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Prominenz

Die Fürstin packt alle warm ein

Weihnachtsmarktbummel mit Gloria von Thurn und Taxis: Schinken, Schnaps und eine Frohbotschaft für verkrachte Familien.
Von Claudia Bockholt, MZ

Regensburg.Der Herr Meir ist Friseur. „Aus München.“ Fürstin Gloria findet nichts dabei, dass der elegant gekleidete Herr vom katholischen Fernsehsender EWTN den Promi-Coiffeur nicht kennt. Auch Meir ist nicht gekränkt. Ein Blick auf das Haupthaar verrät ihm, dass mit diesem gediegenen Journalisten sowieso kein Geschäft zu machen wäre.

Bei der Fürstin ist das nicht anders. Sie trägt schon lange nur noch flottes, praktisches Kurzhaar. Die Zeit der ironischen Punk-Pompadour-Türme ist lange vorbei. Meir, den die überdrehten Locken der jungen Fürstin in den 80er Jahren zum Szenestar machten, und die mittlerweile 56-Jährige lachen aber noch immer gerne zusammen. Untergehakt und jugendlich-übermütig schlendert die Fürstin mit ihrem Freund und Fan Meir über ihren Romantischen Weihnachtsmarkt.

Ginge es nach der Fürstin, könnten die Wege ruhig noch länger sein. Sie würde gerne vergrößern, auch den Weiher miteinbeziehen. „Das wäre mein Traum!“ Sie hofft, dass die Stadt als Untere Naturschutzbehörde Stück für Stück mitzieht. Dann könnte der Regensburger Weihnachtsmarkt irgendwann deutschlandweit die Nummer eins sein.

„Mei, is des schön!“

Gastronom Sascha Al-Mahmoud betreibt auf dem Weihnachtsmarkt auch einen Mützenstand. „Am Start“ heißt sein Label. Die Fürstin sucht gleich eine Bommelmütze für ihren Freund Gerhard Meir aus: „Die grüne, die ist schick!“ Foto: altrofoto.de
Gastronom Sascha Al-Mahmoud betreibt auf dem Weihnachtsmarkt auch einen Mützenstand. „Am Start“ heißt sein Label. Die Fürstin sucht gleich eine Bommelmütze für ihren Freund Gerhard Meir aus: „Die grüne, die ist schick!“ Foto: altrofoto.de

„MZ-Bummel“ steht im Kalender ihres Smartphones. Gloria von Thurn und Taxis will uns am vierten Advent ihre persönlichen Lieblingsplätze zeigen. Ein „Triumphzug“ – so hat Meir einmal das nächtliche Feiern mit ihr in den Münchner Clubs genannt – wird es nicht. Sogar in Regensburg ist Gloria, trotz markanter Fell-Ballonmütze, eine Celebrity auf den zweiten Blick. Viele Marktbesucher schauen neugierig, ebensoviele gehen ungerührt an ihr vorbei. Andere drehen sich noch einmal um: „War das nicht...?“. Es sind fast ausschließlich Frauen, die Gloria sofort erkennen und aufgeregt lachend um ein Foto bitten.

„Mei, is des schön“, sagt Meir ein ums andere Mal. Erstes Ziel des kleinen Medien-Trosses ist das Große Blockhaus Thurn und Taxis. Weiches Licht und mollige Wärme in rustikalem Ambiente empfängt die Besucher. „Das Schöne daran ist, dass man hier nicht reservieren muss“, sagt die Fürstin. Es geht weiter, zum Stand mit Wild-Spezialitäten aus dem fürstlichen Wald. Ihre Durchlaucht reicht die Probierplatte herum, vergisst niemandem ein Stück anzubieten. Sie ist ein aufmerksamer Mensch, sorgt sich um ihre Umgebung. Die muss dafür auch mal einen Scherz aushalten. „Der Meir mag nur Dinge, die dick machen“, ruft sie laut. „Und das hier ist mager.“

Weil das spätnachmittägliche Licht für den Fotografen noch nicht romantisch genug ist, legen die Flaneure in Kneipenkönig Sascha Al-Mahmouds Champagnerbar eine Pause ein, bis es ganz dunkel wird. „Kommen Sie her!“: Auf mit Fellen belegten Holzbänken darf man der Fürstin ruhig ein wenig auf die Pelle rücken. Sie bestellt heißen Apfel. „Mit Calvados?“ Keine Frage für Meir: „Unbedingt!“

