit dem Schwäneangeln im Brunnen am Bismarckplatz König Ludwig II. gedachten, versuchten sich Ballettbegeisterte im Foyer des Neuhaussaales im klassischen Ballettstangentraining, um ein „ungefähres Gefühl für unser morgendliches Training“ zu bekommen, wie Ballettmeister Christian Meier sagte.

Im Neuhaussaal stellten sich unter anderem Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin und Sopranist Onur Abaci auf dem legendären Roten Sofa den Fragen von Christina Schmidt und Julia Anslik. Rückblickend auf sein erstes Jahr in Regensburg, sagte der gebürtige Taiwanese Lin unter dem Beifall des Publikums, er habe hier in Regensburg „ein Zuhause gefunden“. Nach langen Jahren in Salzburg zurückgekehrt zu seinen Wurzeln ist hingegen der aus Kelheim stammende Abaci. Der junge Sänger verfügt über eine faszinierend übergreifende Stimmlage: „Man muss die Register schön vermischen“, beschrieb er seine Technik.

Neben den begehrten Führungen zu Bühnen-, Licht- oder Tontechnik und war der Kostümflohmarkt mit seinem wunderbar bunten Fundus ein Besuchermagnet. Ebenso edel wie fantastisch gewandet präsentierten sich die Models bei der Kostümversteigerung unter der Moderation des Intendanten. Die Reise durch die Welt des Theaters endete mit einer Bühnenparty – ein wunderbarer Start in die neue Spielzeit.

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