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Die Regensburger Oscars gehen an...

In der Nacht auf Montag werden die begehrten „Goldjungen“ verliehen. Wir fragten die lokalen Kinochefs nach ihren Tipps.
Von Sebastian Böhm, MZ

In 24 Kategorien werden die begehrten Academy Awards verliehen. Wir haben die Regensburger Kinobetreiber nach ihren Gewinner-Tipps in den drei großen Kategorien gefragt. Foto: dpa
In 24 Kategorien werden die begehrten Academy Awards verliehen. Wir haben die Regensburger Kinobetreiber nach ihren Gewinner-Tipps in den drei großen Kategorien gefragt. Foto: dpa

Regensburg.Wer gewinnt einen Oscar? Wer geht leer aus? Beendet Leonardo DiCaprio endlich seinen persönlichen Fluch bei den Academy Awards? Fragen über Fragen – die Regensburger Kinobetreiber geben Euch nun die Antworten. Wir haben sie um ihre Gewinner-Tipps in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Beste Hauptdarstellerin“ gebeten.

Achim Hofbauer (Garbo Kino):

Ob Leonardo DiCaprio gewinnt oder nicht, ist für Achim Hofbauer keine offene Frage: „Das ist Leonardos Paraderolle,“ sagt der Betreiber des Kinos „Garbo“. „Wer Leonardo den Oscar nicht gönnt, hat den Film nicht gesehen“, erklärt er. Der amerikanische Schauspielstar gilt mit seiner Hauptrolle im Western-Thriller „The Revenant“ als der große Favorit in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“. Bereits 1993 sah er den damals noch unbekannten DiCaprio im Regensburger Ostentor Kino in „The Boy‘s Life“. „Ich sagte damals zu meinem Vater: ’Ich habe selten so eine tolle schauspielerische Leistung gesehen. Der kommt bestimmt mal ganz groß raus‘“, erklärt er. Jetzt ist Leonardo DiCaprio sein Lieblingsschauspieler und in der obersten Darsteller-Riege angekommen. Ein Oscar fehlt dem viel ausgezeichneten Schauspieler aber noch in seiner Trophäen-Sammlung. Fünf Mal war er bereits für einen Oscar nominiert, konnte den „Goldjungen“ aber nie gewinnen. Beim sechsten Anlauf soll es nun endlich klappen. „The Revenant“ selbst sei laut Hofbauer der beste Streifen der letzten Jahre und natürlich sein absoluter Gewinner-Tipp in der Kategorie „Bester Film“. Umso offener sei dagegen das Rennen um den Titel „Beste Hauptdarstellerin“, findet der Chef des „Garb0“. Hier gönnt es Achim Hofbauer Cate Blanchett mit ihrer Rolle im Streifen „Carol“ am meisten.

Doris Lerchl-Goldermann (Reginakino):

Speziellere Probleme mit den Oscars hat Doris Lerchl-Goldermann. Die Regensburgerin stört ein nominierter Film in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Die Chefin des Reginakinos fragt ganz offen: „Gibt es eine dänische Lobby in Hollywood?“ Fakt ist: In den letzten vier Jahren waren drei Filme aus dem nordeuropäischen Land in dieser Kategorie nominiert. Aktuell hat der Kriegsfilm „A War“ die Chance auf einen „Goldjungen“. „Es lässt sich nicht erschließen, warum es dieser Film in die Endauswahl geschafft hat“, wundert sich Lerchl-Goldermann. Der deutsche Beitrag hätte es viel mehr verdient, erklärt sie. Das Drama „Im Labyrinth des Schweigens“ schaffte es dagegen nur unter die letzten Neun. Die Reginachefin war Mitglied der Jury, die den deutschen Kandidaten für den Auslands-Oscar ins Rennen schickte. In der Sparte der „besten Filme“ ist für Lerchl-Goldermann dagegen alles klar: „The Revenant wird der große Abräumer.“ Leonardo DiCaprio würde sie den Sieg bei den Männern genauso wünschen wie Eddie Redmayne. Letzterer könnte sogar zum zweiten Mal hintereinander in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ siegen. Im Damenwettbewerb hat auch sie keine klare Favoritin: „Alle Welt schaut zwar auf Jennifer Lawrence, ich wünsche aber entweder Saoirse Ronan oder Brie Larson den Sieg.“

„The Revenant“ ist der große Oscar-Favorit in diesem Jahr:

Richard Kattan (Filmgalerie im Leeren Beutel):

