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Soziales

Die Regensburger Tafel schlägt Alarm

2000 Menschen holen Lebensmittel bei der sozialen Anlaufstelle. Die aber muss zusperren, wenn sie keine neuen Räume findet.
Von Marion Koller

Jung und Alt holen bei der Tafel ihre Lebensmittel. Foto: altrofoto.de
Jung und Alt holen bei der Tafel ihre Lebensmittel. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Wenn die Regensburger Tafel aufsperrt, stehen die Bedürftigen mit Taschen und Beuteln Schlange. Die Zahl der Armen, die im Stadtosten ihr Essen holen, wächst. Gegenwärtig sind 2000 Menschen auf die soziale Anlaufstelle angewiesen. Mehr als die Hälfte, vor allem ältere Frauen, kommen mit ihrer geringen Rente nicht über die Runden.

Die Halle braucht eine Heizung

Doch die Tafel steht selbst mit dem Rücken zur Wand: Im August 2020 müssen die Ehrenamtlichen die 500 Quadratmeter in der Liebigstraße räumen, denn der Erbpachtvertrag für das Gelände läuft aus. Weitergehen kann es wohl nur an einem neuen Standort.. Weitergehen kann es wohl nur an einem neuen Standort. „Wir hängen in der Luft“, sagt Gerhard Fischer, der zweite Vorsitzende.

Viele wirtschaftlich Schwächere holen sich ihre Grundnahrungsmittel in der Liebigstraße. Foto: altrofoto.de
Viele wirtschaftlich Schwächere holen sich ihre Grundnahrungsmittel in der Liebigstraße. Foto: altrofoto.de

Die Stadt Regensburg hat zwar Unterstützung zugesagt und auch Makler sind bereits eingeschaltet worden – doch bisher ohne Ergebnis.

„Hallen werden uns immer wieder angeboten“, sagt Fischer. Doch bisher sei keine Geeignete dabei gewesen. Manche Hausbesitzer wollten die Tafel auch „schlicht und einfach nicht haben“.

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Weil die soziale Organisation Lebensmittel von Supermärkten aus ganz Ostbayern verteilt, benötigt sie rund 700 Quadratmeter. Der Standort muss heizbar sein, eine Lkw-Zufahrt besitzen. In der Nähe sollte eine Bushaltestelle für die Kunden liegen. Die Vorsitzenden Christine Gansbühler und Gerhard Fischer wollen die Öffentlichkeit wachrütteln. Deshalb veranstalten sie am Samstag, 30. November, einen Tag der offenen Tür, haben an die Stadträte appelliert und planen einen Runden Tisch mit Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Harte Arbeit: Tafelfahrer laden die Kisten mit Lebensmitteln aus. Foto: Gerhard Fischer
Harte Arbeit: Tafelfahrer laden die Kisten mit Lebensmitteln aus. Foto: Gerhard Fischer

„Die Tafel hat sich inzwischen zu einem ehrenamtlich betriebenen mittelständischen Betrieb mit über 100 Helfern entwickelt“, sagt Fischer. Sie arbeiten jede Woche 600 Stunden. Die Zahl der bedürftigen Rentner werde noch steigen, weil in den kommenden Jahren die Generation der Babybommer in den Ruhestand wechselt. Die Tafel trage auch erheblich zum Umweltschutz bei, weil sie Lebensmittel rette und damit Ressourcen schone.

Verein strebt ein Sozialzentrum in der Stadt an

Fischer und sein Team würden am liebsten ein Sozialzentrum in Stadt oder Landkreis eröffnen – und zwar zusammen mit dem Obdachlosenverein „Strohhalm“, der auf engem Raum in der Altstadt Mittagessen ausgibt und Second-Hand-Kleidung anbietet. „Der Boomtown würde das gut zu Gesicht stehen“, meint der zweite Vorsitzende.

Von der Stadt erhalte die soziale Anlaufstelle nur eine geringe finanzielle Unterstützung. Mehr Geld wäre willkommen. „In anderen Kommunen wird mehr getan als bei uns“, sagt Fischer. „Obwohl wir eine reiche Stadt sind.“ Das kleine Gauting bei München habe seiner Tafel „ein neues Gebäude hingestellt“. An einem gemeinsamen Standort könnten Tafel und „Strohhalm“ Synergien nutzen und in einem zweckmäßigen Umfeld ihr soziales Engagement bündeln.

Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel teilte am Mittwoch auf MZ-Anfrage mit, die Stadt unterstütze bei der Suche nach einer Lösung und spreche potenzielle Vermieter an.

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An fünf Tagen im Einsatz

  • Einblick:

  • Einen Tag der offenen Tür veranstaltet die Tafel Regensburg am Samstag, 30. November, von 10 bis 14 Uhr. Der Ort: Liebigstraße 4b

  • Öffnungszeiten:

  • Am Montag, Mittwoch und Freitag werden in der Liebigstraße Lebensmittel an Menschen mit Berechtigungsschein aussgegeben. Die Waren stehen kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum oder wurden aus anderen Gründen von den Märkten aussortiert, sind aber immer völlig in Ordnung. Am Dienstag liefert die Tafel an Frauenhäuser und andere Einrichtungen aus, am Donnerstag werden Lebensmittel in Neutraubling ausgegeben.

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