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Kirche

Domspatzen-Förderverein löst sich auf

Weil Donum-Vitae-Vorsitzende Eichhorn auch dem Kulturförderverein vorsteht, lehnt das Bistum Regensburg die Zusammenarbeit ab.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Die Domspatzen wurden vom Kulturförderverein Regensburger Domspatzen in 17 Jahren mit rund einer halben Million Euro unterstützt.Foto: dpa
Die Domspatzen wurden vom Kulturförderverein Regensburger Domspatzen in 17 Jahren mit rund einer halben Million Euro unterstützt.Foto: dpa

Regensburg.Rund eine halbe Million Euro hat der Kulturförderverein Regensburger Domspatzen in den 17 Jahren seines Bestehens in die Förderung des weltberühmten Knabenchors gesteckt. Instrumente wurden mitfinanziert, große Konzertveranstaltungen gesponsort und Schüler gefördert. Unterstützung, die die katholische Kirche aber nicht mehr haben will. Nun löst sich der Verein auf, was er am Dienstag auf einer Pressekonferenz offiziell bekanntgeben wird. „Wir können unter diesen Umständen unserem Satzungauftrag nicht mehr nachkommen“, sagte Schriftführer Udo Klotz am Montag der MZ.

Der Streit um die Stiftung hat sich an der früheren CSU-Bundestagsabgeordneten Maria Eichhorn entzündet, die dem Kulturförderverein Regensburger Domspatzen seit vielen Jahren vorsteht. Eichhorn ist auch Landesvorsitzende des Vereins Donum Vitae, den Mitglieder des Zentralkomitees der Katholiken Ende der 1990er Jahre nach dem Ausstieg der katholischen Kirche aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung gründeten. Da der Verein Donum Vitae auf Wunsch Beratungsscheine ausstellt, die den Frauen eine Abtreibung ermöglichen, wird er von der katholischen Kirche als außerkirchliche Vereinigung abgelehnt. Der nun schon 20 Jahre währende Streit hat auf beiden Seite tiefe Wunden hinterlassen.

Kein Gespräch mit Bischof möglich

Vor diesem Hintergrund erschien Maria Eichhorn der Kirche als Vorsitzende eines Domspatzen-Fördervereins untragbar. Noch unter Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte das Domkapitel deshalb verfügt, dass die Domspatzen keine Gelder mehr aus der Stiftung annehmen dürfen. Auch eine Namensänderung von Kulturstiftung in Kulturförderverein wurde angeordnet, um Verwechslungen mit der von kirchlicher Seite getragenen Stiftung Regensburger Domspatzen vorzubeugen. „Wir haben dennoch weiterhin versucht, die Domspatzen zu unterstützen, indem wir Stipendien zur Berufsförderung gewährt haben und Bibliotheken mit Medienpaketen der Domspatzen ausgestattet haben“, sagte Klotz. Doch inzwischen sieht sich der Verein außerstande, noch sinnvoll nach seiner Satzung zu arbeiten. „Trotz unserer Bitte kam ein Gespräch mit dem neuen Bischof Rudolf Voderholzer nicht zustande“, beklagt Klotz. Auch Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner, Vorsitzender des Stiftungsrates der Regensburger Domspatzen, sei nicht auf Anfragen eingegangen. Deshalb wurden am vergangenen Freitag noch zwei Medienpakete für die staatliche Bibliothek sowie die Bibliothek des Bezirks genehmigt, danach beschloss das Gremium die Auflösung der Kulturstiftung.

Restvermögen wird aufgeteilt

Bei den Regensburger Domspatzen wird dieser Schritt bedauert, aber auch als notwendige Konsequenz aus den Entwicklungen gesehen. „Die Regensburger Domspatzen sind dem ehemaligen Verein ‚Kulturstiftung der Regensburger Domspatzen‘ dankbar, dass verschiedenste Projekte und Aktionen der Domspatzen seit 1997 bis 2009 finanziell gefördert und somit ermöglicht wurden“, teilte Domkapellmeister Roland Büchner auf MZ-Nachfrage mit. Da es seit 2009 nicht mehr möglich gewesen sei, Unterstützung zu erhalten, sei die Auflösung des Vereins nur folgerichtig, heißt es auch aus der bischöflichen Pressestelle.

Die Vorsitzende Maria Eichhorn, die am Dienstag das Ende der Stiftung bekanntgeben wird, wollte sich im Vorfeld nicht zu den Hintergründen der Entscheidung äußern. Auch wofür die noch verbliebenen Gelder von rund 25 000 Euro verwendet werden, wurde am Montag noch nicht mitgeteilt. Nach MZ-Informationen wird aber ein Teil davon an den Verein Donum Vitae fließen.

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