Kritisch steht Richard Kattan, erster Vorsitzender des Arbeitskreis Film in Regensburg, den Academy Awards gegenüber. Der Betreiber der „Filmgalerie im Leeren Beutel“ hat vor allem mit den Auswahlkriterien der Jury Probleme. „Es ist eine typisch weiß-amerikanische Veranstaltung. Farbige Schauspieler und Latinos haben hier nur wenige Chancen. Die Jury ist außerdem viel zu alt“, findet er. Zum zweiten Mal in Folge wurde kein Afroamerikaner in den vier Schauspielkategorien nominiert. Rund 6000 Wahlberechtigte stimmen darüber ab, wer bei den Oscars das Rennen macht. 94 Prozent der Stimmberechtigten seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren, ermittelte die „Los Angeles Times“ im Jahr 2012. Der eher mainstreamige Oscar passe nicht zu der Philosophie der „Filmgalerie im Leeren Beutel“, sagt Kattan und erklärt: „Ich will den kleinen Filmen eine Chance geben.“ Von den nominierten Streifen in der Kategorie „Bester Film“ zeigte er in seinem eigenen Kino keinen. „Bei den Männern wird wohl DiCaprio gewinnen, gönnen würde ich es aber am meisten Michael Fassbender“, sagt Kattan. Er hätte nur wegen ihm den Film „Steve Jobs“ gespielt. „Ich wollte zeigen, was für ein guter Schauspieler Michael Fassbender ist“, erklärt er. Bei den Frauen ist Charlotte Rampling seine Favoritin.

Die Stars streben nicht nur nach den Oscars:

Auszeichnungen jenseits des Oscars

Daniela Krauß (CinemaxX):

Auch Daniela Krauß haben wir um ihre Tipps in den drei Kategorien „Bester Film“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Beste Hauptdarstellerin“ gebeten. Die Chefin des Regensburger „CinemaxX“ pflichtet ihren Kollegen zumindest bei, was die Spannung im Damenwettbewerb betrifft: „Es ist hier schon sehr ausgewogen.“ Ihre Favoritin in dieser Sparte ist Saoirse Ronan für deren Darstellung einer jungen irischen Immigrantin im Film „Brooklyn“. Ihr persönlicher Liebling bei den nominierten Filmen sei „The Big Short“ – ein Streifen, der von den Anfängen der großen US-Finanzkrise im Jahr 2008 erzählt. „The Revenant wird aber wahrscheinlich das Rennen machen“, sagt sie. Bei den Männern gönnt auch sie Leonardo DiCaprio den Triumph. „Er hat es jetzt einfach mal verdient“, erklärt Krauß. „Ich finde aber auch nicht alles an den Oscars toll“, sagt sie. Natürlich sei dieses Event schon fernab jeglicher Realität. Die Geldsummen, die dort rund um die Preisverleihung fließen, seien schon gigantisch. Für sie sei die Preisverleihung am Anfang eines jeden Filmjahres aber trotzdem eine absolute Pflichtveranstaltung. Schon allein, weil sie direkte Auswirkungen auf ihren beruflichen Alltag haben kann: „Die Besucherzahlen können sich bei einem nominierten oder ausgezeichneten Film schon noch einmal erhöhen“, sagt sie.

Alle Geschichten, Bilder und Videos rund um die Verleihung in Los Angeles finden Sie hier.

Medard Kammermeier (Kinos im Andreasstadel):

Regensburger Kino und die Oscars, das passt zumindest bei Medard Kammermeier nicht zusammen. „Ich kann den Oscars nichts abgewinnen. Sie interessieren mich einfach nicht“, sagt er. Kammermeier ist der Betreiber der „Kinos im Andreasstadel“ und Geschäftsführer des „Ostentor Kinos“. Der Wintergarten ist das kleinste Programmkino in Regensburg. Große Mainstream-Streifen und Blockbuster sucht man hier zumeist vergebens. „Ich habe fast keine amerikanischen Filme im Angebot“, erklärt er. Medard Kammermeier lege eher auf europäische und deutsche Filme wert. Er betont: „Das sind meine Spezialgebiete.“ Ihn würden nur die Inhalte bei den Filmen interessieren. An die Strahlkraft, die eine große Preisverleihung wie die Oscars besitzt, glaubt er nicht. So hätte er einmal den Versuch gewagt, den deutschen Film „Zeit der Kannibalen“ ein halbes Jahr nach Kinostart noch einmal prominent mit seinen vielen Auszeichnungen zu bewerben. „Die Menschen hat das nicht interessiert. Es sind trotzdem nur wenige Besucher gekommen“, erklärt Kammermeier. Der Regensburger Kinobetreiber betont: „Ich muss erst einmal schauen, dass ich überhaupt an Filme komme.“ Amerikanische Stars wie Leonardo DiCaprio spielen bei ihm keine große Rolle. Zu den aktuellen Oscar-Nominierten kann und will er deswegen auch nichts sagen.

Weitere aktuelle News aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Nominierten für die Kategorie „Bester Film“:

The Big Short

Bridge of Spies – Der Unterhändler

Brooklyn

Mad Max: Fury Road

Der Marsianer

Raum

The Revenant

Spotlight

Die Nominierten für die Kategorie „Bester Hauptdarsteller“:

Bryan Cranston (Trumbo)

Matt Damon (Der Marsianer)

Leonardo DiCaprio (The Revenant)

Michael Fassbender (Steve Jobs)

Eddie Redmayne (The Danish Girl)

Die Nominierten für die Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“:

Cate Blanchett (Carol)

Brie Larson (Raum)

Jennifer Lawrence (Joy)

Charlotte Rampling (45 Years)

Saoirse Ronan (Brooklyn)

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