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Die todesmutigen Brückenspringer

Mit der Sonne kehren die Adrenalin-Junkies zurück. Polizei und Rettungsdienste sprechen von lebensgefährlicher Action.
Von Wolfgang Ziegler

Am Grieser Steg ist der Grund mit Steinen übersät – es besteht höchste Gefahr. Foto: MZ-Archiv
Am Grieser Steg ist der Grund mit Steinen übersät – es besteht höchste Gefahr. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Denn sie wissen nicht, was sie tun... Seit die Sonne wieder ins Freie lockt, begeben sie sich wieder reihenweise in Lebensgefahr: die Regensburger Brückenspringer, denen offenbar nichts zu hoch oder zu tief, nichts zu gefährlich oder zu riskant ist. Am vergangenen Wochenende waren sie verstärkt unterwegs – auf der Steinernen Brücke und auf dem Grieser Steg. Diesmal ging alles gut, es gab weder Verletzte noch gar Tote. Dennoch sagt Max Naumann, Einsatzleiter bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): „Wer von Brücken in die Donau springt, bringt sich in absolute Lebensgefahr.“

Die Gründe dafür sind nach Naumanns Worten vielfältig: „Man sieht nicht, was im Wasser treibt. Man weiß nicht, wie tief das Wasser gerade ist. Auch unter Wasser kann sich Treibgut befinden. Die Brückenpfeiler sind begründet und stehen auf betonierten Fundamenten, an denen man sich Verletzungen zuziehen kann. Und nicht zuletzt ist es verboten.“

„Wer von Brücken in die Donau springt, bringt sich in absolute Lebensgefahr.“

Max Naumann, Einsatzleiter bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG)

An der Steinernen Brücke kämen nach Naumanns Worten auch noch die Strudel dazu. Diese Verwirbelungen bildeten sich aufgrund der Brückenpfeiler. Da das Wasser zwischen den Pfeilern sehr schnell hindurchfließe, käme es zu diesen Kehrwassern, die Schwimmern generell gefährlich werden und diese in die Tiefe ziehen könnten.

Die Gefahr lauert unter Wasser

Sein Kollege von der Wasserwacht, der Regensburger Kreiseinsatzleiter Horst Happach, sieht das sehr ähnlich: „Wer kein geübter Schwimmer ist, wird in den Strudeln ganz schnell nach unten gezogen“, sagte er gegenüber unserem Medienhaus. Um sich zu retten, müsse man auf den Grund tauchen und schauen, wo man außerhalb der Strudel am günstigsten wieder nach oben kommen könne. Ob das gelinge, sei aber keineswegs sicher. Ein weiteres Risiko bestehe nach Happachs Worten beim Springen oder Schwimmen in der Donau durch die Personenschifffahrt und die Sportboote. Die Schiffsführer würden Personen im Wasser nicht oder erst sehr spät sehen. Ebenfalls eine zusätzliche Gefahr: „Durch die Strömung an der Steinernen Brücke wird man schnell in Richtung Museumsschiff abgetrieben. Wenn man da rein kommt, wird’s schwierig.“

Die Brückenspringer stellen von ihren Aktionen selbst Videos auf Youtube:

Eine noch größere Gefahr besteht laut Happach am Grieser Steg. Denn während die Donau an der Steinernen Brücke bis zu fünf Meter tief ist, ist sie an der Fußgängerbrücke hinüber nach Stadtamhof deutlich flacher. Und der Flussgrund ist mit Steinen übersät. Hier wie dort sind das Springen und auch das Baden generell verboten, da die Donau als Bundeswasserstraße eingestuft ist. Das Betreten von Bundeswasserstraßen ist laut Gesetz nur im Uferbereich erlaubt, aber das auch nicht bei Brücken oder Wehren, weiß Happach. Wenngleich dies nicht auf die Naab zutreffe, wo die Fußgängerbrücke in Mariaort ein beliebter Treffpunkt von Springern ist, so gelte das Verbot auch dort, weil es grundsätzlich nicht erlaubt sei von Brücken zu springen, so der erfahrene Wasserwachtler. Außerdem wisse man auch bei der Naab nicht, was am Grund liege. Nicht selten würden dort Fahrräder gefunden – und wenn man springt, könne man sich beispielsweise schnell am Lenker verletzen.

Eine Ordnungswidrigkeit

Wenn wirklich etwas passiert sind sowohl DLRG als auch Wasserwacht schnell vor Ort. Innerhalb von zehn Minuten sind Helfer beider Organisationen mit ihren Rettungsbooten im Wasser. DLRG und Wasserwacht haben 365 Tage im Jahr schnelle Einsatzgruppen in Bereitschaft und arbeiten bei der Wasserrettung grundsätzlich zusammen. „Da gibt es keine Konkurrenz“, sagt Naumann.

Der Regensburger Polizei ist das Phänomen Brückenspringen nicht unbekannt. „Das kommt in den Sommermonaten regelmäßig vor und wird immer häufiger registriert“, sagte Ludwig Beck, Polizeihauptkommissar bei der Polizeiinspektion Nord, zur Mittelbayerischen. Meist handle es sich um „jugendlichen Leichtsinn. Die überlegen nicht, was sie tun“. Laut Wasserschutzpolizei ist das Brückenspringen bußgeldbewehrt. Es handle sich um eine Ordnungswidrigkeit, die von der Polizei festgestellt und von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung geahndet werde.

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