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Dienstag, 25. September 2018 15° 2

Serie

Ein Deutschkurs auf der Theaterbühne

Kei Muramoto spielt in der Gruppe „Babylon“ an der Uni Regensburg mit – für den Studenten aus Japan eine Herausforderung.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Im Stück „Die Herren der Welt“ spielt Kei Muramoto (hier mit Tanja Yakovleva als Marquise von Châteauneuf) Jack. Ende Juni ist Premiere. Foto: Knobloch
  • Student Kei Muramoto und eine andere „Babylon“-Teilnehmerin machen sich bei einer „Spiegel-Übung“ warm für die Probe. Foto: Knobloch

Regensburg.Ding-dong. Es klingelt. „Um diese Stunde?“, fragt Prinzessin Diane erstaunt den Butler. Vielleicht ist es der Sekretär, der bereits erwartet wird. Doch vor der Tür des Schlosses steht ein junger Mann in einem durchnässten Mantel, der sich als Roderick Algernon Elmsby oder kurz als Jack vorstellt. „Ich muss Sie um Verzeihung bitten, gnädiges Fräulein, dass ich Sie störe, so spät in der Nacht. Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, wurde von dieser Sintflut überrascht.“

Die Rolle des Jack spielt der 21-jährige Kei Muramoto. Der Austauschstudent aus dem japanischen Kanazawa lernt an der Universität Regensburg Deutsch und nimmt an einem ganz besonderen Kurs teil: der internationalen Theatergruppe „Babylon“ des Lehrgebiets Deutsch als Fremdsprache (DaF). In diesem Jahr führt die Gruppe das Stück „Die Herren der Welt“ von Wolfgang Hildesheimer auf.

Textkenntnis und richtige Betonung

Bei der Probe an diesem Mittwochabend sitzen über 30 Studierende aus aller Welt auf den Stühlen entlang der Wand des Orchesterraums und beobachten die Szene. Noch gibt es keine Kostüme und kein Bühnenbild, alles ist der Fantasie der Darsteller überlassen. Fünf Stühle in der Mitte des Raumes stellen ein Sofa dar, auf dem Diane (Adéla Bráchová) Platz genommen hat.

Adéla Brachova (Diane), Sárka Máchová (Butler) und Kei Muramoto (Jack) bei der Probe einer Szene des Stücks „Die Herren der Welt“.
Adéla Brachova (Diane), Sárka Máchová (Butler) und Kei Muramoto (Jack) bei der Probe einer Szene des Stücks „Die Herren der Welt“. Foto: Knobloch

Kaum ist der Plan gefasst, Jack als den Sekretär auszugeben, um ihm für diese Nacht ein Dach über dem Kopf zu verschaffen, taucht schon Dianes Mutter, Fürstin Olga, auf. Als Kei alias Jack neben der Fürstin Platz nehmen will, greift Christine Kramel ein, die zusammen mit Andreas Legner die Theatergruppe leitet. „Nein“, sagt sie, „Jack bleibt stehen.“ Vor der Fürstin hat er Respekt und wahrt deshalb lieber Distanz, so die Regieranweisung.

Erfahrung mit dem Theater hat Kei bereits in seiner Heimat Japan gesammelt. Nun spielt er zum ersten Mal auf Deutsch – eine Herausforderung, zumal es sich um eine größere Rolle handelt. „Momentan bin ich sehr damit beschäftigt, den Text auswendig zu lernen“, sagt Kei. Auch die richtige Aussprache und die Betonung muss der Austauschstudent üben. „Es läuft aber nicht so schlecht“, meint er.

Andreas Legner ist mit den jungen Darstellern nach der Szene jedenfalls zufrieden: „Großes Lob für den Text, der sitzt schon ziemlich gut. Weiter so!“ Noch ist ein wenig Zeit bis zur Premiere Ende Juni. Die Theateraufführung markiert zugleich schon fast das Ende von Keis Aufenthalt in Regensburg: Im Juli geht es nach knapp einem Jahr wieder zurück nach Japan. Dort studiert Kei an der Universität Kanazawa Deutsche und Englische Literatur und Linguistik sowie Lehramt. Später wird er wohl als Englischlehrer an einer Oberschule arbeiten.

