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Religion

Ditib wirbt für Akzeptanz der Moschee

Die türkisch-islamische Gemeinde stellt Interessierten ihre Pläne vor. Der Umgang mit kritischen Fragen fällt einigen schwer.
Von Curd Wunderlich

CSU-Stadträtin Bernadette Dechant (3. von rechts) informierte sich bei der Ditib-Gemeinde über den geplanten Moschee-Neubau. Foto: Wunderlich
CSU-Stadträtin Bernadette Dechant (3. von rechts) informierte sich bei der Ditib-Gemeinde über den geplanten Moschee-Neubau. Foto: Wunderlich

Regensburg.Eine türkische Flagge hängt an einer Wellblechwand neben einer deutschen. Auf einer großen Rasenfläche wuseln Kinder umher. Ihre Eltern sitzen unter Pavillons im Schatten, unterhalten sich größtenteils auf Türkisch. Wenn ihre Kinder vorbeischauen, wechseln die meisten aber ins Deutsche. Die türkisch-islamische Gemeinde zu Regensburg, kurz Ditib, feiert im Stadtosten seit Samstag Kermes – ein traditionelles Fest für die Gemeinde. Heuer nutzt sie es noch bis Dienstagabend, 1. Mai, um Interessierte über ihren geplanten Moscheeneubau in der Maxhüttenstraße zu informieren. Der schlägt hohe Wellen – nicht nur, weil die Ditib die erste Moschee mit Minarett in der Donaustadt baut.

Dass die muslimische Gemeinde eine neue, größere Moschee benötigt, steht seit Jahren fest. Seit rund zwei Jahren ist bekannt, dass der Neubau in der Maxhüttenstraße entstehen soll. Kritik daran wurde erst heuer so richtig laut. Die Regensburger CSU sprach sich Anfang Februar gegen die Moschee mit Kuppel und 21 Meter hohem Minarett aus. Die Stadt stellte daraufhin klar, dass sie baurechtlich gebunden gewesen sei und den Bauantrag gar nicht hätte abweisen können.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer machte deutlich, dass insbesondere rechtsgerichtete Populisten den Moscheeneubau für ihre politischen Interessen nutzten. Tatsächlich hatten Mitte Februar wohl Mitglieder der rechtsextremen Identitären Bewegung aus Protest 26 weiße Holzkreuze auf dem Baugrund aufgestellt. Darauf standen Todestag und Namen der Opfer eines islamistischen Terroranschlags in Brüssel. Die Identitäre Bewegung Bayern hatte sich auf ihrer Facebook-Seite zu der Aktion bekannt.

Vorfreude auf neues Gotteshaus

Als Recep Ali Yen, Sekretär der hiesigen Ditib-Gemeinde, und Vorstandsmitglied Levent Tekenli, der MZ die Pläne für die neue Mosche vorstellen, merkt man ihnen Stolz und Vorfreude auf das neue Gotteshaus an. Sie freuen sich schon, wenn alles nach Plan läuft, ab Frühjahr 2019 endlich genügend Platz zu haben. Im Gebetsraum für Männer finden 200 Personen Platz, in dem Für Frauen 100. Zudem gibt es einen Mehrzweckraum, der auch für private Feiern genutzt werden soll. „Aber ohne Alkohol“, meint Tekenli lachend.

Neben einer deutschen flattert auch eine türkische Flagge bei der Ditib. Foto: Wunderlich
Neben einer deutschen flattert auch eine türkische Flagge bei der Ditib. Foto: Wunderlich

Für junge Leute zwischen 14 und 27 Jahren soll es einen Jugendtreff geben. „Zum Billardspielen oder auch für kulturelle Veranstaltungen“, sagt Yen. Und: Der Raum soll – wie die ganze Moschee – auch Nicht-Türken und Nicht-Muslimen offenstehen. Für die Regensburger Ditib-Gemeinde gehört das zum modernen Selbstverständnis: Seit vielen Jahren schon setzen sich ihre Mitglieder bei „Religions for Peace“ Regensburg für den interreligiösen Dialog ein.

Auch bei ihrem Fest, der Kermes, machen die Ditib-Mitglieder deutlich, dass sie einen liberalen Islam leben. Die meisten Frauen sind ohne Kopftuch unterwegs. Die 21-jährige Sümeyye Varli verteidigt im Gespräch mit der MZ ihre Religion und Ditib – und erhält von drumherumstehenden Männern Applaus für ihre Aussagen.

Doch auf Nachfragen bezüglich der Verbindungen der Ditib zum türkischen Staat – der bundesweite Trägerverein der Gemeinde wird aus der Türkei finanziert und vom Verfassungsschutz beobachtet – hat Varli kaum Antworten parat, genauso wie Vorstandsmitglieder der Regensburger Ditib-Gemeinde. Auch der hiesige Imam, Numanoglu Ismail, wird von der türkischen Religionsbehörde unter Präsident Erdogan bezahlt. Das bestätigt der Gemeinden-Vorstand auf Nachfrage der MZ. Seine Predigten hält Ismail auf Türkisch; auf einer Leinwand werde parallel die deutsche Übersetzung angezeigt, sagen Gemeindemitglieder.

Versöhnliche Worte von Dechant

Insgesamt scheinen sich viele Mitglieder der Gemeinde mit der aktuellen Debatte in der Stadt schwer zu tun. „Seit 40 Jahren gibt es Ditib in Regensburg, viele von uns leben noch länger hier“, sagt zum Beispiel Kurt Tahsiy. „Wir hatten immer eine Moschee. Warum gibt es jetzt plötzlich so viele Diskussionen um den Neubau?“

CSU-Stadträtin Bernadette Dechant, die am Samstag auch bei der Kermes vorbeischaut, findet schließlich versöhnliche Worte: Es sei schön, wenn die Ditib-Gemeinde liberale muslimische Werte predigen wolle. „Wir wollen ein gutes Miteinander, das von Respekt zu allen Religionen geprägt ist.“ Da stimmen auch die Ditib-Mitglieder zu. Sie wollen weiter für mehr Akzeptanz für den Neubau werben.

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