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Musik

Drei Cantemus-Knaben und die Zauberflöte

Sechs Buben des Regensburger Chors singen in Mozarts berühmtester Oper mit. Sie sind Teil des Stadttheater-Ensembles.
Von Angelika Lukesch

Das sind die drei (Cantemus-)Knaben der „Zauberflöte“: Mert, Leonhard, Andreas (von rechts). Foto: Lukesch
Das sind die drei (Cantemus-)Knaben der „Zauberflöte“: Mert, Leonhard, Andreas (von rechts). Foto: Lukesch

Regensburg.Es ist 18 Uhr, Bühneneingang am Stadttheater Regensburg. Mert Dogan (12), Andreas Koelwel (11) und Leonhard Espenhain (12) haben sich hier getroffen, um sich für ihren Auftritt als die „drei Knaben“ in der Oper „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart vorzubereiten.

Zunächst geht es in die Garderobe. Mert, Leonhard und Andreas sind sehr gut gelaunt, fast ein bisschen aufgedreht. Dies ist kein Wunder, denn der Auftritt als Knaben in der Zauberflöte neben lauter Profikünstlern des Stadttheaters ist für die jungen Sänger etwas ganz Besonderes.

Die drei Buben sind Mitglieder des Cantemus-Chors, den Matthias Schlier leitet. Auch er trifft kurz nach 18 Uhr in der Garderobe ein, denn der Opernsänger Juan Carlos Falcon, der die Buben zusammen mit Esther Bar auf ihren Auftritt vorbereitet hatte, muss an diesem Abend in München am Gärtnerplatztheater einspringen, da dort ein Sänger erkrankt ist.

Kurze Probenphase

Matthias Schlier erzählt, dass die Anfrage beim Cantemus-Chor, ob es hier drei Knaben gäbe, die den Part in der Zauberflöte übernehmen könnten, im Oktober 2018 gekommen sei. Die Zauberflöte ist eine Erfolgsinszenierung, die das Stadttheater Regensburg schon seit Jahren immer wieder um Weihnachten und Neujahr zeigt. Bislang sangen Domspatzen die drei Knaben. Nun übernahmen die Cantemus-Buben den Part. „Alle hier im Stadttheater sind begeistert von der Leistung der Buben und dies trotz der kurzen Einstudierungszeit“, erzählt Matthias Schlier.

Das gesamte Ensemble der Inszenierung der „Zauberflöte“ Foto: Lukesch
Das gesamte Ensemble der Inszenierung der „Zauberflöte“ Foto: Lukesch

Bislang in drei Aufführungen durften die Cantemus-Knaben im Stadttheater auf der Bühne stehen. Am 19. Januar folgt die letzte Aufführung. Es wurden zweimal drei Knaben vorbereitet, die sich die Aufgabe teilten. Neben der Gruppe Mert (1. Sopran), Andreas (2. Sopran) und Leonhard (Alt) standen auch Jannis Kamper (1. Sopran), Moritz Preis (2. Sopran) und Sebastian Emilius (Alt) als Knaben auf der Bühne.

In der Garderobe legen Mert, Andreas und Leonhard ihre Kostüme an: schwarze Schuhe mit „Goldschnallen“, weiße Strümpfe, knielange schwarze Hosen, ein weites weißes Hemd und eine rote Uniformjacke. Von Lampenfieber ist nichts zu spüren. Lediglich bei der ersten Aufführung seien sie nervös gewesen, geben die Buben zu.

18.30 Uhr, Zeit für die Maske. In den langen Fluren des Theaters hallen die Stimmen der Opernsänger wider, die sich einsingen. In der Maske werden die Buben geschminkt: Augen, Wangen und Mund werden betont, die Haare werden fixiert und die Perücke wird aufgesetzt: Aus drei Regensburger Buben werden die „drei Knaben“.

Leonhard wird für seinen Auftritt geschminkt. Foto: Lukesch
Leonhard wird für seinen Auftritt geschminkt. Foto: Lukesch

Nun geht es mit Matthias Schlier zum Einsingen in ein nüchternes Zimmer mit Klavier. Die Buben müssen Stimm- und Artikulationsübungen machen. Später wird Matthias Schlier mit den Buben noch in einen anderen Raum gehen, in dem, wie in einem Tonstudio, eine ganz „trockene“ Akustik herrscht, das heißt, es gibt keinerlei Hall.

19.30 Uhr, die Vorstellung beginnt. Matthias Schlier und die Buben gehen nun hinter die Bühne. Hier herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, denn der Opernkosmos folgt eigenen Gesetzen. Alle Sänger sind in Maske und Kostüm, der Ton zwischen den Künstlern ist leger, doch die Anspannung ist überall zu spüren. Vom Publikumsraum her sind die Arien von Papageno, Pamina und der Königin der Nacht zu hören. Alle sind hochkonzentriert.

Vier Gesangsauftritte

Die drei Buben schlängeln sich im Dunkeln hinter der Drehbühne hinüber auf die andere Seite der Bühne. Von hier aus beobachten sie den Verlauf der Aufführung, während Künstler auftreten und wieder von der Bühne abgehen. Regieassistent Max Eisenacher überwacht den geordneten Ablauf, am Inspizientenpult kann man sowohl die Bühne als auch den Dirigenten Alexander Livenson im Orchestergraben auf Bildschirmen sehen.

Schon naht der erste von vier Gesangsauftritten der drei Cantemus-Knaben. Neben diesen vier Auftritten sind sie auch noch mehrmals stumm auf der Bühne zu sehen. Mert, Andreas und Leonhard stehen nun im Scheinwerferlicht und singen mit glockenklaren Stimmen. Die drei Cantemus-Buben absolvieren ihren Auftritt mit Freude und ohne jegliche Attitüde.

Gleich danach eilen sie mit Schlier hinter der Bühne herum zwischen Pamina, Tamino, Papageno und Sarastro hindurch, hinaus in das menschenleere Foyer und wieder in den Akustikraum zum Einsingen. Nach wenigen Minuten geht es wieder zurück auf den Platz hinter der Bühne. Der nächste Auftritt steht an. Auf die Bühne, ab von der Bühne. Die Oper schreitet voran und die drei Knaben singen. Beim Schlussapplaus, als der Beifall über sie hinweg brandet, strahlen die Buben. Das ist ein unvergesslicher Moment.

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