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Landwirtschaft

Dürre wächst sich zum Desaster aus

Die Pflanzen verdorren auf den Feldern – der Regen käme für viele zu spät. Bauern zeigen der MZ, wie schlimm es wirklich ist.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • Johann Mayer aus Schirndorf steht inmitten seines verdorrten Maisfeldes. Fotos: Lukesch
  • Der Mais auf den Feldern hat durch die Dürre gar keine oder nur solch verkrüppelte Kolben.

Regensburg.Wer in diesen Tagen durch die Fluren geht und den Blick schweifen lässt, kann mit eigenen Augen sehen, was zu viel Sonne und das Ausbleiben des Regens anzurichten vermögen. Die Wiesen sind gelb, jeder Grashalm ist verdorrt und verbrannt. Der Mais, der um diese Zeit drei Meter hoch stehen und dicke Kolben ausgebildet haben müsste, ist traurige einen bis eineinhalb Meter hoch, die äußeren Blätter verdorrt. Ein Kolben findet sich entweder gar nicht oder nur in Miniaturausführung mit einigen wenigen ausgebildeten Körnern.

Johann Mayer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands Regensburg und Landwirt in Schirndorf bei Kallmünz, blickt angesichts der trockenen Fluren äußerst besorgt in die Zukunft. Selbst wenn jetzt, wie vom Wetterbericht angekündigt, am Freitag oder Samstag Regen fallen würde, würde dies den Mais, die Zuckerrüben oder das Gras nicht mehr retten. Denn auch wenn das Gras neu austriebe, bliebe zu wenig Zeit zum Reifen.

Es geht an die Existenz

Für die Landwirte bedeutet die anhaltende Dürre, die nun schon seit Mai andauert, sehr hohe Verluste und damit, besonders bei kleineren Landwirtschaften, auch existenzielle Probleme. Johann Mayer hat in Schirndorf einen Betrieb mit Rindvieh, deswegen muss er für eine gute Futterernte sorgen. Dazu braucht er Grasschnitt und Mais. Beides wird siliert und ernährt das Rindvieh bis in das nächste Jahr. Drei Grasschnitte werden üblicherweise im Lauf des Jahres gemacht.

„Von Mai bis Juli brauchen wir den meisten Regen, denn in dieser Zeit müssen die Pflanzen das meiste leisten. Der erste Grasschnitt Anfang Mai war noch gut. Dann kam jedoch kein Regen mehr. Der zweite Schnitt Mitte Juni war schon wesentlich schlechter und der dritte Schnitt fällt wegen der Dürre komplett aus. Das bedeutet, dass mir mehr als ein Drittel Futtermaterial für das kommende Jahr bis zur nächsten Ernte fehlt. Der Mais braucht Ende Juni bis in den Juli den Hauptregen, um gut zu wachsen und einen guten Kolben zu bilden. Der Futtermais, der jetzt auf den Feldern steht, ist klein, verdorrt und ohne Kolben, das bedeutet wiederum, dass ihm auch noch ein Drittel der Nährstoffe fehlen“, erklärt Mayer. Die Bauern seien also gezwungen dazu zu kaufen und dies natürlich bei steigenden Preisen.

Jetzt schon könne man beobachten, sagte Mayer, dass die Bauern ihren Viehbestand reduzierten, um besser über den Winter zu kommen. Das daraus resultierende wachsende Angebot an Fleisch wirke sich wieder negativ auf den Fleischpreis aus. „Die Handelsketten nutzen diese Situation wiederum aus, um mit Knebelverträgen den Fleischpreis für einen möglichst langen Zeitraum niedrig zu halten“, stellt Mayer fest. Andere Bauern müssen Kredite aufnehmen, um die Mehrkosten zu decken, wieder andere würden aus der Not heraus Maschinen verkaufen. Eine Entwicklung, die bereits in Gang gesetzt worden sei. Auch bei den Kartoffeln sehe es schlecht aus. „Durch die hohen Temperaturen haben die Kartoffeln das Wachstum eingestellt. Eine Proberodung hat ergeben, dass uns ein bis zwei Drittel der Erträge fehlen werden. Hoffnung besteht noch bei den Spätkartoffeln“, sagt Mayer.

Auch die Zuckerrüben haben die Hitze und die Trockenheit nicht gut vertragen. Es gebe merkliche Einbußen bei der Größe, die mit bloßem Auge sichtbar seien. Nicht zuletzt der Wald kämpfe mit der Dürre. Der Borkenkäfer nehme überhand und bringe geschädigte Bäume schnell zu Fall. „Außerdem sind die meisten der jungen Bäume, die im Frühjahr gesetzt wurden, mittlerweile verdorrt. Die ganze Arbeit war umsonst“, sagt Mayer. Die Getreideernte habe es nicht ganz so schlimm getroffen, auch wenn die Ernte in extremen Trockengebieten – vor allem im nördlichen Landkreis – deutlich schlechter gewesen sei.

Boden zu trocken zum Ackern

Landwirt Alois Bucher aus Zeitlarn erklärt der MZ, dass er sein Getreide nach der „Notreife“ (die Körner sind kleiner und beinhalten weniger Nähstoffe) ernten musste. Auch auf seinen Feldern ist der Mais verdorrt. „Wahrscheinlich werden wir ihn in der nächsten Woche reinholen.“ Eigentlich würde Bucher die abgemähten Getreidefelder für die Zwischenfrucht vorbereiten wollen, jedoch: „Der Boden ist so trocken, dass ich ihn nicht ackern kann“, sagt Bucher.

Dr. Josef Bosch ist Landwirt in Mangolding. Zur derzeitigen Situation sagt er nur: „Das ist eine Katastrophe!“ Der Mais auf seinen Feldern sterbe ab, die Sojabohnen hätten leere Schoten, der Rübenkörper sei halb so groß, wie er sein sollte. Dr. Bosch geht davon aus, dass er bei Mais (Körner- und Silomais) einen Ertragsverlust von 50 Prozent, bei den Sojabohnen von 75 Prozent und bei den Rüben von 40 bis 60 Prozent haben wird. Er könne es nicht mehr hören, wenn das sonnige trockene Wetter als perfektes Urlaubswetter hochgelobt werde, denn was für den einen perfekter Sommertag sei, gerate für die Landwirte zu einem existenziellen Desaster.

Lesen Sie mehr: Auch im Landkreis Schwandorf ziehen Bauern eine katastrophale Bilanz: Der Mais ist auf vielen Feldern vertrocknet. Landwirte bitten Politiker um Hilfe.

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