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Regensburg

Die Nibelungen-Kaserne fällt

Im Südosten, wo einst Soldaten exerzierten, entsteht ein völlig neuer Stadtteil. Unter anderem wird hier bis 2015 auch die FOS/BOS errichtet.
von hans scherrer, mz

  • Das ehemalige Verwaltungsgebäude muss nun dem Neubau der FOS/BOS weichen. Fotos: Scherrer
  • Probebohrung in 37 Meter Tiefe: Hier soll Erdwärme für die FOS/BOS gewonnen werden.

regensburg.Sie ist über 70 Jahre alt – doch jetzt fällt sie Bagger und Spitzhacke zum Opfer: Spätestens bis Sommer 2014 wird – wenn alles nach Plan läuft – die Nibelungenkaserne im Stadtsüden dem Erdboden gleichgemacht sein. „Und bis jetzt liegen wir wunderbar im Plan“, sagt Baudirektor Martin Schönberger vom städtischen Hochbauamt.

Sowohl er wie auch Projektleiter Josef Bösl und Peter Majcher vom Abbruchunternehmen Reithelshöfer aus Roth gehen mit der MZ über das rund 40 Hektar große Areal, das die Stadt vom Bund erworben hat. Hier sollen ein Technologiepark entstehen sowie die FOS/BOS und nicht zuletzt Wohnbauflächen für 700 Wohneinheiten plus 200 Studentenwohnungen. Oder, wie Oberbürgermeister Hans Schaidinger sagt, „ein neuer Stadtteil mit vielfältiger Nutzung, der auch für die Nachbarschaft neue Perspektiven bieten wird.“

Spezialfirma entfernt Schadstoffe

Bis es soweit ist, dauert es noch eine Weile. So müssen zirka 50 Gebäude abgebrochen werden. Und auch die Beseitigung von Altlasten und von Kriegsaltlasten ist ein mühseliges Unterfangen. Da lauern nicht nur Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Erdreich, als die Kaserne Feindangriffen aus der Luft ausgesetzt war. Insgesamt sind auf dem Gelände 18 Stellen markiert, an denen noch gefährliche Kriegsüberbleibsel lagern könnten. „Und es gibt auch jede Menge von Schadstoffen aus der Zeit nach dem Krieg, als die Amerikaner die Kaserne 20 Jahre lang genutzt haben“, erzählt Bösl und nennt als Beispiel die vielen Desinfizierungsaktionen der Soldatenunterkünfte, bei denen das Schädlingsbekämpfungsmittel DDT eingesetzt wurde.

Fachleute sprechen von „strippen“ und meinen damit das Trennen der unterschiedlichen Schadstoffe, die derzeit in Fraktionen getrennt in einer Halle gelagert sind und einzeln entsorgt werden müssen. Dabei handelt es sich um Dämmmaterialien, kontaminiertes Holz, Fräsmaterial ect. Erst wenn diese Stoffe aus den Gebäuden entfernt sind, kann mit deren Abbruch begonnen werden, erklärt Peter Majcher von der Firma Reithelshöfer. „Dieses Unternehmen ist auf Abbruch und Entsorgung spezialisiert“, sagt Schönberger und bei dieser Größenordnung habe man den Auftrag europaweit ausschreiben müssen.

Insgesamt werden sich die Kosten für die Abbrucharbeiten auf 3,6 Millionen Euro belaufen, „wenn alles gut geht“, schränkt Bösl ein. Und ohne Staub- und Lärmbelästigung wird es nicht abgehen. Denn es werden nicht nur rund 50 Gebäude und Objekte entfernt, sondern es müssen auch zirka 120.000 Quadratmeter an vorhandenen Straßen, Wegen und Plätzen entsiegelt und nach Maßgabe des Bebauungsplans neu errichtet werden. Dabei wird bei Bedarf brauchbares Rückbaumaterial recycelt und wiederverwendet.

Damit der Lärm, der durch Abbrucharbeiten, Erdbewegungen und durch den Abtransport des Bauschutts entsteht, so gering wie möglich ausfällt, wird der Baustellenverkehr über die Zufahrt Galgenbergstraße geregelt und nur werktags zwischen 6 und 20 Uhr stattfinden.

Umweltbelange berücksichtigt

Ein wichtiges Anliegen des städtebaulichen Konzepts war es auch, den wertvollen Baumbestand und die Grünzüge weitgehend zu erhalten und alle Umweltbelange zu berücksichtigen. Selbst der Bestand an Fledermäusen und die artenreiche Vogelwelt sollen durch Umsiedlungsmaßnahmen und das Schaffen von Brut- und Nistplätzen gesichert werden. Und auch die Erdwärme will man sich zunutze machen und damit die FOS/BOS beheizen. Durchgeführte Probebohrungen waren erfolgreich.

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