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Drei Plädoyers für den Frieden

Stadtdekan Gerl hat interessante Redner für die Fastenimpulse eingeladen. Sie sollen christliche Kernbotschaften vermitteln.
Von Katharina Kellner

  • Stadtdekan Roman Gerl organisiert die Fastenimpulse. Er hat für die Reihe auch schon den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern als Redner nach Regensburg geholt. Foto: Kellner
  • Hans Jürgen Amannsberger leitet seit 2014 die Justizvollzugsanstalten Straubing und Passau. In Straubing sitzen Häftlinge ein, die vergleichsweise lange Haftstrafen verbüßen. Foto: Armin Weigel /dpa
  • Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat Papst Franziskus kürzlich wegen seiner Haltung zu Vorschlägen der Amazonassynode kritisiert. Foto: Marius Becker/dpa
  • Michael Buschheuer, Gründer der Organisation Sea-Eye, hat kürzlich einen Hilfskonvoi für Geflüchtete organisiert, die auf den griechischen Inseln Samos, Kos und Lesbos festsitzen, darunter viele Kinder. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Regensburg.75 Jahre liegt das Kriegsende in diesem Jahr zurück. Für Deutschland und Europa bedeutet das: Seit 75 Jahren herrscht Frieden. Das ist für Stadtdekan Roman Gerl der Anlass, die aktuelle Reihe der Fastenpredigten diesem Thema zu widmen. Drei Redner hat er gewonnen, die jeweils um 19.30 Uhr in der Basilika St. Emmeram „Plädoyers für den Frieden“ halten werden. Die Bezeichnung „Fastenpredigten“ haben die Veranstalter von der Innenstadtseelsorge allerdings durch „Fastenimpulse“ ersetzt. „Das Predigen ist in der katholischen Kirche ja streng genommen den Diakonen und Priestern vorbehalten“, sagt Gerl.

Er leitet die Dompfarreiengemeinschaft St. Emmeram und St. Ulrich. Bei den Reden gehe es um Kernthemen des Christseins, sagte Gerl.

Fastenpredigt

Gauck fordert: Verantwortung übernehmen

Joachim Gauck sprach in St. Emmeram in Regensburg. Er regte die Zuhörer mit seiner Lebensgeschichte zum Nachdenken an.

Als Redner wolle er Persönlichkeiten gewinnen, die authentisch sind, Erfahrungsreichtum mitbringen und lebensnah sprechen. Dies war im vergangenen Jahr unter anderem dem Paralympics-Sportler Gerd Schönfelder gelungen. Er hatte in St. Emmeram eindrucksvoll geschildert, wie er bei einem Unfall seinen rechten Arm und die Finger seiner linken Hand verlor und sich danach eine erfolgreiche Laufbahn als behinderter Profisportler erkämpfte.

Auch Joachim Gauck war schon da

Gerl sagte, die Fastenimpulse sollten in der Fastenzeit die Kernbotschaften von Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen. Der Missbrauchsskandal habe gezeigt, dass die katholische Kirche hinter ihrem Ideal zurückbleibe: „Aber wir sollten das Ideal weiter anstreben.“ Mit den „Plädoyers für den Frieden“ will er dieses Bemühen unterstreichen.

In den vergangenen Jahren hat Gerl schon hochkarätige Redner für seine Reihe gewinnen können - zum Beispiel den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck oder Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Zum Auftakt am Donnerstag, 5. März, spricht Hans Jürgen Amannsberger. Seit 2014 ist er Leiter der Justizvollzugsanstalten Straubing und Passau. Das Straubinger Gefängnis hat rund 830 Haftplätze. Dort sind in erster Linie Straftäter mit sehr langen Strafen untergebracht. In der JVA Passau, die verwaltungsmäßig der JVA Straubing unterstellt ist, gibt es zusätzlich 77 Haftplätze. Gerl erklärte seine Idee, Amannsberger für die Fastenimpulse einzuladen so: „Da sitzen Leute ein, die den Frieden gestört haben.“

Kritik an Papst Franziskus

Am Donnerstag, 19. März, spricht Prof. Thomas Sternberg. Er ist seit 2015 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Das ZdK ist einer der größten Dachverbände in Deutschland. Er vereint die katholischen Verbände und Diözesanräte. Gerl bezeichnete den obersten Laienvertreter Sternberg als einen „Vertreter einer sehr liberalen Richtung der Kirche“. Erst kürzlich hat Sternberg Papst Franziskus wegen seiner Haltung zu Vorschlägen der Amazonassynode kritisiert. Sternberg sagte, der Papst finde nicht den Mut, echte Reformen umzusetzen. Vielmehr festige er die bestehenden Positionen der Kirche - sowohl in Hinsicht auf das Zölibat als auch auf die Beteiligung von Frauen an Diensten und Ämtern der Kirche.

Aktion

„Notfhilfe für Samos“ großer Erfolg

Zahlreiche Regensburger spendeten für Flüchtlinge in Griechenland gespendet. Space-Eye-Gründer Buschheuer ist begeistert.

Das Friedensplädoyer von Michael Buschheuer wird in Regensburg am Donnerstag, 2. April, zu hören sein. Der Unternehmer und Gründer der Seenotrettungsorganisation Sea Eye hat für sein Engagement kürzlich den Georg-Elser-Preis der Landeshauptstadt München erhalten. Inzwischen hat die Organisation mehr als 14 000 Menschen vor dem Tod im Mittelmeer gerettet. Gerl sagte, er habe Buschheuer bei einer Andacht aus Anlass des vierten Todestages von Alan Kurdi kennengelernt. Die Leiche des zweijährigen syrischen Jungen war im September 2015 an der türkischen Mittelmeerküste angeschwemmt worden. Das Bild des toten Kindes hatte weltweit Aufsehen erregt. Die Organisation Sea Eye hat eines ihrer Rettungsschiffe nach Alan Kurdi benannt. Gerl zeigte sich von Buschheuers Engagement beeindruckt. Positionen, die Seenotrettung bringe Flüchtlinge aus Afrika erst dazu, sich auf den Weg nach Europa zu machen, weil sie sicher sein könnten, im Falle eines Schiffbruchs gerettet zu werden, teile er nicht, sagte Gerl: „Es gibt eine hohe Zahl von Menschen, die nicht gerettet werden.“

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