Keis Herz schlägt für das Theater. In der Oberschule hat er mit dem Schauspielern angefangen, an der Universität hat er eine eigene Studententheatergruppe gegründet. Dort steht er selbst auf der Bühne, führt aber auch Regie. Als er 2013 für einen Sommer-Sprachkurs zum ersten Mal nach Regensburg kam, erfuhr er von einem Professor, dass es an der Uni eine Theatergruppe für ausländische Studenten gibt. Seit Herbst laufen nun die Proben für „Die Herren der Welt.“ Gemeinsam mit anderen ausländischen Studenten Theater zu spielen, macht Kei viel Spaß. „Am Anfang hatte ich aber etwas Angst, weil die anderen zum Teil viel besser Deutsch konnten als ich.“

Student Kei Muramoto und eine andere „Babylon“-Teilnehmerin machen sich bei einer „Spiegel-Übung“ warm für die Probe.
Student Kei Muramoto und eine andere „Babylon“-Teilnehmerin machen sich bei einer „Spiegel-Übung“ warm für die Probe. Foto: Knobloch

Durch den Unterricht und auch durch das Theaterspielen haben sich Keis Deutschkenntnisse in den vergangenen Monaten immer weiter verbessert, er besucht mittlerweile einen Kurs auf dem fortgeschrittenen Niveau C1. „Als ich nach Deutschland kam, konnte ich manche Texte kaum verstehen – jetzt wird mir die Bedeutung klar. Das motiviert mich sehr“, sagt Kei. Aber auch negative Erfahrungen hat er gemacht. Den bayerischen Dialekt eines Studenten in der Gemeinschaftsküche im Wohnheim verstand der Japaner nicht. „Darauf meinte er, mein Sprachkurs wäre schlecht.“

Recherche zum Jugendtheater

In Regensburg gefällt es Kei gut. „Die Stadt ist sehr schön.“ Das Wetter sei besser als in Kanazawa, wo es häufig regne. Auch gereist ist er in seinem Auslandsjahr, vor allem Berlin hat es ihm angetan. „Die Stadt ist ganz anders als die japanische Hauptstadt Tokyo“, findet er. An Japan vermisst er die heißen Quellen, Onsen, die er sonst oft mit Freunden besucht.

Viel Zeit für Heimweh bleibt aber nicht. Neben den Theaterproben recherchiert Kei für seine Abschlussarbeit, die er zum Thema Jugendtheater schreiben will. In Regensburg hat er dafür bereits ein Interview mit einer Theaterpädagogin geführt. „Ich will wissen, welchen Einfluss das Theater auf die Schüler hat“, sagt er. In Japan hat Kei bei Schauspiel-Workshops für Grundschüler mitgearbeitet. „Anfangs waren die Kinder oft schüchtern, aber durch das Theaterspielen haben sie Selbstvertrauen bekommen.“ Solche positiven Auswirkungen könnten dazu beitragen, dass das Theaterspielen auch in seiner Heimat mehr Anerkennung bekommt, hofft Kei.

Die Theatergruppe Babylon

  • Gruppe

    Babylon ist die internationale Theatergruppe des Lehrgebiets Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Universität Regensburg.

  • Teilnehmer

    Ausländische Studierende üben ein Theaterstück auf Deutsch ein und führen es auf. Auch als Techniker, Maskenbildner oder Bühnenbauer bringen sich die Teilnehmer ein.

  • Stück

    In diesem Jahr zeigt Babylon die Komödie „Die Herren der Welt“ von Wolfgang Hildesheimer.

  • Termine

    Aufgeführt wird das Stück am 29. und 30. Juni sowie 1.,2. und 3. Juli, jeweils um 19.30 Uhr im Theater an der Universität.

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