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Domspatzen: Anwalt lässt Opfer hoffen

Ulrich Weber soll das Ausmaß des Missbrauchs beim Knabenchor aufklären – und macht in kurzer Zeit bereits Fortschritte.
von Pascal Durain, MZ

Opferanwalt Ulrich Weber hat den Auftrag zum Aufklären. Er hat vertraglich fixieren lassen, dass er unabhängig arbeiten darf.
Opferanwalt Ulrich Weber hat den Auftrag zum Aufklären. Er hat vertraglich fixieren lassen, dass er unabhängig arbeiten darf. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Als Ulrich Weber auf den Tag genau vor fünf Wochen auf einer Pressekonferenz bei den Domspatzen erklärte, er wisse nicht, wie tief das kalte Wasser ist, in das er jetzt springe, meinte er die Aufgabe, die ihm bevorsteht. Und auch 35 Tage später will der Opfer-Anwalt des Weißen Rings keine Wasserstandsmeldung abgeben – keine Zahlen, keine Spekulationen. Das wäre unseriös, findet er. Und dafür sei der Aktenberg auch zu groß, den er zu prüfen habe.

Ende April erklärte das Bistum, das Ausmaß der Misshandlungen und des sexuellen Missbrauchs bei den Regensburger Domspatzen von einer externen Stelle überprüfen zu lassen. Mehr als fünf Jahre versuchte das das Bistum selbst. Immer wieder stand die Diözese Regensburg in der Kritik, das Ausmaß des Missbrauchsskandals zu verschweigen und Opfer hinzuhalten. Das soll der Rechtsanwalt nun überprüfen – kritisch, unabhängig und aus der Perspektive der Opfer.

Was Transparenz bedeutet

Weber soll also Transparenz schaffen, Defizite im Umgang mit Missbrauchs- und Misshandlungsfällen aufzeigen, die Präventionsarbeit verbessern – und nicht zuletzt einen lang erwarteten Abschlussbericht vorlegen. Er sagt zwar, dass die „Möglichkeit und eine gewisse Wahrscheinlichkeit“ bestehen, dass die Zahl der Opfer des seit fünf Jahren bekannten Missbrauchsskandals noch einmal nach oben korrigiert werden muss – das hatte 2014 zwar bereits der Missbrauchsbeauftragte der Diözese schon ausgedrückt –, aber festlegen will sich Weber darauf gegenüber der MZ nicht. Auch wenn das der BR am Montag so meldete. Weber sagt, er wolle mit seiner Arbeit dafür sorgen, dass nichts vergessen wird. Aber: „Es ist nicht meine Aufgabe, jeden Einzelfall noch mal zu prüfen, sondern beim Gesamtprojekt Hilfestellung zu leisten.“ Weber geht es um die „absolute Zahl“, das betont er immer wieder. Die Zahl der Opfer, der Täter, der Geschehnisse und der Straftaten zu nennen – nur das sei transparent. Doch das dauert.

Dass er ursprünglich schon in einem Jahr einen Bericht vorlegen wollte, sei optimistisch gewesen. Daran ändere sich nichts – aber es wird wohl kein Abschluss-, sondern ein weiterer Zwischenbericht sein. Der Jurist setzt auf „Meilensteine“. Ein Beratungskuratorium, in Bistumsvertreter und Opfer sitzen, soll bis zum Herbst zusammengestellt sein.

„Ich brauche jede Information“

Der Regensburger Rechtsanwalt ist mit dem Versprechen beauftragt worden, dass er unabhängig arbeiten kann, Zugang zu sämtlichen Unterlagen bekommt und sich niemand in seine Publikationen einmischt. Und Weber findet, dass dieses Versprechen bisher auch eingehalten wird. Und nicht nur er, sieht das so: Die Leitung der „Gesellschaft gegen das Vergessen“, eine Gruppe von ehemaligen Domspatzen, die die Internetseite www.intern-at.de betreiben und auch Mitglieder ins Kuratorium entsenden werden, empfiehlt ihren Mitgliedern, mit Ulrich Weber zusammenarbeiten. Erste Gespräche seien positiv verlaufen. Und sollte seine Untersuchung tatsächlich das Ausmaß vollumfänglich erfassen, wäre das „nach über fünf Jahren ein erster Durchbruch in unserem harten Kampf gegen Verleumdung, Verleugnung und Vertuschung seitens des Regensburger Bistums und der Institutionen der Regensburger Domspatzen.“

Der MZ sagte Weber, Opfer, die sich bei ihm gemeldet haben, wären ihm mit einem „gesunden und vielleicht auch berechtigten Misstrauen“ begegnet, doch nach und nach wachse das Vertrauen. „Ich mache meinem Gesprächspartner klar, dass ich Informationen brauche. Und jede diesem Projekt hilft.“ Er habe so bereits Kontakt zu mutmaßlichen Opfern gehabt, die noch nicht vom Bistum erfasst worden seien. Wer den Kontakt zu Weber sucht, nutzt am besten die Internetseite: www.uw-recht.org.

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