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Denkmal

Dreieinigkeitskirche bald offen

Langwierig, kostspielig und äußerst behutsam wurde das Gotteshaus in der Gesandtenstraße renoviert. Am 8. Dezember ist Eröffnungsgottesdienst.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

  • Hier soll die neue „Bach-Orgel“ eingebaut werden. Fotos: Baumgartl
  • Vor ein paar Tagen wurde der Hochaltar wieder ausgepackt.
  • Geschäftsführer Klaus Neubert
  • Der Kabelsalat in der Sakristei
  • Architektin Lydia Lehner

Regensburg. Am zweiten Adventsonntag 1631, mitten in den Wirren des 30-jährigen Kriegs, wurde die Dreieinigkeitskirche eingeweiht. 2013, fast 400 Jahre später, soll das Gotteshaus zum selben Datum wieder für die Gläubigen zugänglich sein. Rund fünf Jahre lang musste die Gemeinde bei ihren Gottesdiensten in St. Oswald ausweichen.

Auch als beliebter Ort für Konzerte fiel die Kirche aus. Nicht mehr lange, und das Gotteshaus erstrahlt buchstäblich im alten Glanz: Es gehörte zu den Prinzipien der Renovierung, die historische Atmosphäre des alten Gebäudes trotz aller Modernisierungen komplett zu erhalten.

Besucher werden sich vermutlich wundern, warum das Kirchengestühl noch immer Wurmlöcher aufweist, die Bodenplatten aus Solnhofer Kalkstein rissig sind und die Decke gedämpft statt strahlend weiß ist.

Architektin Lydia Lehner, die die Sanierung jahrelang begleitete, kann sich die Reaktion mancher Besucher nach dem 8. Dezember gut vorstellen: „Was bitte hat hier 3,5 Millionen Euro gekostet? Das schaut doch genauso aus wie vorher.“ Genau das war aber das Ziel der Restauratoren: so behutsam und unauffällig wie möglich zu arbeiten.

Fast vierhundertjährige Tradition

Bei einem kleinen Rundgang mit der MZ durch das Gebäude wird schnell klar, warum die Renovierung ganze fünf Jahre in Anspruch nahm und damit sogar ein Jahr länger, als ursprünglich geplant: Jedes noch so winzige Detail vom Schnitzwerk bis zu den Gemälden wurde inspiziert, und, wenn nötig, ausgebessert oder ersetzt.

Klaus Neubert, Geschäftsführer bei der Gesamtkirchenverwaltung im Alumneum gegenüber der Kirche und immer wieder zu Besuch auf der Baustelle, kommt geradezu ins Schwärmen, wenn er die alten Betstühle betrachtet: „Stellen Sie sich vor, genau auf diesem Holz haben vor Jahrhunderten die Gesandten gekniet. Und wie unterschiedlich war doch ihr Leben im Vergleich zu unserem.“

Die ununterbrochene Tradition von 1631 bis heute ist eine der Besonderheiten, die die Dreieinigkeitskirche bayernweit auszeichnen: Bis auf eine Renovierung in den 1960ern, die aber kaum in die Substanz eingegriffen hat, ist von der Einweihung bis heute alles unverändert geblieben. Dachstuhl, Gestühl und Ausstattung sind im Originalzustand, nur die Sakristei ist jünger. Andere Kirchen haben im selben Zeitraum vielleicht gleich mehrmals Anpassungen an den jeweils zeitgenössischen Stil erfahren.

„Vergangene Woche ist zum ersten Mal seit 2009 der Hochaltar ausgepackt worden“, freut sich Lydia Lehner über einen neuen sichtbaren Fortschritt. Die Plastikfolien, die den ganzen Aufbau vor Staub und Schmutz schützten, sind verschwunden. Jetzt kann es am Altar selbst zur Sache gehen. Gleich zwei Spezialfirmen haben hier die Arbeit begonnen: eine ist nur für die Säuberung der Vergoldungen zuständig, die für ihr Alter außergewöhnlich gut erhalten sind, wie die Architektin weiß. Die andere Firma ist dagegen für die Reinigung der Gemälde zuständig.

Dass bis vor kurzem eine Art Graben quer zum Hochaltar verlief, ist nicht mehr zu erkennen: Hier wurde ein Kabelstrang, einen halben Meter dick, von der Ecke des Nordturms durch den Altarraum in die Sakristei beim Südturm verlegt. Die alte Elektrotechnik auf neuesten Stand zu bringen, ist auch eine der „unsichtbaren Arbeiten“. Außer, man wirft jetzt einen Blick in die Sakristei.

Technische Aufrüstung ist diskret

Die technische Aufrüstung des Kirchenraums ist auch eher diskret. Sichtbar sein wird nur, dass die früheren drei Kronleuchter im Mittelschiff künftig durch Pendelleuchten und Spotleuchten ersetzt und die Heizstrahler unter den Sitzen erneuert werden. Unsichtbar für Kirchen- und Konzertbesucher ist dagegen eine Art Tonstudio an der Westempore, mit dem sich Konzerte in professioneller Qualität aufzeichnen lassen, und die neuen Lautsprecher. Soll doch die Dreieinigkeitskirche wieder als Raum für Konzerte und große Veranstaltungen genutzt werden. Zwischen 1000 und 1200 Besucher werden dann hier Platz finden. Die Einnahmen aus den Konzerten und Veranstaltungen sollen mit dazu beitragen, die Renovierungsarbeiten zu finanzieren.

Von den 3,5 Millionen Euro Gesamtkosten entfallen 1,7 Millionen Euro auf die Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern, davon trägt die Kirchengemeinde 250 000 Euro. An Denkmalpflegemitteln des Freistaats Bayern fließen 1,3 Millionen Euro. Der Bund bzw. Bezirk Oberpfalz gibt 100 000 Euro und von privaten Denkmal-Stiftungen (KiBa und Deutsche Stiftung Denkmalschutz) weitere 400 000 Euro.

Ein weiterer Brocken bei den Investitionen wird die Orgel sein. Der Herzenswunsch: Passend zur Kirche soll es eine Bachorgel werden. Drei Orgelbau-Unternehmen sind soeben bei der Ausschreibung in die engere Wahl gekommen. Bis eine Orgel geplant und hergestellt wird, vergehen leicht ein bis eineinhalb Jahre.

2017 wird ein besonderes Jahr

Geschäftsführer Klaus Neubert hofft, dass das Instrument, für das man rund eine Million Euro eingeplant hat, vielleicht schon vor 2017 fertig wird. Dieses Jahr ist nämlich mit dem Jubiläen von Reichstag und Luther wieder ein ganz besonderes Datum für die Gemeinde. Architektin Anke Romanow, die seit eineinhalb Jahren bei der Evangelischen Gesamtkirchenverwaltung für die Bauabteilung tätig ist, hat trotz ihrer großen Liebe zur Dreieinigkeitskirche schon ihre „Zweitliebe“ ins Auge gefasst: Das ist die St. Oswald-Kirche. Auch hier stehen in absehbarer Zeit umfangreiche Renovierungsarbeiten an. Eine kleine Einschränkung wird es aber in der Dreieinigkeitskirche geben: Auch wenn Silvester- und Weihnachtsgottesdienst wieder hier gefeiert werden, wird der Zutritt vorerst eingeschränkt sein. Ein paar Restarbeiten stehen aus, etwa in der Sakristei. Deadline für die Fertigstellung ist der Katholikentag. Dann finden hier auch Veranstaltungen statt.

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