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Justiz

Drogen-Prozess: Die Stunde der Ankläger

Staatsanwälte fordern für den Paten und seinen mutmaßlichen Stellvertreter 13,5 und 11 Jahre Haft. Das Urteil fällt heute.
Von Wolfgang Ziegler

Bisher war er in dem Prozess meist guter Dinge. Gestern verfolgte der Drogen-Pate die Plädoyers mit gesenktem Kopf. Foto: Ziegler
Bisher war er in dem Prozess meist guter Dinge. Gestern verfolgte der Drogen-Pate die Plädoyers mit gesenktem Kopf. Foto: Ziegler

Regensburg.Oberstaatsanwalt Dr. Markus Riedhammer und Staatsanwältin Stephanie Wagner, die im Prozess gegen den Regensburger Drogen-Paten die Anklage vertreten, hatten bislang konservativ agiert, zugehört, nur vereinzelt nachgefragt, waren nicht in Aktionismus verfallen. Ihre Stunde schlug am Dienstag. Mit ihren Plädoyers rammten sie Pflöcke ein und ließen keine Zweifel daran, wohin die Reise für Fiqret D. (55) und seinen mutmaßlichen Stellvertreter Gridi B. (30) gehen soll: jahrelang hinter Gitter. Für den Paten beantragten sie dreizehneinhalb Jahre Haft, für seinen „Kronprinzen“ elf Jahre.

Sie rammten Pflöcke ein: Staatsanwältin Stephanie Wagner und Oberstaatsanwalt Dr. Markus RiedhammerFoto: Ziegler
Sie rammten Pflöcke ein: Staatsanwältin Stephanie Wagner und Oberstaatsanwalt Dr. Markus RiedhammerFoto: Ziegler

Dr. Riedhammer hob gleich zu Beginn seines Schlussvortrags hervor, wem die Strafverfolgungsbehörde zu verdanken hat, dass der seit Jahren polizeibekannte Deutsch-Albaner vor Gericht gestellt werden konnte: „Die Oberpfälzer Kriminalpolizei hat hervorragende Arbeit geleistet und mit großer Akribie aus vielen Puzzle-Teilen ein Bild erstellt, das die Schuld des Angeklagten beweist.“ Demnach habe Fiqret D. sein Drogen-Geschäft mit Energie und Konsequenz wie ein Handelsunternehmen geführt. Die Warenumsätze in den ersten elf Monaten des Jahres 2017 hätten sich bis zu seiner Festnahme auf 350 Kilogramm Marihuana, mehr als sieben Kilogramm Heroin und mehr als sieben Kilogramm Kokain belaufen. Die Erlöse kalkulierte Dr. Riedhammer auf über eine Million Euro. Allein mit den Marihuana-Verkäufen habe er rund 340 000 Euro erzielt.

„Laufburschen“ ausgenutzt

Als besonders verwerflich wertete der Oberstaatsanwalt, dass der Banden-Chef die Perspektivlosigkeit seiner albanischen „Laufburschen“ ausgenutzt, ihnen das Risiko der Rauschgift-Geschäfte auferlegt und sich selbst die Hände nicht schmutzig gemacht hatte. Er attestierte dem Drogen-Paten gerade deshalb höchste kriminelle Energie – und beantragte für ihn eine Freiheitsstrafe von dreizehn Jahren und sechs Monaten.

Staatsanwältin Wagner knöpfte sich die mutmaßliche Nummer zwei des Kartells, den 30-jährigen Gridi B., vor und maß ihm eine „entscheidende Rolle innerhalb der Bande“ zu. Er habe penibel Buch geführt, Gelder eingesammelt, Rauschgift-Geschäfte vermittelt sowie deren Abwicklung koordiniert und sei eng in die Organisation von Kokain-Lieferungen aus den Niederlanden eingebunden gewesen, sagte sie. Wie der Drogen-Pate, der ein Cousin seines Vaters sein soll, sei auch Gridi B. kein Risiko eingegangen, habe vielmehr im Hintergrund agiert. Tatsächlich sei er aber Mittäter gewesen, der neben Fiqret D. als einziger einen vollständigen Überblick über alle Geschäfte gehabt und das volle Vertrauen seines „Onkels“ genossen habe. Für den 30-Jährigen forderte Staatsanwältin Wagner daher elf Jahre Freiheitsentzug.

Die Plädoyers der Verteidiger des Drogen-Paten, Christian Reiser und Dr. Christian Meisl, erinnerten ein wenig an Trauerreden bei Beerdigungen, als sie die Schicksalsschläge ins Feld führten, die ihren Mandanten in die Illegalität abdriften ließen. Er sei keinesfalls ein Mafia-Pate vom Schlage El Chapos oder Pablo Escobars, zu dem er hochstilisiert worden sei. Vielmehr sei er ein liebevoller Familienvater und ein geselliger Mensch, der einfach nur Pech hatte im Leben. Sie sprachen sich für nicht mehr als neuneinhalb Jahre Freiheitsstrafe aus.

Behauptungen und Vermutungen

Auch die Anwälte von Gridi B., Christoph Schönhofer und Tim Fischer, wuschen ihren Mandanten in Unschuld – so weit sie konnten. Von „rechter Hand“ des Drogen-Paten keine Spur, allenfalls Gehilfe sei er gewesen, meinten sie. Alles andere seien Behauptungen, Vermutungen und Arbeitshypothesen der Ermittler. In diesem Zusammenhang warf Rechtsanwalt Fischer der Staatsanwaltschaft mit gespielter Empörung „kühne Schlüsse“ und „eine nicht nachvollziehbare Argumentation“ vor – und forderte wie sein Kollege für Gridi B. eine Freiheitsstrafe von weniger als fünf Jahren.

Das Urteil wird am Mittwoch, 27. Februar, um 15 Uhr verkündet.

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