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Bildung

Mittelschule trägt nun Künstler-Namen

Die Hans-Herrmann-Schule wird zur Willi-Ulfig-Schule: Am Festakt zur Umbenennung nahmen Töchter des Regensburger Malers teil.
Von Tino Lex, MZ

Die drei Töchter von Willi Ulfig, Susanne, Christine und Barbara, übergaben an Schulleiter Reiner Lacler zwei Original-Gemälde von Willi Ulfig, einmal ein Selbstportrait sowie eine Sommerlandschaft.
Die drei Töchter von Willi Ulfig, Susanne, Christine und Barbara, übergaben an Schulleiter Reiner Lacler zwei Original-Gemälde von Willi Ulfig, einmal ein Selbstportrait sowie eine Sommerlandschaft. Foto: Lex

Regensburg.Mit einem Festakt feierte am Freitagnachmittag die ehemalige Hans-Herrmann-Schule ihre Umbenennung. Nötig geworden war dies, weil der bisherige Namensgeber der Schule in der NS-Zeit „anscheinend nicht nur ein Mitläufer gewesen sei“, so Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, „sondern mehr“.

Ausgangspunkt der Umbenennung war ein Beschluss des Bayerischen Landtages vom 24. April 2015, allen Schulen, die nach Personen mit möglichen Verstrickungen in den Nationalsozialismus benannt sind, Hinweise und Informationen über die Biographie der einzelnen Personen, insbesondere über deren Rolle und Funktion innerhalb des nationalsozialistischen Herrschafts- und Gewaltapparates zukommen zu lassen. Aufgrund dieser Vorgabe hat das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus die nachrangigen Behörden gebeten, Namensträger, bei denen eine Vermutung hinsichtlich einer möglichen Verstrickung in das nationalsozialistische System bestand, eingehender zu prüfen.

Einer dieser Namensgeber war Hans Herrmann, Oberbürgermeister der Stadt Regensburg von 1952 bis 1959. Im Anschluss an die Überprüfung unterrichtete das Kultusministerium die hiesige Grund- und Mittelschule vom Befund und bat sie, in einen Meinungsbildungsprozess darüber einzutreten, ob nicht eine Aufgabe des Namensgebers angezeigt sei. Die Stadt Regensburg nahm dies zum Anlass, sich im Licht der Erkenntnis mit der Person Hans Herrmann auseinanderzusetzen.

Der Heimatpfleger der Stadt Regensburg, Dr. Werner Chrobak und Professor Dr. Bernhard Löffler, Lehrstuhl für bayerische Landesgeschichte an der Universität Regensburg, wurden beauftragt, eine Stellungnahme zur Person Hans Herrmann zu erarbeiten. In der Konsequenz des vorgenannten Berichts hatte auch die Schulfamilie der Mittelschule dem Sachaufwandsträger Stadt Regensburg mitgeteilt, den belastenden Namen abzulegen. Aus Sicht der Lehrerkonferenz, des Elternbeirates und der Schülermitverantwortung solle die Mittelschule nach Willi Ulfig benannt werden, weil Werke von Willi Ulfig an der Fassade und im Innenbereich der Schule vorhanden sind.

Willi Ulfig, ein Künstler von weit überregionaler Bedeutung, hatte langjährig und offensichtlich gerne im Bereich der Schulsprengel der Grund- und Mittelschule gewohnt und gearbeitet. Die vier Kinder (drei Töchter und ein Sohn) von Willi Ulfig gingen zeitweise an die Schule.

Höhepunkt der Veranstaltung in der Willi-Ulfig-Mittelschule war die Übergabe zweier Gemälde des Künstlers von seinen drei Töchtern Susanne, Christine und Barbara an die Schulleitung. Sie hätten sich nie träumen lassen, dass diese Schule einmal den Namen ihres Vaters trage, umso mehr sind sie darauf ein klein wenig stolz. Die Bilder kann man am Sonntag Vor allem das Programm, das die Schüler selbst gestalteten, riss die vielen Gäste in der alten Turnhalle der Schule mit. Ob das Experiment mit Ukulele und Gesang oder der Tanz der 6. Klassen - ein Genuss. Nach dem offiziellen Teil begann für alle ein „Tag der offenen Tür“ in der Schule. Wer sich die Willi Ulfig Ausstellung ansehen möchte, kann dies am kommenden Sonntag von 14 bis 18 Uhr besichtigen.

Willi Ulfigs Leben

  • Geburt::

    Willi Ulfig wurde am 26. November 1940 in Breslau geboren und studierte zwischen 1928-1932 an der dortigen Kunstakademie. Nach seiner Rückkehr aus Italien 1932, wo er als Stipendiat ein halbes Jahr verbrachte, verhinderte die politische Situation mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine künstlerische Etablierung Ulfigs, dessen Frühwerk auf dem damals geächteten Expressionismus fußt. Willi Ulfig arbeitete notgedrungen als Schriftenmacher und Bühnenbildner, war als Soldat im Zweiten Weltkrieg in Frankreich stationiert und schließlich Kriegsgefangener in Böhmen. 1945 begann seine eigentliche künstlerische Entfaltung mit der Ankunft in Regensburg.

  • Karriere:

    1946 wurde er Mitglied der neu gegründeten Künstlervereinigung Donauwaldgruppe; 1947-1949 hatte er erste Galerie-Ausstellungen, seit Anfang der 1950er-Jahre stellte sich zunehmender künstlerischer Erfolg ein, der ihm zum wohl wichtigsten bildenden Künstler Ostbayerns in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte. Zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, die Mitgliedschaften in der Münchener Künstlergenossenschaft und der Esslinger Künstlergilde zeugen von Willi Ulfigs Wertschätzung. Willi Ulfig wurde unter anderem 1965 mit dem Kulturpreis Ostbayern, 1971 mit dem Silbernen Lamm der Stadt Brixen und 1974 mit dem Kulturpreis der Stadt Regensburg gewürdigt.. Der Künstler verstarb am 05. Februar 1983 in Regensburg. (xtl)

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