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Uni

Die Jagd nach dem billigen Zimmer

Kurz vor Semesterstart suchen in Regensburg noch rund 50 Studenten. Mehr als 600 hoffen auf einen günstigen Wohnheimplatz.
Von Marion Koller, MZ

  • Untergekommen sind die meisten Studenten, doch viele schauen sich nach einer günstigeren Bleibe um. Foto: Lex
  • Vera Forstmeier engagiert sich bei der Schlafplatzbörse für Studenten. Foto: Koller
  • Luise Schulz (20): „Als ich mit dem Studium angefangen habe, bin ich im Wohnheim untergekommen. Zwischenzeitlich wollte ich in eine WG in der Altstadt ziehen. Aber die Mieten waren mir zu teuer. Mittlerweile bin ich im Wohnheim glücklich.“ Foto: Stoib

Regensburg.Am Montag beginnen die Vorlesungen an der Universität. Und noch immer wissen 40 bis 50 Erstsemester nicht, wo sie wohnen können. Das sagen Vera Forstmeier und Patrick Weißler von der linken Studentenvertretung „Bunte Liste“. Die Gruppierung hat eine Schlafplatzbörse organisiert. Über 100 Suchanfragen sind eingegangen. Gleichzeitig haben sich 50 Regensburger gemeldet, die übergangsweise Räume zur Verfügung stellen. „Das funktioniert super. Die Menschen sind total offen dafür“, lobt Forstmeier, die Biologie und Chemie studiert und den schwierigen Mietmarkt kennt. Sie teilt sich ein 400-Euro-Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit ihrem Freund.

Weniger Wohnheimplätze

Weil noch Erstsemester – auch von der Ostbayerischen Technischen Hochschule – suchen, appellieren Forstmeier und Weißler erneut an die Regensburger, ihr Haus einem Studierenden zu öffnen. Mehrere Tage reichen manchmal aus. Im Durchschnitt bleiben die jungen Leute einen Monat lang. Forstmeier klagt, es gebe in der Stadt viel zu wenig öffentlich geförderte Wohnheimplätze. Die Bestehenden würden reduziert, etwa am Ernst-Reuter-Platz, wo das Studentenwohnheim für ein Kultur- und Kongresszentrum weichen muss.

Sebastian Brunner (20): „Bei der Suche nach einer günstigen Wohnung habe ich ziemliches Glück gehabt. Mein Vermieter hat mir erzählt, dass er schon nach drei Tagen 200 Bewerbungen für die Wohnung hatte. 15 Bewerber hat er eingeladen, mich hat er genommen.“ Foto: Stoib
Sebastian Brunner (20): „Bei der Suche nach einer günstigen Wohnung habe ich ziemliches Glück gehabt. Mein Vermieter hat mir erzählt, dass er schon nach drei Tagen 200 Bewerbungen für die Wohnung hatte. 15 Bewerber hat er eingeladen, mich hat er genommen.“ Foto: Stoib

Es stimmt, dass die Zahl der Wohnheimplätze in den letzten neun Jahren gesunken ist: von 3752 auf 3679. Die Zweckbindung der Gebäude lief aus, das Heim in der Dr.-Gessler-Straße wird saniert. Doch es gibt weitere Gründe für die Knappheit: unbezahlbare Mieten und mehr Erstsemester an der OTH, die nach einem Computerfehler 350 Studierende zusätzlich für den Bachelor Soziale Arbeit zulassen musste.

Ende September fragte die „Bunte Liste“ bei Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer nach, ob die Stadt nicht eine Turnhalle oder Ähnliches als Notquartier anbieten könne. Eine Antwort ist ausgeblieben. Auf MZ-Anfrage versicherte Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra, das Amt für Stadtentwicklung arbeite an einer Lösung.

Auch dem Studentischen Sprecherrat der Uni liegen Wohnungsanfragen vor. Verwaltungsangestellte Christa Hausner kümmert sich darum. Sie erhält nur wenige Vermietungsangebote. „Meistens von weit außerhalb“, sagt sie. Aus Pielenhofen, Deuerling und sogar Schwandorf. Am Dienstag meldeten sich Vermieter aus Pentling und der Wassergasse. Hausner weiß, dass diese Zimmer sofort weggehen werden.

