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Die Isarstraße steht im Brennpunkt

„Frau missbraucht und nackt ausgesetzt“: Das Thema lockt bundesdeutsche Medien in den Stadtnorden. Anwohner sprechen ihre Angst in die Mikrofone.
Von Helmut Wanner, MZ

Elternbeirätin Martina Travi im Interview mit „Brisant“, dem ARD-Boulevardmagazin Foto: Wanner

Regensburg.„Schöne Ferien und gute Erholung“ wünscht Pfarrer Klaus Poitsch im Pfarrblatt, das am Portal der katholischen Pfarrkirche „Heiliger Geist“ angeschlagen ist. Keine 20 Schritte davon entfernt wartete am Sonntagmorgen um 0.40 Uhr das Auto mit dem mutmaßlichen Vergewaltiger mit laufendem Motor. Genau dort, wo Mütter unter der Woche ihre Autos parken, wenn sie ihre Kinder vom Kindergarten abholen. Kindergarten-Mutter Füson Korkmaz fröstelt es am Dienstagmittag bei dem Gedanken. „Ich habe Angst“, sagt sie zur Mittelbayerischen.

„Keinen Respekt mehr vor der Kirche!“ sagt Martina Travi. Sie und Maria Brunner sind vom Elternbeirat der Hans-Herrmann-Grundschule. Die beiden Mütter stehen mit ihren Fahrrädern zufällig an der Kreuzung und besprechen das Verbrechen, das im Schatten von „Heiliger Geist“, in unmittelbarer Nähe zu zwei Kindergärten und „ihrer“ Schule passierte.

„Da kommen Ängste hoch“

Das Straßen-Gespräch interessiert auch Achim Schregle von „Vision Süd“, einen freien Reporter, der im Auftrag von „Brisant“ an den Tatort geeilt ist. Das friedliche Kircheneck Isarstraße/Lechstraße sieht sich nach der überfallartigen Vergewaltigung einer 22-jährigen Regensburgerin plötzlich im nationalen Brennpunkt. Der Beitrag wurde gestern gesendet. Titel „Vergewaltigung schockiert Regensburg. Frau missbraucht und nackt ausgesetzt.“

„Da haben wir geschluckt, alle miteinander“, sagen Martina Travi und Maria Brunner zur MZ, die über das Verbrechen am Montag auf der Titelseite als erste Zeitung berichtet hatte. „Da kommen Ängste hoch. Wir sind bislang mit der rosa Brille durchs Leben gegangen.“

Martina Travi, Erzieherin von Beruf, wollte am Dienstag ihren Sohn für sein erstes Jahreszeugnis belohnen und ihn mittags auf eine Pizza einladen. Die Schwiegertochter des bekannten Regensburger Kunstmalers Angelo Travi (79) bekennt, dass sie bei der Lektüre des Polizeiberichts erst gar nicht die volle Wahrheit realisiert habe. „Ich hab das gelesen und gedacht: Da bin ich aber froh, dass es so was bei uns nicht gibt …“

Über 30 unterschiedliche Nationen leben in der Isarstraße. Der ehemalige Postbeamte Bernhard W. wohnt schon 47 Jahre hier. Er lädt seinen Einkauf aus dem Kofferraum und deutet nach oben. Sein Schlafzimmerfenster dort geht auf den freien Kirchplatz raus, aber nachts hält er es wegen dem Straßenlärm geschlossen. Er bedauert, dass man seit der Privatisierung der Blocks der Postbaugenossenschaft nicht mehr weiß, wer sein Nachbar ist. Bei hellichtem Tag habe man im Hans-Herrmann-Park erst kürzlich einer Frau die Handtasche entrissen, weiß er.

Der Mesner sagt „Wahnsinn“

„Wahnsinn!“, sagt Christian Wagner. Der Hausmeister vom Pfarrzentrum Heiliger Geist wischt die Lehnen der Marienkapelle ab. „Ich hoffe, dass man alle drei Verbrecher bald schnappen wird.“ Seine Wohnung befindet sich im Brennpunkt, im Pfarrzentrum: Der Garten geht auf den 2,5 Hektar großen Hans-Herrmann-Park raus. Verbrechen dieser Schwere habe es an dem Eck noch nie gegeben. „Freilich Drogendelikte. Da habe ich Nadeln aus dem Gebüsch raus.“

Auf dem Kinderspielplatz im Park, zwischen Pfarrzentrum und Kindergarten, spielt Hausmann Florian S. mit seinem Sohn. Er hat sich Gedanken gemacht. „Das schaut nach einer geplanten Tat aus“, sagt der junge Vater.

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