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Bürgerversammlung

Ein Brückenschlag spaltet Stadtamhof

Der geplante Holzgartensteg sorgt erneut für Diskussionen in Regensburg. Ein Antrag fordert den sofortigen Planungsstopp.
Von Anna Jopp

Viele Besucher kamen am Mittwochabend in den Salzstadel: Kein Wunder, es ging um das Reizthema Holzgartensteg. Foto: Lex
Viele Besucher kamen am Mittwochabend in den Salzstadel: Kein Wunder, es ging um das Reizthema Holzgartensteg. Foto: Lex

Regensburg.Schon im Mittelalter, sagt Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, haben Brücken die Menschen in Regensburg miteinander verbunden. „Ich bin froh,dass wir in dieser Stadt seit Jahrhunderten immer wieder über Brücken diskutieren und Brücken bauen.“ Angesichts der teils hitzigen Debatte zum Thema Holzgartensteg auf der Bürgerversammlung des Stadtteils Stadtamhof am Mittwoch war ihr diese Freude allerdings nicht immer anzusehen.

Das Thema Brücken, da sollte die Bürgermeisterin recht behalten, bewegt die Regensburger Gemüter bis heute. Über zwei Stunden lang diskutierten die Anwohner teilweise lautstark allein über die geplante Fahrradbrücke vom Grieser Spitz an das nördliche Donauufer. Drei schriftliche Anträge zum Thema waren bereits im Voraus eingereicht worden und wurden vor Ort von den Antragsstellern begründet und anschließend debattiert. Einer davon muss, nach mehrheitlicher Zustimmung der Anwesenden, nun innerhalb der nächsten drei Monate im Stadtrat behandelt werden.

Pläne sollen zur Unesco

Der Urheber dieses Antrags, Walter Cerull, wirft der Stadt vor, ein „Brückenmonster“ zu bauen, dass das Naherholungsgebiet Grieser Spitz unwiederbringlich zerstören könnte. Auch ist er überzeugt, dass die Unesco der Stadt Regensburg den Weltkulturerbestatus aberkennen werde, sollte die Brücke tatsächlich gebaut werden. Er fordert deshalb den Stadtrat auf, den Planungsbeschluss zum Neubau des Steges aufzuheben oder die Pläne unverzüglich bei Icomos, der internationalen Bewertungsstelle für Welterbestätten, vorzulegen. Die etwa 200 Teilnehmer der Bürgerversammlung begrüßten Cerulls Ausführungen teils mit lautem Applaus, während andere sich ausdrücklich distanzierten.

„Eine Monsterbrücke würden wir doch niemals bauen!“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Bürgermeisterin der Stadt Regensburg

Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer zeigte sich verwundert, dass Cerull bereits jetzt genaue Maße und bauliche Details der „Monsterbrücke“ beschreiben könne und verwies darauf, dass gestalterische Pläne zur Umsetzung des Holzgartenstegs noch überhaupt nicht vorlägen. „Kein Mensch will ein Naherholungsgebiet zerstören. Wir werden einen Wettbewerb abhalten und wenn dabei tatsächlich ausschließlich ‚Monster‘-Entwürfe herauskommen, dann werden diese Entwürfe nicht gebaut!“ Die Brücke sei der ausdrückliche Wunsch vieler Radfahrer. Ziel des Planungswettbewerbs sei es, Lösungen zu finden, die für sämtliche Parteien tragbar seien. Für die Kommunikation mit der Unesco sei das städtische Welterbe-Steuerungskomitee zuständig, das aus externen, kritischen Experten bestünde und Empfehlungen an die internationale Organisation abgebe. Auch diese Problematik werde selbstverständlich in den Planungswettbewerb miteinbezogen.

Neue Fahrradbrücke

  • Der Steg:

    Der Holzgartensteg soll den Maria-Beer-Platz im Neubaugebiet hinter dem Reinhausener Damm mit dem Grieser Spitz verbinden.

