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SSV Jahn

Düstere Stimmung beim SSV Jahn

Die fünf Gegentreffer im Pokal zeigen die Abwehrschwächen auf. „Wir haben Heidenheim alle Tore geschenkt“, sagt der Coach.
Von Jürgen Scharf und Thomas Gottschling, MZ

Die Spieler des Jahn (vorne Sargis Adamyan) rackern und kämpfen – und müssen am Ende dennoch eine hohe Niederlage einstecken. Foto: Nickl
Die Spieler des Jahn (vorne Sargis Adamyan) rackern und kämpfen – und müssen am Ende dennoch eine hohe Niederlage einstecken. Foto: Nickl

Regensburg.Achim Beierlorzer wollte seinem Kollegen sicherlich nichts Böses. Frank Schmidt hatte zuletzt mit seinem 1. FC Heidenheim ja selbst nicht viel zu lachen. Über das knappe halbe Dutzend Tore, das seine Mannschaft nun im Pokal beim SSV Jahn Regensburg gelang, freute er sich dementsprechend sehr. „Fünf Tore hier zu schießen, das ist aller Ehren wert“, führte der Coach der Gäste hochzufrieden aus. Beierlorzer holte Schmidt jedoch kurz danach auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Offensive des Gegners habe gar nicht groß glänzen müssen, fand der Regensburger Trainer: „Wir haben Heidenheim alle fünf Tore geschenkt.“

Der nächste Rückschlag

Für den SSV Jahn hatte es in der 2. Liga zuletzt drei Niederlagen am Stück gegeben. Nach der jüngsten Pleite in Aue gab es von Beierlorzer ungewohnt deutliche Kritik: „Zu viele Spieler waren Ausfälle“, sagte er da. Das Spiel in der zweiten Runde des DFB-Pokals war nun die willkommene Möglichkeit, sofort eine positive Reaktion zeigen zu können. Am Ende stand jedoch eine bittere 2:5 (1:2)-Niederlage, die die Stimmung beim Oberpfälzer Traditionsverein weiter verdüstert.

Dieses Mal wählte Beierlorzer nach der Partie eher ruhige Worte, die dadurch aber fast noch mehr Zündstoff bargen. Er könne keinem Spieler vorwerfen, dass er sich nicht bemüht habe, sagte Beierlorzer mit ausdruckslosem Gesicht. Im Unterton schwang dabei deutlich mit, dass es im Profi-Fußball am Ende aber eben nicht reicht, sich zu mühen, zu laufen und zu kämpfen – wenn man solche Fehler macht, wie seine Mannschaft an diesem Tag.

Beierlorzer hat seine Trainerausbildung bereits vor langer Zeit abgeschlossen. Er wird es nicht mehr erleben müssen, dass die angehenden Fußball-Lehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie vielleicht irgendwann einmal ein Video des Spiels der Heidenheimer gegen den SSV Jahn vorgeführt bekommen. Ein Video, mit dem verschiedenste Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen, veranschaulicht werden können.

„Die ballern fünf Stück aufs Tor und fünf Bälle sind drin. Mit Traumtoren und Standards“, brachte es Jahn-Kapitän Marco Grüttner auf den Punkt. In der Tat durften die Heidenheimer am Mittwochabend alles ausprobieren – und alles klappte.

Die Einzelkritik der Regensburger Spieler gibt es hier:

Der Jahn verliert gegen Heidenheim

Beim 0:1 konnte sich Maximilian Thiel in aller Ruhe aus der Halbdistanz sein Ziel aussuchen, beim 0:2 durfte Robert Glatzel nach einem Freistoß einköpfen, beim 1:3 zeigte wiederum Thiel, wie man sich mit einer Einzelaktion im Strafraum durchsetzt, beim 2:4 demonstrierte Kolja Pusch einen erfolgreichen Fernschuss und beim 2:5 zeigten die Heidenheimer, dass man auch in Unterzahl zum Erfolg kommen kann, wenn man einen Eckball clever und zielorientiert ausführt.

Diese Schwächen in der Abwehr sorgen bei den Regensburgern für Alarmstimmung. Am Samstag steht das Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf der 2. Liga, an. „Die Tore, die wir heute bekommen haben, fallen viel zu leicht. Wir dürfen hinten nicht so leichte Fehler machen, um die Gegner einzuladen“, sagte Regensburgs Mittelfeldmann Marc Lais.

Nach vorne hatte der Jahn gegen Heidenheim schließlich durchaus gut gespielt und auch zwei Treffer erzielt. Das brachte den Regensburgern aber am Ende nichts, weil sie hinten viel zu viele Tore reinbekamen. Beierlorzer wollte hier auch nicht mehr rumdeuteln. Angesichts der Abwehrfehler befand er klipp und klar: „So haben wir keine Chance, gegen Zweitligisten wie Heidenheim zu bestehen.“ Damit sprach er nun aber über einen Klub, der in der aktuellen Tabelle sogar noch hinter dem Jahn steht.

Fans feuern das Team weiter an

Mut dürfte den Regensburgern zumindest machen, dass ihre Fans offensichtlich weiter zu ihnen halten. Die Stimmung in der mit knapp 7000 Zuschauern überschaubar gefüllten Continental-Arena blieb auch nach dem fünften Tor der Heidenheimer noch ruhig. Pfiffe gab es fast gar keine zu hören, die Besucher strömten nach dem Abpfiff zumeist in stiller Enttäuschung zu den Ausgängen.

Muss etliche Fehler seiner Defensive zur Kenntnis nehmen: Jahn-Coach Achim Beierlorzer Foto: Nickl
Muss etliche Fehler seiner Defensive zur Kenntnis nehmen: Jahn-Coach Achim Beierlorzer Foto: Nickl

Aus der Fankurve gab es sogar noch demonstrative Anfeuerung. „Das, was unsere Fans am Schluss mit der Mannschaft gemacht haben, dass sie sie mit hundertprozentiger Unterstützung geflutet haben, das ist richtig klasse“, befand Beierlorzer. Und Sebastian Nachreiner, der als Innenverteidiger wahrlich einen harten Arbeitstag erwischt hatte, freute sich über die Unterstützung der Fans ebenfalls riesig: „Dann ist völlig klar, dass wir da nicht aufstecken und uns schnellstmöglich regenerieren und dann mit vollem Mut unbedingt schauen, dass wir am Samstag in der Liga wieder Punkte holen.“

Weitere Berichte zum SSV Jahn gibt es hier

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