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Die SPD-Frau siegt knapp

Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist neue OB. Nicht einmal 1000 Stimmen trennen sie von CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein.
Von Marianne Sperb

„Wir haben keine leichte Zeit vor uns“, sagt Regensburgs neue OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer mit Blick auf Corona-Krise. Foto: Baumgarten
„Wir haben keine leichte Zeit vor uns“, sagt Regensburgs neue OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer mit Blick auf Corona-Krise. Foto: Baumgarten

Regensburg.Regensburgs Oberbürgermeisterin heißt Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Die SPD-Frau siegte mit hauchdünnem Vorsprung von weniger als 1000 Stimmen vor Dr. Astrid Freudenstein (CSU). „Das Ergebnis ist knapp, aber eindeutig“, betonte die Gewinnerin. Sie zeigte sich „sehr erleichtert“. „Ich freue mich unglaublich“, sagte sie in die vielen Mikrofone beim kurzen Medien-Meeting im Bürgerzentrums, und: „Ich verspreche, dass ich mein Bestes geben werde, damit Regensburg gut in die Zukunft kommt.“

Die Verwaltung machte es spannend. Als mit Abstand letzte Kommune in Bayern verkündete sie den Ausgang der Stichwahl am Dienstag um 15.22 Uhr per Mail. „Ich war sehr enttäuscht, dass wir die Auszählung am Montag nicht schafften“, bekannte Maltz-Schwarzfischer. „Es war auch für mich ein unglaublicher Nervenkitzel den ganzen Tag über, bis das Ergebnis kam.“ Beinahe zeitgleich zu dem Anruf, bei dem sie von ihrem Sieg unterrichtet wurde, kommunizierte die Mittelbayerische das Ergebnis bereits online, unter Vorbehalt – und bei der Gewinnerin hörte das Telefon nicht auf zu klingeln.

Die OB-Wahl in Regensburg ist entschieden

Fake-News auf Wikipedia

Details zum OB-Duell nannte Wahlleiter Dr. Walter Boeckh: 64 205 der 115424 Berechtigten wählten, 63 996 Stimmen waren gültig. Das Ergebnis muss der Wahlausschuss am 7. April noch bestätigen. 32 471 Bürger wollten Maltz-Schwarzfischer als OB sehen, 31 525 wünschten sich Freudenstein. Das Internet-Lexikon Wikipedia hatte die CSU-Stadträtin und MdB, im ersten Wahlgang mit 29,5 Prozent die Stimmenkönigin, am Nachmittag bereits als neue OB bezeichnet – Fake-News, die bald wieder gelöscht waren. Freudenstein fehlte beim Medientreff im Bürgerzentrum. Sie verzichtete auf das Gratulationsfoto – möglicherweise vor dem Hintergrund von Überlegungen in der CSU, das Wahlergebnis anzufechten, wie am Dienstag spekuliert wurde. Per Mail teilte sie mit: „Wir haben für und um Regensburg gekämpft. Leider hat es in der Stichwahl nicht ganz gereicht. Wir werden uns als CSU weiterhin positiv einbringen, wenn es um die Zukunft unserer Stadt geht!“, versprach sie. Es gehe jetzt darum, den Menschen in Regensburg auch in schwierigen Zeiten soziale und wirtschaftliche Sicherheit zu geben. „Ich bin sicher“, so Freudenstein, „dass Frau Maltz-Schwarzfischer alles geben wird, um Regensburg in eine gute Zukunft zu führen.“

Kommentar

Die Vertraute in gefährlichen Zeiten

In unsicheren Zeiten baut der Bürger auf vertraute Kräfte. Ein Kommentar zur Wahl von Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Die SPD-Kandidatin, langjährige Bürgermeisterin, ging mit üppigen Empfehlungen, etwa von Brücke und Grünen, in den Endspurt, konnte aber nur einen mageren Teil dieser Stimmen für sich buchen. „Ich hatte immer befürchtet, die Wahl würde knapp ausgehen“, sagte sie: wegen der schlechten Quote und nur sechs Sitzen, die ihre Partei geholt hatte, andererseits wegen der großen Unterstützung, die Freudenstein aus München und von Markus Söder erhalten habe, und drittens, weil in wirtschaftlich unsicheren Zeit der Fokus stärker auf Wirtschaftsfragen liege.

Was am Ende das kleine, entscheidende Plus an Stimmen brachte? „Ich denke und hoffe, dass die Wähler auch sehen, was in drei Jahren geleistet wurde.“ Die Stadt sei stabil gehalten und in der Verwaltung sei gut gearbeitet worden, betonte die OB.

Reaktionen

Keine große Überraschung

Weggefährten und mögliche Partner freuen sich über den Wahlausgang. Die Vorbereitungen auf Gespräche laufen bereits.

„Wir haben keine leichte Zeit vor uns. Wir müssen viel bewältigen“, sagte Maltz-Schwarzfischer mit Blick auf Corona-Virus und wirtschaftliche Folgen, Themen, die die Bürger am stärkten umtreiben. Ihr sei bewusst, meinte sie auf Nachfrage der Mittelbayerischen, dass es in ihrem Profil in Sachen wirtschaftliche Kompetenz „mit Sicherheit Luft nach oben gibt, wenn man es von außen betrachtet“. Tatsächlich aber habe sie intensiven Kontakt zu Unternehmen. „Wir werden auf wirtschaftlichem Gebiet erfolgreich arbeiten.“

Die OB setzt darauf, dass ihr im Stadtrat eine stabile Koalition gelingt. „Das wird meine Aufgabe – und die der Parteien.“ Bündnisse seien mit allen außer der AfD möglich. Sie freue sich, dass bald wieder drei statt zwei Bürgermeister für Regensburg arbeiten. An Spekulationen über denkbare Bürgermeister-Namen wollte sie sich nicht beteiligen. Ihre erste Aufgabe werde es nun sein, mit Partei-Vertretern Gespräche zu führen und Koalitionsmöglichkeiten auszuloten.

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Abstimmung

Das Warten geht an die Nerven

Das Ergebnis der Stichwahl um den OB-Sessel wird erst am Dienstag bekanntgegeben. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.

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