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Nostalgie

Die Hoffnung für die Straßenbahn lebt

Zum 50. Jahrestag der Stilllegung überreichte die Interessengemeinschaft dem Regensburger OB 2057 Unterschriften, die die Restaurierung fordern.
von Daniel Steffen, MZ

  • Drei, die für den Erhalt des historischen Straßenbahnzugs kämpfen: Thomas Friedrich, Martin Kempter und Günther Schieferl (von links) brachten zum Jubiläumstag die Fahrkarten an den Mann. Fotos: Steffen
  • Ein Fahrschein kostete damals gerade einmal 20 Pfennig.
  • Jan Mascheck (rechts) überreichte OB Joachim Wolbergs (links) und Bürgermeister Jürgen Huber die 2057 gesammelten Unterschriften.

Regensburg.Es ist vollbracht: 2057 gesammelte Unterschriften gingen in die Hände von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs über. Den symbolischen Akt zelebrierte die Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn Regensburg am Freitag vor den Toren des Alten Rathauses, um deutlich zu machen, dass sich viele Bürger eine Restaurierung des historischen Straßenbahnzugs, der vor genau 50 Jahren seinen Dienst einstellte, wünschen. Auf dem Betriebshof der Regensburger Verkehrsbetriebe stehend, führt dieser derzeit ein einsames Aschenputteldasein. Ihn umfangreich zu restaurieren und öffentlichkeitswirksam als zeitgeschichtliches Dokument an markanter Stelle auszustellen, ist das Hauptanliegen der Unterstützer.

Eine kostenspielige Restaurierung

Das kostet freilich Geld, wie der OB weiß: Allein für die Restaurierung würden rund 200 000 Euro anfallen, rechnete er vor den versammelten Straßenbahn-Fans vor. Ihnen machte er aber dennoch Hoffnung: „Wir kümmern uns um die Restaurierung, wenn sich auch die Bürger drum kümmern“, bejahte er seine Unterstützung des Projekts, das nun im Stadtrat abgehandelt werden soll. Wie er sich vorstellt, soll durch bürgerschaftliches Engagement ein nicht unwesentlicher Teil der Kosten mitgetragen werden.

Zum Jubiläumstag der Stilllegung der Regensburger Straßenbahn hatte sich die Interessengemeinschaft ein ganz besonderes Programm ausgedacht: Im modernen und voll besetzen RVB-Bus fuhren die Fahrgäste bei einer Sonderfahrt alle Stationen der letzten Straßenbahnstrecke (Linie 1) von 1964 noch einmal ab: Der Weg führte zunächst vom Pürkelgut über die Landshuter Straße, den Ernst-Reuter-Platz und dem Domplatz zum Alten Rathaus, wo OB Wolbergs die besagten Unterschriften entgegen nahm.

Ein Straßenbahnfahrer erinnert sich

Nachdem dort der Chor des Von-Müller-Gymnasiums eine eigens für die Veranstaltung umgetextete Version von „Als wir jüngst in Regensburg waren“ vorgetragen hatte, setzte sich die Fahrt weiter über den Haidplatz und den Arnulfsplatz in Richtung des früheren Depots in der Augustenstraße fort.

Regensburgs letzter Straßenbahnfahrer, Günther Schieferl, grub auf der Fahrt seine Erinnerungen aus und ließ die aufmerksam zuhörenden Passagiere davon wissen. In originaler Arbeitsuniform gewandet, hatte er immer eine Anekdote parat. Und wo schon einmal die Geschichte lebendig wurde, traten die Fahrgäste ihre Reise auch mit einem Original-Fahrschein an: 20 Pfennig kostete eine Fahrkarte damals im Jahr 1964.

Nach der Fahrt setzte sich die Jubiläumsveranstaltung in den Bischofshof Braustuben fort: Historisches, teils farbiges Videomaterial ermöglichte einen detaillierten Einblick in die Geschichte. Wie die Bilder dokumentierten, mussten entgegenkommende Autos und Radfahrer der Tram permanent ausweichen – auf dem engen Raum in der Altstadt eine gefährliche Angelegenheit. Doch was wiegt das schon, wenn man solch eine Fahrt gern wieder hautnah erleben würde?

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