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Sicherheit

E-Busse: Leise ist gut, zu leise riskant

Fußgänger hören Elektromobile erst, wenn sie schneller als 30 km/h sind. Braucht dann der E-Bus eine künstliche Klangwolke?
Von Heinz Klein, MZ

Ein E-Bus der Wiener Stadtwerke fuhr als Probebus monatelang durch die Regensburger Altstadt, allerdings ohne Warnton. Zu größeren Problemen mit Fußgängern kam es dabei nicht.
Ein E-Bus der Wiener Stadtwerke fuhr als Probebus monatelang durch die Regensburger Altstadt, allerdings ohne Warnton. Zu größeren Problemen mit Fußgängern kam es dabei nicht. Foto: Archiv

Regensburg.In ziemlich genau einem Jahr werden die ersten Elektrobusse die herkömmlichen großen Altstadtbusse ablösen. Ein Segen, wenn sich statt der dieselgetriebenen Busmonster kleine, abgasfreie E-Busse nasenschonend durch die fußgängerbevölkerten Altstadtgassen schlängeln. Es werden allerdings im kommenden Jahr nicht gleich fünf, wie vor kurzem noch von Oberbürgermeister Wolbergs angekündigt, sondern nur zwei E-Busse gekauft. Drei weitere sollen dann später im Laufe des Jahres 2017 angeschafft werden, berichtete RVV-Sprecher Martin Gottschalk auf Anfrage der MZ.

E-Mobilität ist sauber und leise. Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h allerdings so leise, dass daraus Gefahren entstehen können. Denn nicht wenige Fußgänger orientieren sich zunächst rein akustisch und schauen erst beim Betreten der Straße ganz gezielt, ob ein Fahrzeug im Anrollen ist. Wer allerdings keinen oder nur einen sehr eingeschränkten Sehsinn hat, ist einzig auf die Ohren angewiesen und so kann die leise E-Mobilität für blinde Menschen durchaus riskant werden. Auch eine weitere Gruppe gehört zum Risikopotenzial: es sind die permanenten Smartphone-Benutzer, die zwar nicht blind, aber doch oft ziemlich blind für ihre Umgebung sind.

„Wir würden es im Sinne der blinden Menschen sehr begrüßen, wenn der E-Bus mit warnenden Geräuschen unterwegs ist.“

Rudolf Pichlmeier

Auch vorzugsweise Senioren, die oftmals schlecht hören, müssen sich beim Thema Elektromobilität Gedanken machen. Die leisen E-Mobile waren bislang im Seniorenbeirat aber noch kein hei´ß diskutiertes Thema, sagt der Beirat Klaus Lieske. Beim Bezirksverband des Bayerischen Blindenbunds macht man sich diesbezüglich mehr Gedanken. „Wir würden es im Sinne der blinden Menschen sehr begrüßen, wenn der E-Bus mit warnenden Geräuschen unterwegs ist“, sagte Bezirksgruppenchef Rudolf Pichlmeier. Andernorts hat man die gewünschte Geräuschkulisse bereits durchgefochten. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin beispielsweise forderte für die Berliner E-Busse eine Ausstattung mit Geräuschgeneratoren.

Noch leiser als E-Busse sind Elektroautos. Um eine Kollision unachtsamer Passanten mit Elektrofahrzeugen zu vermeiden, arbeitet ein EU-Gemeinschaftsprojekt mit Mitgliedern aus Technik, Autoindustrie und europäischem Blindenverband an einem europaweiten Standard für E-Mobile, der bald eine gesetzliche Grundlage erhalten soll. Derweil haben Autohersteller bereits Sounddesigner beauftragt, entsprechende Warngeräusche zu komponieren. Ein Weg wäre die Geräuschwiedergabe von herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Warnsignale in Form von Klingel- oder Alarmtönen soll es eher nicht geben.

Anklänge an Raumschiff Enterprise

Ob auch die ersten Regensburger E-Busse in der Altstadt mit Geräuschverstärkern oder Soundgeneratoren ausgestattet sein werden, ist noch nicht entschieden, sagte Martin Gottschalk. Im E-Cluster, einem Verbund von Regensburger Technologiefirmen, die die künftigen Regensburger E-Busse noch konfigurieren sollen, steht die Frage nach einer Geräuschkulisse bereits auf der Tagesordnung.

Kommentar

Gesucht: Ein E-Bus-Sound

Regensburg steht vor einer akustischen Herausforderung. Wenn im Spätherbst 2016 die ersten E-Busse leise durch die Altstadt schnurren, werden sie aus Sicherheitsgründen...

Der Rampini-E-Bus, den sich Regensburg von den Stadtwerken Wien für einen Probebetrieb ausgeliehen hatte, fuhr fünf Monate ohne spezielle Zusatzgeräusche durch die Altstadt. Die Erfahrungen waren gut, es habe keine Probleme oder Zwischenfälle mit Fußgängern gegeben, wusste Martin Gottschalk von Fahrern, die mit dem E-Bus tagtäglich unterwegs gewesen waren. Sporadisch habe es von Seiten der Bürger Anregungen gegeben, der elektrische Bus solle lieber etwas lauter unterwegs sein.

Die Geräuschefrage war auch bei einer Pressekonferenz zum Thema Elektrobus angeklungen. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hatte dabei von einer Art „Regensburglied“ orakelt, das aber mit einem Augenzwinkern getan.

Noch leiser als Elektrobusse sind Elektroautos. Freilich sind noch nicht viele dieser Leisetreter unterwegs. Bei der Regensburger Polizei kann man sich nicht erinnern, dass es dabei schon Kollisionen zwischen Fußgängern und E-Mobilen gegeben hätte. Die Statistiken zum Unfallgeschehen geben diesbezüglich allerdings noch keine Auskunft, weil Elektrofahrzeuge noch nicht gesondert ausgewiesen werden, bedauerte Marco Müller, Sprecher des Polizeipräsidiums.

Einige E-Autos sind aber bereits mit Warnton unterwegs. Ein Autohersteller kündigte nun an, sein E-Mobil mit sechs Lautsprechern auszustatten, die einen Ton aussenden, der an das Raumschiff Enterprise erinnern soll, jedoch fünf Dezibel leiser ist, als das Geräusch eines Verbrennungsmotors.

Tanken mit E-Mobilen

  • Die ersten E-Ladesäulen

    sind in den Parkhäusern Petersweg und Dachauplatz, in der Tiefgarage am Theater, am Ernst-Reuter- und am Arnulfsplatz, beim Donau-Einkaufszentrum, bei der Sparkasse Lilienthalstraße, am Köwe-Center, am Lehrerparkplatz in Neutraubling und in Obertraubling sowie am Parkplatz Mitte im Markt Lappersdorf installiert.

  • Weitere Ladesäulen

    sollen noch bis Endes des Jahres entstehen, und zwar in Obertraubnling an der Realschule und ganz aktuell diese Woche an der Maschinenfabrik Reinhausen, dem Gymnasium in Lappersdorf sowie in Neutraublung bei Globus. Auch am dortigen Kreiskrankenhaus soll noch heuer eine Ladestation entstehen.

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