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Ökonomie

Effekte meist kleiner als erhofft

Markus Kurscheidt ist Volkswirt und Sportprofessor. Er erklärt die wirtschaftlichen Auswirkungen des Challenge Regensburg.
Von Julia Ried, MZ

Markus Kurscheidt, Professor für Sport-Governance und Eventmanagement an der Universität Bayreuth Foto: Universität Bayreuth
Markus Kurscheidt, Professor für Sport-Governance und Eventmanagement an der Universität Bayreuth Foto: Universität Bayreuth

Regensburg.Die Stadt erwartet, dass der Challenge Regensburg eine „immense wirtschaftliche Steigerung“ bringt. Ist das realistisch?


Da sind meistens die Erwartungen höher als der Gewinn in der Realität. Das Hauptproblem ist, dass nur ein wirtschaftlicher Impuls entsteht, wenn frisches Geld von außen in den lokalen Wirtschaftskreislauf reinkommt. Das passiert, wenn Organisationsausgaben von außen in der Region bleiben. Bei solchen Veranstaltungen, die von der Masse der Teilnehmer leben, bezieht sich die wirtschaftliche Wirkung aber hauptsächlich auf die Konsumausgaben von Sportlern und Zuschauern, wobei Ausdauersportveranstaltungen vergleichsweise wenig überregionale Zuschauer anlocken.

Unter welchen Voraussetzungen profitiert eine Region von einer solchen Veranstaltung?


Zentral ist, dass die Personen, die Geld ausgeben, von außerhalb kommen und ansonsten nicht kommen würden. Dann ist die Frage, wie viele der Teilnehmer höhere Summen ausgeben – um die 90 Euro oder mehr für mindestens eine Übernachtung plus Verpflegung. Vielmehr geben die Teilnehmer und Besucher einer solchen Veranstaltung nicht aus. Denn die kommen für den Sport. Ambitionierte Teilnehmer kommen vielleicht etwas früher, um sich vorzubereiten, und eventuell nehmen sie noch etwas Erholung mit. Die Erfahrung bei Ausdauersportlern zeigt eher, dass ein Tag früher angereist wird, aber nicht unbedingt, dass fünf Tage dort verbracht werden.

Was sind Ihre Erfahrungen aus anderen Städten: Wie groß ist der Anteil der Teilnehmer von außerhalb?

In unseren Studien findet man oft, dass ein Drittel der Zuschauer und der Teilnehmer wirklich frisches Geld von außerhalb in die Stadt bringen. Bei Regensburg kann man insofern ein Fragezeichen dahinter setzen, weil die Stadt ohnehin Oberzentrum der Region ist und die Veranstaltung noch nicht so etabliert ist, dass sie nationales und internationales Klientel anzieht – wie der Challenge Roth.

Der Challenge Regensburg hatte 2017 etwa 1100 Teilnehmer, 380 davon waren Einzelstarter auf der Langdistanz. Was schätzen Sie, was bringt er der Stadt wirtschaftlich?

Vermutlich werden durch den Challenge nicht mehr als 300 oder 400 Personen zusätzliches Geld in der Region Regensburg lassen. Realistisch ist, dass sie pro Kopf zwischen 60 und 120 Euro ausgeben. Es gibt eine kritische Diskussion unter Ökonomen, inwiefern sich so ein wirtschaftlicher Impuls multipliziert und weitere Aktivität schafft. Mittlerweile rechnet man nicht mehr mit einem großen Zusatzplus: Man könnte diesen Primär-Impuls mal 1,2 oder 1,5 nehmen. Je nach Verlauf und Anzahl von Begleitpersonen ist maximal vorstellbar, dass insgesamt im unteren sechsstelligen Bereich ein Impuls stattfindet, mit mehr würde ich nicht rechnen.

Hoteliers, Gastronomen und Händler berichten, dass am Challenge-Wochenende Stamm- oder Laufkundschaft fernblieb.

Der Verdrängungseffekt ist bei einer so kurzen Dauer über das Jahr hinweg nicht relevant. Oft handelt es sich um eine reine Verschiebung.

Wie groß ist der Marketing-Effekt?

Natürlich hat man wieder ein Ereignis, worüber berichtet wird. Dadurch fällt der Name der Stadt. Wenn man Glück hat, gibt es einen knappen Bericht im Fernsehen, aber eher regional. Wie viel an Kommunikationswirkung im engeren Sinn hängen bleibt, ist vorsichtig zu bewerten. Nichtsdestotrotz ist auf jeden Fall ein Aufmerksamkeitseffekt da. Auch hier ist die qualitative Bewertung ein Punkt. Wenn Regensburg als Sportstadt noch nicht so etabliert ist, erzeugt man mit so einem Triathlon eine andere Aufmerksamkeit für die Stadt. Man erschließt sich ein neues Klientel – und das Ausdauersport-Klientel ist attraktiv, im Durchschnitt sind das gebildete, ordentlich verdienende Leute.

Die Stadt setzt darauf, dass der Tourismus über das Veranstaltungs-Wochenende hinaus profitiert, dass Teilnehmer zum Teil länger bleiben und wiederkommen. Was muss die Branche dafür tun?

Wenn Besucher wiederkehren, ist das ein richtiger Gewinn. Ein Selbstläufer ist das nicht. Man muss zwei, drei Dinge fokussieren: Man muss Attraktivität rund um die Veranstaltung schaffen und Verknüpfungen zu anderen Attraktionen, um Anreize zu setzen und dafür zu sorgen, dass Leute früher an- und später abreisen. Der zweite wichtige Punkt ist, dass man während der Veranstaltung Lust auf mehr schafft. Der dritte Punkt ist, dass man Pakete anbietet – und so auch darauf hinwirkt, dass mehr Begleitpersonen mitgebracht werden.

Was bringt der Challenge Regensburg als Sportstadt?

Im engeren Sinn effektiver für die lokale Sportentwicklung sind Massenveranstaltungen, an denen die Bevölkerung aus der Stadt und dem Umland sehr stark teilnimmt. Der Challenge ist mehr eine Investition in die Außenwirkung – die sich in der längeren Frist lohnen kann.

Sehen Sie das Potenzial, dass sich die Investition lohnt?

Sicherlich ist eine Chance da. Ich finde die Grundkonstellation vernünftig: Veranstalterin Sonja Tajsich hat eine hohe Glaubwürdigkeit und eine Repräsentationsfunktion für die Region. Hier profitiert man von dieser Galionsfigur.

Die Stadt unterstützt den Challenge mit aktuell 75 000 Euro Zuschuss und Leistungen im Wert von bis zu 200 000 Euro jährlich. Ist es das wert?

Es ist nicht wenig – aber absolut nachvollziehbar. Die wenigsten Städte können sich so etwas leisten. So eine Stadt wie Regensburg muss natürlich auch einen etwas stärkeren Akzent setzen. Allerdings sollte man von der unmittelbaren wirtschaftlichen Wirkung nicht zu viel erwarten – zumal sie am Standort Regensburg im Verhältnis gering ist.

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