  • Die Nord-Süd-Route:

    In Verbindung mit dem bestehenden Grieser Steg, der in den kommenden Jahren saniert wird, soll der Holzgartensteg eine schnelle Radverbindung abseits der Autostraßen bilden.

Graziles Stahlkonstrukt

Peter Bächer, Leiter des Tiefbauamtes, stellte die bisher bekannten Eckdaten des neuen Stegs vor. Gerade wegen dessen prominenter Lage werde die optische Gestaltung des Holzgartenstegs deutlich ernster genommen, als das bei reinen Funktionsbrücken in der Peripherie der Fall sei. Geplant sei „ein sehr filigranes Bauwerk, wahrscheinlich aus Stahl“. Die Rampe für Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen solle den Höhenunterschied zwischen Brücke und Ufer in Wendelform überwinden, anstatt gerade in die Donauinsel hineinzuragen. Für Unmut und höhnisches Gelächter bei vielen Anwohnern sorgte jedoch die Ankündigung, der Verbindungsradweg zwischen dem neuen Holzgartensteg und dem dann sanierten Grieser Steg werde jeden Tag von voraussichtlich 2000 Radfahrern genutzt werden. Ein Widerspruch zu einem Fortbestand des Naherholungsgebietes sieht Bächer darin nicht: Abgesehen von dem neuen Radweg bleibe der restliche Grieser Spitz schließlich weitgehend unangetastet.

Die Anwohner am Grieser Spitz fürchten um die Zukunft ihres Naherholungsgebietes. Foto: Steffen / Archiv
Die Anwohner am Grieser Spitz fürchten um die Zukunft ihres Naherholungsgebietes. Foto: Steffen / Archiv

Die beiden anderen schriftlichen Anträge zu dem geplanten Projekt schlugen denn auch deutlich versöhnlichere Töne an: „Ich freue mich auf die Brücke – steinigen Sie mich nicht!“, sagte etwa Markus Gradl aus Reinhausen. Er träume seit Jahren davon, bequem und abseits großer Verkehrsstraßen zu Fuß oder mit dem Rad nach Stadtamhof zu kommen. Gegen die Angst vor Rasern und zu viel Verkehr, die in einigen Wortmeldungen vorgebracht worden war, merkte er an, dass die Brücke gerne auch mit Barrieren an den Enden gestaltet werden könnte, die Radfahrer zum Schieben animierten.

Bauvorhaben

Angst vor „Monsterbrücke“ in Regensburg

Wie der geplante Steg vom Stadtnorden zum Grieser Spitz aussehen soll, steht noch nicht fest. Anwohner befürchten Schlimmes.

Das Ende der Naherholung?

„Eine Veränderung kommt nicht immer einer Zerstörung gleich“, sagte auch der Anwohner Jochen Buck und bezog sich dabei auf seine Erfahrung als früherer Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes. Er bat jedoch darum, den Wettbewerb in jeweils interdisziplinären Teams aus Ingenieuren, Architekten und Landschaftsgärtnern anzugehen und möglichst auch die ohnehin mittelfristig angedachten Baumaßnahmen für den allgemeinen Hochwasserschutz in Stadtamhof gleich in die Planung miteinzubeziehen. Einen völlig neuen Gesichtspunkt brachte hingegen eine Anwohnerin aus der Paarstraße ins Spiel: Sie sieht ihre Privatsphäre und ihre Nachtruhe gefährdet, wenn Brückennutzer direkten Einblick in ihr Wohnzimmer hätten und die Brückenbeleuchtung die Anwesen in der Paarstraße womöglich taghell erleuchtete.

Trotz der vielen Anträge und Wortmeldungen: Von der Position der Gegenseite überzeugt erschienen nach Ende der Bürgerversammlung auch weiterhin weder die Stegbefürworter noch die Gegner. Die Bürgermeisterin verwies für weitere Diskussionen auf eine zusätzliche Infoveranstaltung am 3. April im Welterbezentrum Salzstadl, bei der die Anwohner genauer über das Planungs- und Bauvorhaben informiert werden sollen und Ideen zu Alternativrouten sowie eigene Anregungen einbringen können.

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