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Wirtschaft

Eckert schließt zwei Fachschulen


Von Thomas Rieke, MZ

Für rund 65 junge Menschen, die sich bei den Eckert Schulen ausbilden lassen, ergeben sich einschneidende Veränderungen. Der Vorstand des „privaten Lehrinstituts“ hat im April beschlossen, die beiden Berufsfachschulen für Masseure und Ergotherapeuten, die an der Puricellistraße angesiedelt sind, aufzugeben. Die Physiotherapie, die erst 2010 von Regenstauf nach Regensburg verlagert worden war, soll in die nördliche Stadtrandgemeinde zurückkehren.

Die Betroffenen wurden vor wenigen Wochen informiert – und von der Entscheidung völlig überrascht. Die Empörung ist teils groß, denn viele sagen, ihnen sei vor Beginn der Ausbildung versichert worden, dass dieselbe ausnahmslos in Regensburg stattfinden werde. Manch einer hat deshalb in der Stadt extra eine Wohnung gesucht, um die Schulwege möglichst kurz zu halten.

„Beschluss ist ganz frisch“

Bei Eckert bestreitet Vorstandsmitglied Willy Ebneth, der für die Schulen zuständig ist, man habe nicht rechtzeitig mit offenen Karten gespielt. Zwar deutete der äußere Zustand des Gebäudes, in dem die Massage und die Physiotherapie untergebracht sind, sowie ungenutzte Flächen schon länger darauf hin, dass sich die Führungsetage über die Zukunft des Komplexes Gedanken machte. Doch der Beschluss, noch heuer die Notbremse zu ziehen, sei „ganz frisch“, versichert Ebneth. Er sei erst kurz nach Ostern gefällt worden.

Nach Angaben des Geschäftsführers haben neueste Berechnungen ergeben, dass die Schulen für Massage, medizinische Bademeister und Ergotherapie nur noch Verluste einfuhren. Niemand aber könne es sich leisten, auf Dauer rote Zahlen zu schreiben. Es habe deshalb keine andere Wahl gegeben, als zwei Zweige zu schließen. Außerdem, so Ebneth weiter, sei es völlig legitim, Auszubildenden und Lehrern zum Ende eines Schuljahres einen Ortswechsel zuzumuten, und natürlich habe man die Angelegenheit vorab auch mit der Regierung der Oberpfalz abgeklärt.

Konsequenzen für Schüler zu wenig bedacht?

Dass Eckerts Weichenstellung juristisch schwer anzufechten ist, bezweifelt seitens der Schüler kaum jemand. Allerdings ist man über die Art und den Zeitpunkt der Information sowie die Umsetzung der unternehmerischen Entscheidung enttäuscht. Über die Folgen für die Schüler hätten sich die Verantwortlichen, wenn überhaupt, zu wenig Gedanken gemacht, heißt es. Nach MZ-Informationen müssen einige ihre Ausbildung sogar abbrechen, weil sie die Unterrichtszeiten in Regenstauf nicht mehr mit ihren Jobs in Regensburg, mit denen sie sich den Lebensunterhalt finanzieren, unter einen Hut kriegen.

Ebneth sieht die Auswirkungen in der Breite weit weniger dramatisch. Fünf Ergotherapeuten, die sich erst im ersten Ausbildungsjahr befinden, seien erfolgreich an die Döpferschulen vermittelt worden. Ältere Semester und die Masseure bis Juli 2014 noch von Eckert selbst in Regensburg zum Examen geführt.

Für die angehenden Physiotherapeuten ergibt sich das Problem der Schulwegkosten. Azubis klagten gegenüber der MZ, das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs zwischen Regensburg und Regenstauf sei zu unattraktiv. Wer deshalb ein eigenes Auto nutze, komme, selbst wenn er Fahrgemeinschaften bilde, auf monatliche Ausgaben von rund 100 Euro – zusätzlich zum obligatorischen Schulgeld von rund 340 Euro, das bei Eckert zu entrichten ist. Das überschreite das Budget teils deutlich, vor allem jener Schüler, die noch mehrere Ausbildungsjahre vor sich haben.

Das Schulgeld reduziert

Bei Eckert bringt man in gewisser Hinsicht Verständnis für den Unmut auf und hat den Schülern mittlerweile eine Reduzierung der monatlichen Gebühren um zehn Prozent angeboten. Einige erklärten sich damit einverstanden, andere haben jedoch wesentlich höhere Vorstellungen, die Willy Ebneth nur den Kopf schütteln lassen.

„Eine Reihe von Schülern rechnet uns vor, sie würden wegen der Verlegung des Unterrichtsortes mit rund 190 Euro belastet. Sie drängen deshalb auf eine drastische Minderung des Schulgelds. Das geht an die 50 Prozent, und das ist für uns einfach nicht machbar.“

Ebneth verweist in diesem Zusammenhang auf einen kostenlosen (aus Schülersicht freilich meist überfüllten) Schulbus des Unternehmens, der morgens und am späten Nachmittag zwischen Regenstauf und Regensburg verkehre. Außerdem hat er sich die angegebenen Wohnorte der Schüler genauer angeguckt und dabei festgestellt, „dass es für die Hälfte unterm Strich günstiger ist, wenn sie die Schule in Regenstauf besuchen“. Abgesehen davon sei Regenstauf so unattraktiv auch wieder nicht, und rein vom schulischen Standpunkt aus betrachtet gebe es hier sogar etliche Vorzüge. „Die Qualität des Unterrichts ist jedenfalls genauso gesichert, wie es in Regensburg der Fall ist,“ betont Ebneth.

Gebäude werden abgebrochen

Masseure und Ergotherapeuten bleiben also größtenteils bis Sommer 2014 in der Puricellistraße und werden in einem Eckert-Bau ausgebildet, der erst 2010 saniert wurde. Anders sieht es mit dem Bau der Physiotherapeuten aus. Der soll ebenso wie das Parkhaus in unmittelbarer Nähe Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres abgebrochen werden. Die Immobilien sind marode; an einigen Stellen ist die Fassadenverkleidung brüchig oder abgefallen, im Parkhaus sollen sich immer wieder Betonbrocken gelöst haben.

Entgegen anderslautender Gerüchte, bleibt Eckert allerdings Eigentümer des Areals – und wird es auch selbst wieder bebauen. Allerdings nicht mit schulischen Einrichtungen, sondern Mietwohnungen, die im Eigenbestand bleiben. Mit Details dazu könnte Eckert schon in wenigen Wochen aufwarten, wurde in Aussicht gestellt.

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