MyMz
Anzeige

Konflikt

Die Mühleninsel wird plattgemacht

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt will die Gareis-Insel abholzen und massiv abtragen. Anwohner leisten Widerstand.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Blick in den Mühlenkanal: Die mit Blumen geschmückte Brücke in den Garten der Renners soll weggeflext werden. Fotos: altrofoto.de
  • Die Gareis-Insel auf einer Postkarte von 1901 Foto: Sammlung Milic
  • Blick von der Steinernen Brücke auf den Spitz und das Mühlrad Foto: altrofoto.de
  • Die Gareis-Insel kennt jeder Regensburg-Tourist. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Gareisinsel zwischen Donau und Mühlkanal vor den Häusern der westlichen Wöhrdstraße ist eine der meist fotografierten Motive Alt-Regensburgs.

Den Spitz, das Mühlrad und die Gärten der Gareisinsel gibt es seit 1734. Die Insel, die durch einen Mühlkanal von den Häusern der Wöhrdstraße getrennt ist, hat sich kaum verändert. Wie die Kinder auf einer Postkarte von 1901 zeigen, konnten die Bewohner der Häuser der westlichen Wöhrdstraße auf ihren Stegen hoch über dem Mühlkanal zu ihren Inselgärten gelangen. Das ist heute noch so. Der Biber hat seinen Bau, Enten rasten im Mühlkanal, ein alter Walnussbaum und Apfelbäume werfen Schatten auf das 75 Meter lange Eiland im Strom. Die Tage dieser Postkarten-Idylle sind gezählt. Christa Renner besitzt das Haus Wöhrdstraße 8 und den schönsten Garten mit gemauertem Pavillon. „Alles wird weggerissen. Die Insel wird platt gemacht“, klagt sie.

Die Tage dieser Schaukel zwischen Bäumen sind gezählt. Es wurde ein Nutzungsverbot ausgesprochen. Foto: altrofoto.de
Die Tage dieser Schaukel zwischen Bäumen sind gezählt. Es wurde ein Nutzungsverbot ausgesprochen. Foto: altrofoto.de

Die Insel gehört Deutschland. Am 4. Juni dieses Jahres hatten die Familien Gareis, Fehle und Renner, die die Insel-Gärten nutzen, einen Brief vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Regensburg im Briefkasten. Als sie das Schreiben öffnete, traf sie der Inhalt wie ein Schlag. Zum 31. Dezember 2017 wurden ihnen die Nutzungsrechte gekündigt. Begründet wurde dies mit der Sicherungspflicht. Die Quadermauer im Mühlkanal habe sich geneigt, sie drohe langfristig umzufallen. Außerdem stelle die Insel ein Problem für den Abfluss-Querschnitt dar. Es drohe eine Unterspülung an der Thundorfer Straße und am Marc-Aurel-Ufer.

Bäume sind „nicht standortgerecht“

Die Familien Fehle und Renner bestreiten die Einsturzgefahr der 1922 errichteten Mauer. Die sei schon immer so schief. Sie legten Widerspruch ein. Die Parteien wurden einzeln geladen. Der Ton im Amt wird als kompromisslos geschildert. Man sprach abschätzig von Schrebergärten. Den Familien Fehle und Renner wurde angekündigt, nach dem 1. Januar werde man die Brücken wegflexen, damit kein Zugang zu der Insel und den Gärten besteht. Danach werde die Insel bis zur Quadermauer des Mühlkanals komplett abgetragen. Bei Familie Gareis auf Hausnummer 2 am Spitz bleibe das Mühlrad. Es stehe wie die Quadermauer unter Denkmalschutz.

Blick vom Marc-Aurel-Ufer Foto: altrofoto.de
Blick vom Marc-Aurel-Ufer Foto: altrofoto.de

Inzwischen ist das Amt etwas milder im Ton und zurückgerudert. Stellvertretender WSA-Chef, Baudirektor Paul Marcus Schäfer, sagte auf Anfrage: „Die Insel wird nicht weggebaggert. Ihr Niveau wird nur abgetragen. Masse und Höhe werden reduziert, um Druck von der Mauer zu nehmen. An die Sandbank bei der Eisernen Brücke gehen wir gar nicht ran.“ Bepflanzung und Bebauung müssten aber weichen. „Die Bäume sind nicht standortgerecht.“ Schäfer räumt ein, das schaue kurzfristig wie Kahlschlag aus. „Langfristig wird es wieder grün.“ Ob die Eisenstege zu den Häusern weg müssten und das Nutzungsverbot bestehen bleibe, werde gerade juristisch geklärt.

Die Planungen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Regensburg zur Gareis-Insel beschäftigen auch die Stadt. Die Bürgermeisterin zeigte zwar Verständnis für die Notwendigkeit einer Sanierung der Gareis-Insel, jedoch müsse dieses „einzigartige Regensburger Kleinod“ erhalten werden. Die Stadt hat das Landesamt für Denkmalpflege über den Fall informiert.

Die Stadt vermittelt im Streit

Der Mühlkanal mit der angeblich einsturzgefährdeten Mauer. Foto: altrofoto.de
Der Mühlkanal mit der angeblich einsturzgefährdeten Mauer. Foto: altrofoto.de

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat das WSA schriftlich darauf hingewiesen, dass die Gareis-Insel mit ihrem ehemaligen Mühlenkanal und Mühlenrad stadtbildprägend und zudem Teil des denkmalgeschützten Ensembles „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ ist, das wiederum von der UNESCO in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wurde. Die Bürgermeisterin hat das WSA zudem darauf hingewiesen, „dass sich die Bundesrepublik im Zuge der Welterbe-Bewerbung Regensburgs dazu verpflichtet hat, die in Bundeseigentum liegenden Welterbestätten in ihrem Bestand und ihrer Wertigkeit zu erhalten und die Weitergabe an künftige Generationen sicherzustellen“.

Christa Renner bangt um ihren Garten.  Foto: altrofoto.de
Christa Renner bangt um ihren Garten. Foto: altrofoto.de

In dieser Woche bekräftigte die Bürgermeisterin in einer Fachrunde mit dem WSA ihre Haltung. Maltz-Schwarzfischer machte deutlich, dass die Gareis-Insel nach einer denkmalgerechten Sanierung wieder für eine – später noch näher zu bestimmende – Nutzung zur Verfügung stehen solle. Die Bürgermeisterin wird das WSA in absehbarer Zeit zu einem weiteren Treffen bitten. Bis dahin, bestätigt Paul Marcus Schäfer, will das WSA prüfen, wie eine Sanierung der Insel aussehen kann, bei der möglichst alle Interessen Berücksichtigung finden – auch die Interessen der Anwohner. „Wir wollen, dass was Gutes dabei herauskommt.“ Zum Zeitrahmen der Maßnahme sagte er: „Nächstes Jahr wird nichts kommen.“ Man werde die Sanierung parallel zu den Hochwasserschutzmaßnahmen in diesem Bereich angehen.

Weitere Nachrichten und Berichte aus Regensburg lesen Sie hier.

Regensburger Mühlviertel

  • Das Ensemble:

    Das Ensemble am Nordufer gibt einen Eindruck von der Zeit, als an beiden Wöhrden und auf den Beschlächten der Steinernen Brücke eine Anzahl von Mühlen betrieben wurden.

  • Die Mühlen:

    So befinden bzw. befanden sich in der Wöhrdstraße die ehemalige Obere und Untere Mühle (Haus Nr. 2 und 6) und die ehemalige Lederermühle (Nr. 10), die davor bereits als reichsstädtische Gewürzmühle gedient hatte.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht