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Kultur

Ein akustisch-visueller Hochgenuss

Die Stummfilmwoche weicht von ihrem bisherigen Konzept ab. Erstmals folgen die Filme einem Schwerpunkt: Juden und Christen.
von Elisabeth Angenvoort

Kooperation: Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg Ilse Danziger, Dr. Nicole Litzel vom Arbeitskreis Film e.V., der Musikalische Leiter des JCOM Daniel Grossmann, Sabine Freudenberg vom Vorstand der evangelisch-lutherischen Gemeinde Regensburg und die Leiterin des Kulturamts Regensburg Christiana Schmidbauer (von links). Foto: Elisabeth Angenvoort
Kooperation: Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg Ilse Danziger, Dr. Nicole Litzel vom Arbeitskreis Film e.V., der Musikalische Leiter des JCOM Daniel Grossmann, Sabine Freudenberg vom Vorstand der evangelisch-lutherischen Gemeinde Regensburg und die Leiterin des Kulturamts Regensburg Christiana Schmidbauer (von links). Foto: Elisabeth Angenvoort

Regensburg.Mit einem Meisterwerk aus der Frühzeit des Kinos wurde die 37. Regensburger Stummfilmwoche eröffnet: Unter dem Dirigat von Daniel Grossmann erfüllten zwölf Musiker des Jewish Chamber Orchestras Munich (JCOM) das Drama „Das alte Gesetz“ aus dem Jahr 1923 mit faszinierend neuem Leben. Bereits die Anspielprobe sei großartig gewesen, sagte Dr. Nicole Litzel vom Arbeitskreis Film e.V. (AK Film) vor Beginn des Filmkonzerts am Dienstagabend. Es sei der Stadt Regensburg zu verdanken, die hochkarätigen Musiker aus München heute hier zu haben, betonte sie.

Die Idee, die „großen fünf Filme“ zu Juden und Christen als thematische Einheit zu zeigen, bestehe seit mehreren Jahren, erklärte Christiana Schmidbauer, Leiterin des Kulturamtes Regensburg, zur Begrüßung. Das Jahresthema der Stadt Regensburg „Stadt und Gesellschaft“, dessen historischer Anlaß das Gedenken an die Judenvertreibung vor 500 Jahren ist, sei der Anlaß dafür gewesen, vom traditionellen Konzept abzuweichen und einen thematischen Schwerpunkt zu setzen.

Im Namen der Stadt Regensburg bedankte sich MdL Kerstin Radler bei allen Mitarbeitern des AK Film, durch deren „Engagement mit Herzblut“ diese „ungemeine Bereicherung des kulturellen Lebens in Regensburg“ erst möglich geworden sei. Die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte sei heute wichtiger denn je, halte man sich die Geschehnisse vor Augen, die derzeit „aus allen Ecken kriechen“.

Auch mit der Wahl der Veranstaltungsorte setzte man ein Zeichen: Die Neupfarrkirche wurde bekanntlich auf dem Schutt des Jüdischen Viertels errichtet, und das Zentrum der Jüdischen Gemeinde Regensburg bedeutet seit seiner Eröffnung im Februar dieses Jahres eine unschätzbare Bereicherung für die Stadt. Das JCOM, einem Millionenpublikum bekannt durch seinen Gastauftritt im Schweizer Tatort „Die Musik stirbt zuletzt“ (2018), begleitete die aufwendig restaurierte und digitalisierte Filmversion „Das alte Gesetz“ von 2017 auf wunderbar zurückhaltende und zugleich intensive Weise. Die Musik ist ein Werk des französischen Komponisten Philippe Schoeller und wurde bei der Filmpremiere auf der Berlinale 2018 uraufgeführt. Es könnte „überraschend klingen“, sagte Daniel Grossmann in seiner kurzen Einführung. Unerwartete akustische Momente gab es zweifelsohne.

Der Komponist folgt auf musikalischer Ebene bewusst einem neuen Ansatz, indem er durch seine Musik das Innenleben der Protagonisten hörbar macht, das sich immer wieder als tief empfundene Zerrissenheit manifestiert. Dabei sind die Themen so alt wie die Menschheit selbst: Es geht um Identitätsfindung zwischen den Grenzen von alten Traditionen und Selbstverwirklichung. Der ewige Konflikt der Generationen ist hier noch verstärkt durch die Herkunft des jungen Juden Baruch, der sich - scheinbar -gegen das „alte Gesetz“ wendet und „mit Hamlets Schicksal auch sein eigenes“ entscheidet. Die Handlung wandelt sich zum „Spiel im Spiel“, sodass die tiefe Gefährdung der einzelnen Personen doppelt spürbar wird, in den von Baruch auf der Bühne übernommenen Rollen eines Hamlet, Romeo und zuletzt Don Carlos. Parallel zur visuellen Manifestation der unterschiedlichen Welten, in denen sich die Darsteller bewegen, korrespondiert die Musik mit den „hinreißenden Regiefeinheiten“ von Ewald André Dupon, die „bei der Heikligkeit des Themas nicht immer leicht gewesen sein mag“, wie es in der Lichtbild-Bühne vom 3. November 1923 heißt.

Am Ende schließt sich der Kreis, als der sterbende Rabbi erkennt, dass es doch „mehr gibt zwischen Himmel und Erde“: „Über dem Gesetz, das der Herr uns gegeben hat, steht das Herz, mit dem wir erschaffen wurden“. Ein nachhhaltig beeindruckender Filmkonzert-Abend mit klarer Botschaft.

die filmwoche

  • Veranstalter: Arbeitskreis Film Regensburg e.V.

  • Unterstützung: durch den Kulturfond der Ev.-Luth. Kirche in Bayern und der Stadt Regensburg

  • Kooperation: mit der Gemeinde Neupfarrkirche und der Jüdischen Gemeinde Regensburg

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