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Nachruf

Dieter von Schmädel ist verstorben

Der Medzinsoziologe war einer der ersten drei Grünen im Regensburger Stadtrat.Er starb kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Von Harald Raab

Der kürzlich verstorbene Prof. Dieter von Schmädel; die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1993.Foto: Stefan Effenhauser
Der kürzlich verstorbene Prof. Dieter von Schmädel; die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1993.Foto: Stefan Effenhauser

Regensburg.Seine Freunde und Weggefährten schätzten seinen kritisch-analytischen Geist, seinen trockenen Humor und sein gesellschaftliches, politisches und wissenschaftliches Engagement. Er war der Aufklärung verpflichtet. Sie war ihm ein immer noch zu erfüllendes Projekt. Prof. Dr. Dieter von Schmädel ist am 5. Januar in Garmisch gestorben. Am 16. Februar hätte er seinen 80. Geburtstag feiern können. Er wirkte als Medizinsoziologe an der Universität Regensburg und als Kommunalpolitiker der Grünen im Regensburger Stadtrat.

Trotz seines traditionsreichen Namens als Ritter und Edler kannte Dieter von Schmädel die Realitäten aller gesellschaftlichen Schichten. 1939 geboren, in Tirol und in Nürnberg aufgewachsen, gehört er zu der Kriegskinder-Generation, die von den Ängsten und Nöten dieser Zeit geprägt wurde.

Ein überzeugter Demokrat

Mit wachsendem Bewusstsein nahm er als Schüler und Student wahr, in welches Elend nationalistische Verblendung Deutschland geführt hat. Demokratie als einzige Chance für eine friedliche Entwicklung, für persönliche Freiheit und Streben nach individueller Entfaltung: diese Überzeugung wurde zur Basis seiner Verantwortung über den persönlichen Lebenskreis hinaus. Nichts von denen da oben zu erwarten, sich selbst für seine Belange, seine Rechte als Bürger aktiv einzusetzen, das machte ihn zum eigenverantwortlichen Staatsbürger.

Mit ihnen begann es 1984: Von diesen zehn Kandidaten kamen Reinhard Kellner (hinten, 2. v. li.), Dieter Schmädel (vorne, 2. v. li) und Hildegard Bösl (vorne, 2. v. re.) in den Stadtrat. Foto: Kellner ( Archiv)
Mit ihnen begann es 1984: Von diesen zehn Kandidaten kamen Reinhard Kellner (hinten, 2. v. li.), Dieter Schmädel (vorne, 2. v. li) und Hildegard Bösl (vorne, 2. v. re.) in den Stadtrat. Foto: Kellner ( Archiv)

Das Soziologiestudium war die logische Folge eines solchen Lebensentwurfs. 1978 bekam er von der jungen Universität Regensburg den Ruf als Professor und Leiter der Abteilung für Medizinsoziologie. Angehenden Medizinern soziales Bewusstsein, soziale Verantwortung nahezubringen war sein Anliegen als Hochschullehrer. In der Forschung ging es ihm neben der Arzt-Patienten-Beziehung unter anderem darum, auf Fehlentwicklungen auf dem boomenden Gesundheitsmarkt hinzuweisen. Schmädel war ein profunder Kenner der indischen Medizin-Tradition des Ayurveda und beobachtete mit Sorge den Missbrauch dieser ganzheitlichen Methode zur Prävention und Heilung.

Universitäten brauchen Erdung im regionalen Umfeld. In ihren Anfangsjahren war es für die Professorenschaft der Uni Regensburg selbstverständlich, sich gesellschaftlich und kommunalpolitisch zu engagieren. Selbst der erste Kanzler der Uni, Dietmar Eberth, nahm ein Stadtratsmandat wahr.

Glänzendes rednerisches Talent

Dieter von Schmädel gehörte zu der Truppe, die als „Öko-Fuzzis“ belächelt wurde. Die Aktivisten hatten sich vorgenommen, ihre Ideen von einem besseren Zusammenleben im mühsamen Kampf durch die Institutionen zur Geltung zu bringen. Er war unter den drei ersten Grünen, die 1984 in den Stadtrat eingezogen sind. Der Soziologieprofessor machte es den Parteigranden der SPD und auch der CSU nicht leicht. Als glänzender, scharfsinniger Debattenredner errang er auch Anerkennung und Respekt seiner Gegner. Einer wie Schmädel war kein Parteisoldat. Er legte sich auch mit den Grünen an, kritisierte Ideologisierung und persönliche Karriere-Interessen. 1992 verließ er Partei und Fraktion, behielt aber bis 1996 sein Stadtratsmandat.

Rückzug aufs Private war jedoch nicht sein Ding. Er hatte sich zwar auf dem Keilberg mit viel handwerklicher eigener Arbeit für seine Familie, Ehefrau und Tochter Judith, ein altes Siedlerhaus mit großzügigem Gartengrundstück zu einem Refugium ausgebaut. Hierhin luden er und seine 2010 verstorbene Frau Petra, Biologin und Malerin, gern Gäste ein, bewirteten sie vorzüglich und boten unvergessliche Stunden der Unterhaltung und lebhaft-geistreiche Gespräche. Als Kulturbürger alter Schule war er aber weiter in Initiativen tätig, die sich um die Entwicklung ihrer Stadt gekümmert haben.

Bürgerinnen und Bürger haben dem adeligen Bürger Dieter von Schmädel einiges zu verdanken. Er hat das heute selbstverständliche offene, diskussionsfreudige Klima Regensburgs wesentlich mit geprägt.

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