Teures Mietzimmer als Übergangslösung

Miriam Fischer (21): „Erst vor einer Woche habe ich endlich ein WG-Zimmer gefunden. Zuvor habe ich 15 bis 20 Wohnungen besichtigt. Meine neue Wohngemeinschaft gefällt mir sehr gut, aber für den Übergang hätte ich wirklich alles genommen.“ Foto: Stoib
Miriam Fischer (21): „Erst vor einer Woche habe ich endlich ein WG-Zimmer gefunden. Zuvor habe ich 15 bis 20 Wohnungen besichtigt. Meine neue Wohngemeinschaft gefällt mir sehr gut, aber für den Übergang hätte ich wirklich alles genommen.“ Foto: Stoib

Der Großteil der Studienanfänger ist trotz der Engpässe untergekommen. Das zeigen Gespräche bei der Erstsemestermesse am Dienstag rund ums Audimax der Universität. Susanne Dietrich (18) aus Niederalteich, die sich dort umschaut, hat bei den Portalen Immobilienscout24, „WG gesucht“ und bei vier Wohnungsbesichtigungen Absagen kassiert. Ihr Ein-Zimmer-Apartment am Galgenberg übernahm sie von einem Freund, der in eine WG zog. Lena Dejosez (19) ergatterte eine Wohnung im Vitusheim. Für Daniel Brandl aus Geroldsbach erwarben die Eltern vor zwei Wochen eine Eigentumswohnung in der Simmernstraße. Jonas Hofeneder (19) aus Straubing hat ein Ein-Zimmer-Apartment am Ziegetsberg gefunden, das ohne Strom 350 Euro kostet.

Viele betrachten eine teure Mietwohnung offenbar als Übergangslösung, denn auf der Warteliste für einen Regensburger Wohnheimplatz beim Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz drängen sich 614 Namen.

Joshua Hamilton (22): „Ich habe mit meiner Freundin eine Wohnung gesucht. Ich denke, es ist in Regensburg etwas leichter, zu zweit eine Wohnung zu finden als alleine ein WG-Zimmer. Schon nach drei oder vier Besichtigungen hatten wir unsere Wohnung.“ Foto: Stoib
Joshua Hamilton (22): „Ich habe mit meiner Freundin eine Wohnung gesucht. Ich denke, es ist in Regensburg etwas leichter, zu zweit eine Wohnung zu finden als alleine ein WG-Zimmer. Schon nach drei oder vier Besichtigungen hatten wir unsere Wohnung.“ Foto: Stoib

Geschäftsführerin Gerlinde Frammelsberger schätzt, dass die meisten Interessenten bereits eine Bleibe gefunden haben. „Die Studierenden halten die Bewerbung aufrecht. Die haben vielleicht was gefunden für 400 Euro, wir verlangen 220 Euro warm“, sagt sie. Frammelsberger bedauert, dass sich die Sanierung des Wohnheims Dr.-Gessler-Straße bis zum Sommersemester hinzieht. Eigentlich sollte sie schon abgeschlossen sein. Dadurch fehlen 160 Plätze. Zum Glück haben Studentenwerk und Evangelische Kirche Wohnheime am Areal der früheren Nibelungen-Kaserne gebaut.

An der OTH haben heuer 2700 neue Studierende angefangen, an der Uni sind es 3229. Wegen steigender Studentenzahlen fordern die Regensburger Grünen in einer Pressemitteilung einen Ausbau bezahlbaren studentischen Wohnraums. MdL Jürgen Mistol will sich im Landtag dafür einsetzen, dass die Gelder für die Wohnraumförderung und für die Studentenwerke im Nachtragshaushalt deutlich aufgestockt werden. Kreisvorsitzender Stefan Christoph fordert: „Bildung darf nicht wieder zum Luxusgut werden.“

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