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Abschied

Dult: Der Weinstadl ist Geschichte

Mit dem Betrieb der Familie Bauer verliert das Regensburger Volksfest eine Institution. Doch es gibt schon einen Nachfolger.
von Daniel Steffen

Er war einer der beliebtesten Adressen auf den Regensburger Mai- und Herbstdulten: der Weinstadl von Josef Bauer. Foto: H.C Wagner, Büchl
Er war einer der beliebtesten Adressen auf den Regensburger Mai- und Herbstdulten: der Weinstadl von Josef Bauer. Foto: H.C Wagner, Büchl

Regensburg.Für viele Dultgänger gehörte er zum Volksfest-Besuch dazu wie eine Fahrt mit dem Riesenrad oder eine Einkehr ins Festzelt: Der Weinstadl der Familie Bauer war einer der gefragtesten Adressen auf den Regensburger Dulten. Besonders wochentags zur späten Abendzeit, als die Festzelte ihre Pforten schlossen, kehrten viele Besucher noch für eine Stunde im Zelt ein, um dort gemütlich den Tag ausklingen zu lassen. Auch bei den Dult-Kaufleuten und Schaustellern war der Weinstadl beliebt: Regelmäßig traf man sich dort kurz vor Festbeginn zur Beschickerversammlung, um gemeinsam auf einen erfolgreichen Festverlauf anzustoßen. Nun aber ist all dies Vergangenheit, denn die Kult-Institution wird es auf den Regensburger Dulten nicht mehr geben. Die „RiNG GmbH & Co. Projektentwicklung KG“ hat den Stadl bereits zum Verkauf angeboten.

Der Stadl steht zum Verkauf

Das Ehepaar Bauer bedankt sich bei den vielen treuen Gästen. Foto: H.C Wagner
Das Ehepaar Bauer bedankt sich bei den vielen treuen Gästen. Foto: H.C Wagner

Auf der Webseite des Vorbesitzers sind die Informationen nur dürftig: „Bauers Weinstadl wird auf keiner Dult mehr betrieben“ heißt es dort knapp. Nähere Informationen teilte die Stadt auf Anfrage unseres Medienhauses mit. „Der bisherige Betreiber hat den Weinstadl aus Altersgründen aufgegeben“, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. Deshalb habe sich der bisherige Betreiber (Josef Bauer, Anmerkung d. Red.) auch nicht mehr für die Teilnahme an den Dulten 2018 beworben. Daraufhin habe die Stadt als Veranstalter der Dulten den Standplatz „im Rahmen des regulären Auswahlverfahrens, das jedes Jahr durchgeführt wird, vergeben“. Von Roenne-Styra: „Das Verfahren verlief nach den vom Stadtrat festgelegten offiziellen Bewertungskriterien, die für alle Dultbeschicker gelten.“

„Angefangen haben wir damals klein, mit einer Kapazität von 200 Plätzen.“

Josef Bauer, Wirt des Weinstadl

Josef Bauer bestätigte auf Anfrage unseres Medienhauses, dass er seinen Weinstadl aus Altersgründen und vor allem aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hat. Schon im vergangenen Jahr hätten ihn „schwerwiegende gesundheitliche Probleme“ begleitet, so dass er sich nicht mehr in der Lage gesehen hat, den Betrieb weiterzuführen. Auch deshalb nicht, weil der Betrieb einen „100-prozentigen Einsatz“ erfordere, dem er aus besagten Gründen nicht mehr gerecht werden könne. Allerdings habe es „absolut geeignete Bewerber“ gegeben, die den Weinstadl auf den Regensburger Dulten hätten übernehmen können. „Die Stadt hat sich aber für ein anderes Konzept entschieden. Damit muss ich mich jetzt abfinden“, sagt Josef Bauer.

Alle Berichte und Hintergründe rund um die Dult finden Sie auf unserer Übersichtsseite!

Von Roenne-Styra verweist nochmals auf das Bewerbungsverfahren, bei dem es gewisse Kriterien zu erfüllen seien. Grundsätzlich habe jeder Bewerber eine Chance, doch müsse die Stadt eine Auswahl treffen. Den Zuschlag für den frei gewordenen Platz habe nun ein Regensburger Gastronom erhalten. Um wen es sich handelt, soll bei der Pressekonferenz vor Beginn der Maidult bekannt gegeben werden. Bis zum 10. Oktober 2017 mussten sowohl die Bewerbungen für die Maidult, als auch für die Herbstdult 2018 bei der Stadt eingereicht werden. Die Auswahl obliegt dem Amt für Ordnung und Straßenverkehr.

