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„Diese Garage wird mein Tod“

„47 Bäume müssen sterben“: Todesanzeige in der Allee Foto: Wanner

Wenn die Pläne für das 110-Zimmer-Nobelhotel im Schloss verwirklicht werden, wie vom Planungsausschuss abgesegnet, wird Hermann Rau künftig vom Schlafzimmer im „Prinzengarten“ auf die Rampe einer Parkgarage schauen. Und sein Garten und 47 Bäume in der Allee sind weg. Der ehemalige Leiter des T&T-Schlossbau-Büros ist entsetzt. „Diese Garage fürs Schlosshotel wird mein Tod.“

Es geht auf November zu. Und am Eck Albertstraße/Margaretenstraße, am Eingang zur Anselm-Allee, tragen die alten Bäume Trauer in Form von Todesanzeigen. „47 Bäume müssen sterben“, steht auf den laminierten Plakaten. Und ein schwarzes Kreuz unterstreicht den Protest.

50 Meter weiter nördlich hat ein alter Mann am Ende seines Lebens großen Kummer. Aber er plakatiert nicht, obwohl er Grund dazu hätte. Das Hotel im Schloss ist nicht nur die Geschichte von 47 geopferten Bäumen, es ist aus der Sicht des ehemals obersten Schlossbaumeisters Rau (91) auch die Geschichte eines gebrochenen Versprechens.

„Fürst Johannes hatte mir damals sein Wort gegeben, dass ich das Anwesen Albertstraße 1 samt Garten in der Allee bis an mein Lebensende nutzen darf. Er sagte, Sie haben so viel für mich getan, nun bin ich froh auch einmal was für Sie tun zu dürfen“, erinnert sich Hermann Rau an die Worte des Fürsten.

Der mehrfache Almanach- und Buchautor Rau weiß freilich, dass ihm dieses mündliche Versprechen nicht viel helfen wird. „Ich bin überzeugt, dass die Gloria gar nicht weiß, wo ich wohne“, sagt der pensionierte Architekt. Rau hatte unter vier Fürsten gedient zu einer Zeit, als hier noch Hof gehalten wurde. Unter anderem hatte er die Teile des Schlosses saniert, die jetzt als Schlosshotel verwertet werden sollen. „Diese schönen stuckierten Decken, diese gotischen Hallen, das war eine meiner Arbeiten. Mühselig haben wir das gemacht, fein wie ein Zahnarzt arbeitet.“

Das Opfern der alten Fürsten-Herrlichkeit auf dem Altar des Kommerzes schmerzt ihn ebenso wie der Verlust der alten Bäume. Der alte Nussbaum im Garten wird fallen. Und die alten Linden. Die Tiefgaragen-Pläne machen ihm Angst und machen ihn wütend. Nach den Plänen werden die Bagger zwei Meter vor seinem Fenster in die Tiefe graben. „Die Garage geht direkt an meiner Westseite entlang.“ Übrigens sei dies keine Tiefgarage, sondern eine Garage in Halbgeschoss-Bauweise. „Ein Stockwerk liegt unter der Erde, das andere darüber.“

Die Genehmigung der Schlosshotel-Pläne durch die Stadt ist nicht unumstritten. Kritiker halten sich noch bedeckt und hoffen, dass die Umsetzung der Pläne an den horrenden Kosten scheitern wird. Die Rede ist von 50 Mio. Euro Investitionssumme. Die Baugenehmigung gilt erst einmal für vier Jahre.

Greipl verteidigt „Grünes Licht“

Die Tochter des betroffenen Baurats, Angela Rau, ist überzeugt: „Nur durch die Intransparenz, gezielte Terminansetzung (Ferienzeit) und informelle Zusammenarbeit war eine Genehmigung möglich.“Auf besonderes Unverständnis stößt die Tatsache, dass Generalkonservator Egon Greipl die Schlosshotelpläne öffentlich als „denkmalgerecht und sensibel“ bezeichnet hatte. Erst am 9. Oktober hatte Greipl in einem Vortrag im Runtingersaal sein Schlosshotel-Plazet auf Einladung von „ProRegensburg“ verteidigt. Er sagte: „Langfristig sichert das den Bestand der Gesamtanlage auch mit den musealen und nicht genutzten Bereichen. Mit der Teilnutzung als Hotel wird langfristig der Park vor weiteren, dem Denkmal abträglichen Überlegungen verschont bleiben.“ Schon macht in der Stadt der böse Spruch die Runde: „Der Greipl hat in den 60-er Jahren gefordert, öffnet den Fürstenpark. Jetzt hat er als Generalkonservator sein Ziel erreicht.“

Dr. Greipl sprach zum Thema „Was bedeutet Welterbe für die Stadtentwicklung in Regensburg“. Er bezeichnete die Hotel-Pläne im Schloss als die „vom Raumvolumen her größte Umnutzungsmaßnahme, welche seit dem Einzug der Fürsten von Thurn und Taxis und dem Ausbau zu einer Fürstenresidenz europäischen Zuschnitts nach dem Ende der Reichsabtei St. Emmeram hier erfolgt ist.“ Zum Fall des ehemaligen fürstlichen Baurats Rau äußerte er gestern am MZ-Telefon zwar Verständnis. „Aber die Interessen einer Privatperson dürfen nicht den Ausschlag geben“, gab er zu bedenken. Bei allem, was sich in der Welt verändere, gebe es immer Menschen, die negativ betroffen seien. „Das ist einfach so. Aber dass ein Hotel nicht ohne Stellplätze auskommt, muss auch klar sein.“

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