„Familie ist ein Minenfeld“

Wildspezialitäten – natürlich aus den fürstlichen Wäldern – werden ebenfalls feilgeboten. Besonders lecker: der Hirschschinken, 100 Gramm für 6,50 Euro. Auch Figaro Gerhard Meir kommt auf den Geschmack und kauft ein Stück. Foto: altrofoto.de
Wildspezialitäten – natürlich aus den fürstlichen Wäldern – werden ebenfalls feilgeboten. Besonders lecker: der Hirschschinken, 100 Gramm für 6,50 Euro. Auch Figaro Gerhard Meir kommt auf den Geschmack und kauft ein Stück. Foto: altrofoto.de

Gemütlich ist es hier oben. „Geborgenheit“ ist das Stichwort für Gloria von Thurn und Taxis. Mit diesem Gefühl sollen die Besucher nach Hause gehen. Warm eingepackt, auch die Seele. Das heißt Weihnachten: „Geborgenheit – und Friede“. Für alle Familien, bei denen es kracht, hat die Fürstin eine tröstliche Botschaft: Streit gibt es in den besten Familien. „Das ist ein emotionales Minenfeld!“ Deshalb sei es wichtig, Zeit miteinander zu verbringen. Am ersten Tag reibt man sich, am zweiten beruhigt man sich und am dritten Tag hat man wieder Spaß miteinander.

Den Heiligen Abend verbringt Gloria heuer bei ihrer Schwester. Er folgt einer festen Dramaturgie: Bis 13 Uhr gibt es Frühstück. Dann zieht man sich zurück. Der Nachwuchs geht in die Kindermette, danach muss die Bescherung losgehen. „Sonst drehen die Kinder durch.“ Die Erwachsenen stehen also spätestens um 17 Uhr am Baum. Dresscode: langes Abendkleid und Smoking. Im Weihnachtszimmer wird „Stille Nacht“ angestimmt und die bayerische Krippe des Regensburger Arztes und Kunsthandwerkers Thomas Huber bewundert. Nach der Bescherung setzt sich die Familie mit allen Angestellten an eine festliche Weihnachtstafel. Und um 22 Uhr geht es in die Christmette.

2017 feiern wieder alle im Schloss

Der schwäbische Bürstenbinder Roland Lehner kommt kaum hinterher: Seine Produkte verkaufen sich bestens, die Rundhaarbürste aus Wildschweinhaar ist bereits vergriffen. Sie lässt das Haar besonders schön glänzen. Foto: altrofoto.de
Der schwäbische Bürstenbinder Roland Lehner kommt kaum hinterher: Seine Produkte verkaufen sich bestens, die Rundhaarbürste aus Wildschweinhaar ist bereits vergriffen. Sie lässt das Haar besonders schön glänzen. Foto: altrofoto.de

Hier oben in der Bar, weit weg von Trubel und Gedränge, kommt das Gespräch auf den persönlichen Glauben. Nächstenliebe sei die höchste christliche Tugend, sagt die Fürstin sehr entschieden. Nur werde sie oft falsch interpretiert. „Man muss nicht nach Kalkutta gehen.“ Vielmehr solle jeder in seiner Umgebung die Augen aufhalten und sich fragen, wo er helfen kann.

Dass der türkische Präsident Erdogan an einer deutschen Schule in Istanbul das Weihnachtsfest verbieten möchte, stimmt sie traurig, aber es wundert sie nicht. „Jetzt ist es wichtig, den Glauben wieder offensiv zu leben und zu zeigen: Wir haben den lieben Gott nicht vergessen, wir haben ihn nur vernachlässigt.“ Von den Muslimen, sagt sie, könne man lernen, wie man den eigenen Glauben pflegt.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis schenkt die Stamperln Marillenschnaps am Stand der Obstbrennerei Penker gleich selbst ein. „Man darf nicht schmecken, dass es Schnaps ist“, sagt sie. „Das muss schmecken wie Limonade.“ Ihr Freund Gerhard Meir kauft hier am liebsten Bratapfel-Likör.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis schenkt die Stamperln Marillenschnaps am Stand der Obstbrennerei Penker gleich selbst ein. „Man darf nicht schmecken, dass es Schnaps ist“, sagt sie. „Das muss schmecken wie Limonade.“ Ihr Freund Gerhard Meir kauft hier am liebsten Bratapfel-Likör. Fotos: altrofoto.de

2017 wird die fürstliche Familie wieder in St. Emmeram feiern, dann sind auch Maria Theresia und Enkeltochter Mafalda dabei. Vorher stehen aber noch die Schlossfestspiele auf dem Jahresplan. Meir freut sich besonders auf Zucchero und seine Hits aus den 80ern, die er mit der Partyfürstin damals gemeinsam gesungen hat. Er hat schon im Bischofshof reserviert. Und vermerkt gleich einen weiteren „MZ-Bummel“ in seinem Terminkalender. Im Juli zeigt uns der einstige Hof-Friseur seine Lieblingsplätze in Regensburg.

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