„Er wird uns fehlen – der Weinstadl mit seinen Bands, dem Ventilator an der Decke und dem freundlichen Bedienpersonal.“

Erich Büchl, Stammgast im Weinstadl

Josef Bauer fällt der Rückzug aus dem „Dultleben“ nicht leicht. „Es hat immer Spaß gemacht“, sagte er rückblickend auf die vergangenen 21 Jahre, in denen er mit seinem Stadl auf jeder Mai- und Herbstdult präsent war. Seine Frau Wilma und er hätten „viel Herzblut“ in den Betrieb gelegt. „Angefangen haben wir damals klein, mit einer Kapazität von 200 Plätzen. Das Geschäft durften wir erfreulicherweise immer wieder vergrößern“, sagt Bauer.

„Die Bayerischen 3“ traten regelmäßig im Weinstadl auf. Foto: Steffen
„Die Bayerischen 3“ traten regelmäßig im Weinstadl auf. Foto: Steffen

Nach dem jüngsten Ausbau vor fünf Jahren erreichte der Weinstadl seine heutige Kapazität von 750 Plätzen. Während der Innenbereich 400 Gästen Platz bietet, können im Biergarten rund 350 Besucher bewirtet werden. Diese Plätze hätten sich auch regelmäßig gefüllt –nicht zuletzt der „50 bis 60 Prozent Stammgäste“ wegen. Auch freute er sich darüber, dass mit der Zeit immer mehr junge Gäste in den Stadl gekommen seien – und dies vornehmlich in Tracht. „Auch sie haben an dem urigen Ambiente Gefallen gefunden“, sagt Bauer. Gastronomisch setzte er primär auf traditionelle bayerische Küche, bot aber auch selbst gemachte Kuchen für die nachmittäglichen Besucher an.

Erinnerung an legendäre Abende

Stammgäste wie Erich Büchl macht die Nachricht vom Ende einer langjährigen Tradition traurig: „Er wird uns fehlen – der Weinstadl mit seinen Bands, mit dem Ventilator an der Decke, dem freundlichen Bedienpersonal und den schwarz gekleideten Herren der Security“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau Dagmar war er etwa dreimal pro Dult zu Gast im Weinstadl. An die „schönen Wochenenden“ mit den „Bayerischen 3“ hat er besonders schöne Erinnerungen. Die Band habe dem Publikum im Stadl so richtig eingeheizt, sagt er in der Gewissheit, dass all dies nun der Vergangenheit angehört.

Erich Büchl war im Weinstadl gern zu Gast –und schätzte vor allem das „freundliche Personal“. Foto: Büchl
Erich Büchl war im Weinstadl gern zu Gast –und schätzte vor allem das „freundliche Personal“. Foto: Büchl

Hans Reiger trat als Musiker 18 Jahre lang im Weinstadl auf. Bis zu sechs Mal pro Dult stand er im Stadl auf der Bühne – und dies sehr gern. „Ich habe das Regensburger Publikum immer als freundlich und angenehm empfunden“, sagt er. Als Musiker habe er sich im Weinstadl stets „gut angenommen“ gefühlt. Als Zugabe spielte er immer sein beliebtes Lied „I, da Kirwa-Hans“.

Um einen kompletten Abschied der Gastronomen-Familie Bauer handelt es sich allerdings nicht. „Wir würden uns sehr freuen, wieder am Regensburger Christkindlmarkt teilnehmen zu dürfen und unsere Gäste dort willkommen zu heißen“, sagt Wilma Bauer. An ihrem Stand schenken die Bauers unter anderem Glühwein aus. Für die jahrelange Treue der Dult-Besucher bedankt sich das Wirtspaar herzlich.

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Familie Bauer

  • Wilma und Josef Bauer

    waren 21 Jahre lang die Inhaber des Betriebs „Bauers Weinstadl“ auf den Regensburger Dulten. Den urig anmutenden Weinstadl haben sie 1997 selbst bauen lassen, anfangs noch mit einer Kapazität von 200 Plätzen. Immer wieder wurde der Stadl erweitert und bot zuletzt 750 Dultbesuchern Platz.

  • Insgesamt

    war Josef Bauer mehr als 40 Jahre lang in der bayerischen Gastronomie tätig. (mds)

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