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Themenwoche

Drogen und Sucht in Regensburg

Die Mittelbayerische nimmt die Drogenproblematik in der Stadt unter die Lupe. Betroffene, Helfer und Experten kommen zu Wort.
Von Anna Jopp und Jan-Lennart Loeffler

Heroinspritzen im Park: Nicht immer sind Drogen so offensichtlich. Die Probleme reichen tief in die Gesellschaft hinein. Symbolfoto: Stache/dpa
Heroinspritzen im Park: Nicht immer sind Drogen so offensichtlich. Die Probleme reichen tief in die Gesellschaft hinein. Symbolfoto: Stache/dpa

Regensburg.Die Drogen ändern sich, das Problem bleibt. Alkohol, Nikotin, Cannabis, Heroin: Der Konsum kann fatale Folgen für das eigene Leben und das soziale Umfeld haben. Vor einigen Jahren war es Crystal Meth, das die Schlagzeilen bestimmte. Die synthetische Droge war neu, und vergleichsweise billig zu beschaffen. Die Zahl der Drogentoten erreichte im Jahr 2012 in der Oberpfalz mit 28 einen Höchststand. Das war auch das Jahr, in dem die Oberpfälzer Polizei die meisten Verstöße mit Crystal feststellte: über 1000. Inzwischen sind es rund 400 im Jahr.

Leichte Verfügbarkeit der Drogen

In den folgenden Jahren ging die Zahl der Drogentoten wieder leicht zurück, doch nur um danach wieder kontinuierlich anzusteigen: 24, 30, 34 ist die Bilanz der vergangenen Jahre. Auch in Regensburg lag die Zahl der Drogentoten in den vergangenen Jahren immer im zweistelligen Bereich.

Heute ist in Regensburg, wie auch deutschlandweit, Cannabis die illegale Droge Nummer Eins. Die klassische Einstiegsdroge, die vor allem bei Jugendlichen beliebt ist, steht in der Rauschgiftstatistik ganz oben, sowohl bei den Mengen, die von der Polizei sichergestellt werden, als auch bei den einzelnen Delikten. Der Markt ist groß und vielfältig. „Jede Art von illegalen Drogen ist hier verfügbar“, sagt Christian Kreuzer, Leiter der Suchtambulanz der Caritas in Regensburg. „Die Hoffnung, irgendwo den Hahn abdrehen zu können, die muss man sich abschminken.“ In den vergangenen Jahren hat sich auch der Vertriebsweg über das Internet etabliert, mit der Folge, dass auch immer wieder neue Substanzen auftauchen. „Ständig kommen neue Produkte hinzu“, sagt Kreuzer. „Manche gehen da ein hohes Risiko ein.“

Die Folgen des Drogenkonsums sind weitreichend, auch jenseits der Statistik. Es ist einfach, über leicht verfügbaren Alkohol und Cannabis in die Sucht hineinzurutschen. Die gesundheitlichen Folgen sind verheerend. „Die Lebenserwartung von Suchtkranken ist erheblich verringert“, erklärt der Regensburger Suchtmediziner Prof. Dr. Norbert Wodarz. „So verlieren Alkoholabhängige im Durchschnitt 25 Lebensjahre. Heroinabhängige noch einmal deutlich mehr.“

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Mit Drogen und ihren Auswirkungen für den Einzelnen und die Gesellschaft kämpft auch Dr. Clemens Prokop, der Direktor des Regensburger Amtsgerichts. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir ein aktuelles Problem mit illegalen Drogen haben“, sagt Prokop. „Ich habe die Not erlebt bei Menschen, die drogenabhängig sind. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, und nicht nur ein individuelles.“ Der Jurist weiß auch, dass sich durch polizeiliche Maßnahmen allein das Problem nicht lösen lässt. Prokop will ein Aktionsbündnis schmieden und noch stärker auf die Problematik aufmerksam machen.

Dabei geht es nicht nur darum, wie der Weg in die Sucht verhindert werden kann, sondern auch, wie ein Ausstieg gelingen kann. Es ist ein Thema, das nur mit der Beteiligung von vielen erfolgreich angegangen werden kann. In den nächsten Tagen werden in der Mittelbayerischen Menschen zu Wort kommen, die die Situation in Regensburg aus den verschiedenen Blickwinkeln beleuchten: Abhängige, Angehörige, Mediziner, Polizisten und Helfer schildern in unserer Themenwoche ihre Erfahrungen mit Drogen, Sucht und ihren Folgen.

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Das lesen Sie in unserer Themenwoche

  • Zahlen und Fakten:

    Die Sucht hat viele Gesichter in Regensburg. Offensichtliche Drogenbrennpunkte sind nur ein Teil davon. Der Drogenkonsum ist vielfältig. Oft leiden Betroffene und Angehörige im Verborgenen.

  • Im Einsatz:

    Die Polizei zeigt im Kampf gegen Drogenkriminalität in der Stadt starke Präsenz. Rauschgiftfälle gehören auch für die Regensburger Justiz zum Alltag: Vom „kleinen Fisch“ mit ein paar Gramm Marihuana bis zum „Drogenpaten“.

  • Wege aus der Sucht:

    Wir zeigen, welche Hilfsangebote es für Abhängige in Regensburg gibt. Der Ausstieg aus dem Teufelskreis von Drogensucht und Arbeitslosigkeit kann gelingen, auch wenn der Weg schon ins Gefängnis geführt hat.

  • Prävention:

    Es geht auch ohne Drogen. Schulen, Gesundheitsamt und Hilfseinrichtungen stellen immer wieder unter Beweis, dass Aufklärung, frühe Hilfe und Alternativen zum Konsum von Alkohol und Drogen erfolgreich sind. Viele Regensburger sagen „Nein“ zu Drogen.

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